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Die Geschichte der Panzertruppen

Die Panzertruppe

Vor 1945
Bereits während des Ersten Weltkriegs wurden Panzer entwickelt, die jedoch nur vereinzelt eingesetzt wurden und man daher anfänglich noch nicht von einer eigenen Truppengattung „Panzertruppe“ sprechen konnte. Der erste Einsatz britischer Tanks erfolgte in Flers an der Somme im Jahre 1916. Die britische Armee führte allerdings bereits 1916 ein eigenständiges „Royal Tank Corps“. Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs setzten auch deutsche Truppen einige, teilweise erbeutete, Panzer ein. Als Vordenker für die Gestaltung einer modernen Panzertruppe gilt jedoch erst der deutsche Generaloberst Heinz Guderian. Guderian leistete nach dem Ersten Weltkrieg taktische Grundlagenarbeit, indem er feststellte, dass der massive Einsatz von Panzern wirksamer ist als der vereinzelte Einsatz als Unterstützungswaffe für unmotorisierte Fußtruppen. Gliederung, Ausrüstung und Einsatzgrundsätze der neu aufgestellten Panzerdivisionen waren auf den Kampfpanzer als Hauptwaffe ausgerichtet. Alle anderen Waffen in diesen Verbänden waren auf das Zusammenwirken mit Kampfpanzern angewiesen. Im Rahmen der Aufrüstung im nationalsozialistischen Deutschland konnte er seine Ideen zu Organisation und Einsatz der Panzertruppe umsetzen, während in anderen Ländern Offiziere mit ähnlichen Ideen, wie zum Beispiel Charles de Gaulle in Frankreich oder John Frederick Charles Fuller in England, kein Gehör fanden. Diese Grundlagen ermöglichten die Blitzkriege der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg.

Nach 1945
Im Kalten Krieg waren Kampfpanzer eine Hauptwaffe, die in den Truppen der NATO und des Warschauer Pakts in weitaus größerer Anzahl als heute vorgehalten wurden. So umfasste die sowjetische Panzertruppe in den späten 80er Jahren etwa 29.000 Kampfpanzer mit mehr als einer Millionen Soldaten. Auch nach Ende des West-Ost Konflikts bilden die Panzertruppen auch in vielen Armeen den gepanzerten Kern der Landstreitkräfte, wobei jedoch zumindest bei den Truppen der NATO ein Trend zu leichteren und beweglicheren Truppen erkennbar ist.

Nachdem der Aufbau des Heeres Mitte der 1960er Jahre fast vollständig abgeschlossen war, verfügte die Bundeswehr über 51 Panzerbataillone und folgende Panzerverbände: Aus den 6 Panzerdivisionen und 4 Panzergrenadierdivisionen ergaben sich:

  • 16 Panzerbrigaden mit je 2 Panzerbataillonen und je 1 Panzerjägerkompanie
  • 14 Panzergrenadierbrigaden mit je 1 Panzerbataillon und je 1
    Panzerjägerkompanie
  • Zusätzlich vier Panzerbataillone und 2 Panzerjägerkompanien der 1.
    Gebirgsdivision
  • 2 selbstständige Panzerregimenter bei den Korpstruppen (geplantes
    Panzerregiment 300 des III. Korps wurde nicht aktiviert)

Bis zur Heeresstruktur II hatte jede Kompanie drei Züge mit je fünf Panzern, zuzüglich der Panzer des Kompaniechefs und ein Umsteigefahrzeug. Die Anzahl der Panzerfahrzeuge wurde später verringert. Der Bataillonsstab verfügte über drei weitere Fahrzeuge bei der Stabs- und Versorgungskompanie – je eines für den Kommandeur und den stellvertretenden Kommandeur sowie ein Umsteigefahrzeug. Ein Bataillon besaß also 54 Kampfpanzer. Insgesamt standen der Bundeswehr etwa 2800 Panzerkampffahrzeuge Leopard 1 und M 48 sowie etwa 970 Jagdpanzer zur Verfügung. Anfang der 1980er Jahre wurden weitere 17 Panzerbataillone als gemischte Verbände (Panzer/Panzergrenadiere) aufgestellt. Sie trugen in ihrer Verbandsnummer jeweils eine 1 am Ende, eine Ziffernkombination, die bis dahin nicht vergeben worden war. Eine Ausnahme bildete nur das Gebirgs-Panzerbataillon 8. Zusätzlich zur Aufstellung kamen zwölf Panzerbataillone der Heimatschutzbrigaden, die jedoch nur teilaktiv und teilmobil (Ist-Bestand ca. 60 %) waren.

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Die Panzergrenadiertruppe

Ursprünglich beschreibt das Wort Grenadier den im Werfen von Granaten speziell ausgebildeten Infanteristen. Im Zweiten Weltkrieg wurden die infanteristischen Truppenteile in den Panzerdivisionen der Wehrmacht erstmals als Panzergrenadiere bezeichnet. Die Aufstellung von Panzergrenadierverbänden geht auf Generaloberst Heinz Guderian zurück, welcher als der Entwickler der modernen Panzerwaffe gilt. Sein Konzept sah dabei vor, den Panzerverbänden beim Vorrücken alle notwendige Unterstützung mitzuführen. Dazu gehörten Pioniere, Artillerie, Instandsetzung und eben auch Infanterie. Für die Panzergrenadiere sah sein Konzept weiterhin vor, dass diese mit einem speziellen gepanzerten Fahrzeug, dem Schützenpanzer, ausgerüstet werden sollten, mit welchem sie auf- und abgesessen kämpfen sollten. Zu Beginn des Krieges waren die Panzergrenadierverbände unter der Bezeichnung Schützen und Kavallerieschützen den Panzerdivisionen und Leichten Divisionen zugeordnet. Nach dem Polenfeldzug wurden die leichten Divisionen in Panzerdivisionen umgegliedert, sodass nun alle infanteristischen Verbände als Schützen bezeichnet wurden. Am 5. Juli 1942 wurden diese dann in Panzergrenadiere umbenannt, unabhängig davon, ob sie über gepanzerte Fahrzeuge verfügten. Tatsächlich verfügten nur etwa 25 % der Panzergrenadiere im Verlauf des Krieges über gepanzerte Fahrzeuge. Als Waffenfarbe wurde 1943 Wiesengrün festgelegt. Einige Verbände der Wehrmacht behielten jedoch aus ihrer Geschichte heraus Weiß (Infanterie) oder Gelb (Kavallerie).

In den Heeresstrukturen 1 und 2
Bei Aufstellung der Bundeswehr ab 1955 wurden zunächst fast nur Grenadierverbände aufgestellt. Anfangs wurde die Panzergrenadiertruppe der Infanterie zugerechnet. Geplant war die Aufstellung von acht Grenadierdivisionen. In der Heeresstruktur I waren Panzergrenadiere nur als Lehrbataillon in Munster und in den beiden aufzustellenden Panzerdivisionen (3. und 4. Division) eingeplant. Nur das Lehrbataillon verfügte über den amerikanischen Schützenpanzer M39 - die Bataillone der Divisionen hatten nur LKW. Flächendeckend wurde der M39 auch später nicht für die Panzergrenadiertruppe beschafft. Die Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg und die geforderte Fähigkeit zur beweglichen Gefechtsführung auch unter atomarer Bedrohung führten zur Entscheidung, die Mehrzahl der Panzergrenadierbataillone mit vollmechanisierten Kampffahrzeugen auszurüsten. In der Heeresstruktur II wurden die Grenadierdivisionen 1959 in Panzergrenadierdivisionen umgegliedert und dem Heer lief der neu entwickelte, skandalumwitterte Schützenpanzer (SPz) HS 30 zu. Die Verbände, die noch keinen Schützenpanzer erhielten, wurden als Panzergrenadierbataillon „motorisiert“ (mot) bezeichnet. Ab 1962 wurden die mot-Einheiten durch Zulauf des amerikanischen Mannschaftstransportwagens (MTW) M113 zu Panzergrenadierbataillonen MTW. Jede Panzerdivision gliederte sich in zwei Panzer- und eine Panzergrenadierbrigade und jede Panzergrenadierdivision in zwei Panzergrenadier- und eine Panzerbrigade. Jede Panzergrenadierbrigade wies zwei Bataillone SPz und ein Bataillon mot bzw. MTW auf.

In der Heeresstrukturen 3 und 4
In der Heeresstruktur 3 wurden zwei Divisionen zu Jägerdivisionen (2. und 4. Division) umgegliedert. In den Panzer- und Panzergrenadierdivisionen waren die Panzergrenadiere nunmehr (bis auf Ausnahmen) die einzige Infanterie. Der sich als technisch unzuverlässig erweisende HS 30 wurde nach etwa 10 Jahren durch den deutschen Schützenpanzer Marder ersetzt und später durch die Panzerabwehrwaffe MILAN verstärkt. Auch die Panzergrenadierbataillone MTW wurden jetzt mit Schützenpanzern ausgerüstet. Bereits in der Heeresstruktur 4 wurden die Jägerdivisionen wieder zu Panzergrenadierdivisionen. Die Brigaden wurden um ein viertes Kampftruppenbataillon aufgestockt. Die neu aufgestellten Einser-Bataillone waren gemischte Panzer- oder Panzergrenadierbataillone. In den Panzergrenadierbrigaden wurden die dritten Kampfkompanien der unterstellten Bataillone wieder mit dem MTW M-113 ausgerüstet. Insgesamt gab es 64 Panzergrenadierbataillone. Auch im Territorialheer wurden in der Heimatschutzbrigade 56 erstmals zwei Panzergrenadierbataillone aufgestellt.

In der Heeresstrukturen 5 und später
In der Heeresstruktur 5 Nachsteuerung (N) wurden die Brigaden einheitlich mit je zwei Panzer- und Panzergrenadierbataillonen aufgestellt. Die Panzergrenadiertruppe wechselte von der Infanterie zu den gepanzerten Kampftruppen, später umbenannt in Panzertruppen. Im Zuge der Transformation der Bundeswehr werden die Panzermörserkompanien aufgelöst. Die Panzermörser M113 wurden in den Panzergrenadierbataillonen außer Dienst gestellt. Ab 2012 wird dem Heer der Schützenpanzer Puma zulaufen und den Marder ablösen.

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Stand vom: 25.11.13


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