Startseite Bundeswehr

Sie sind hier: Startseite > Aktuelles > Nachrichten und Berichte > Jahr 2019 > Juni 2019 > „Tolles Programm, sehr positive Eindrücke“ – Die Abgeordneten Lindner und Özdemir üben in Munster

„Tolles Programm, sehr positive Eindrücke“ – Die Abgeordneten Lindner und Özdemir üben in Munster

Die beiden Mitglieder des Bundestages, Cem Özdemir (l.) und Tobias Lindner (r.) fühlen sich zwischen den Soldaten sichtlich wohl
Die beiden Mitglieder des Bundestages, Cem Özdemir (l.) und Tobias Lindner (r.) fühlen sich zwischen den Soldaten sichtlich wohl (Quelle: Bundeswehr/Katrin Hanske)Größere Abbildung anzeigen
Munster/Niedersachsen, 19.06.2019.

Mittagessen mit Einmannpaketen im Freien, Schießausbildung, Orientierungsübung  – dies alles hat zur Dienstlichen Veranstaltung für zivile Führungskräfte am Ausbildungszentrum MUNSTER gehört. Zu den Teilnehmern gehörten hochrangige Beamte, leitende Angestellte, Firmenchefs, Juristen und Politiker. Alle tauschten zivile Kleidung gegen den Flecktarn der Streitkräfte und schauten sich vom 11. bis 15. Juni die Bundeswehr von nahem an.

Der gutgelaunte Bürgermeister heißt seine Gäste in Barbaradorf auf dem Truppenübungsplatz Munster herzlich willkommen. Er bedankt sich bei den deutschen Streitkräften für den Bau der Schule und dafür, dass er und seine Mitbürger „dank der deutschen Soldaten in Frieden leben können“. So oder ähnlich erleben es Bundeswehrsoldaten in Auslandseinsätzen. Dann lädt der Ortsvorsteher, im realen Leben Stabsfeldwebel der Bundeswehr, die Besucher zum Mittagessen ein.

Das wartet auf Strohballen unter freiem Himmel in Form von Einmannpaketen. Die Frauen und Männer klappen das kleine Metallgestell aus ihrer Ausrüstung auf und zünden darauf ein Stück „Erich Schumms Brennstoff in Tablettenform“ (Esbit) an. Schon bald wabert der köstliche Geruch der Mahlzeiten über ihren Köpfen. Feldmäßiges Essen ist angesagt.

Eindrücke vom Alltag der Soldaten

Der Bundestagsabgeordnete Tobias Lindner (4. v. l.) nimmt mit seiner Gruppe das Mittagessen im Gelände ein
Der Bundestagsabgeordnete Tobias Lindner (4. v. l.) nimmt mit seiner Gruppe das Mittagessen im Gelände ein (Quelle: Bundeswehr/Johann R. Fritsch)Größere Abbildung anzeigen

Das „Leben im Felde“ ist nur einer von vielen Programmpunkten der Dienstlichen Veranstaltung für zivile Führungskräfte am Ausbildungszentrum Munster. Die Selbstständigen, Beamten, Angestellten, Firmenchefs, Medienvertreter und Bundestagsabgeordneten nächtigen statt in Hotelzimmern in kargen Kasernenstuben.

Sie tragen für eine Woche den Dienstgrad Oberleutnant und bekommen einen tiefen Einblick in die Bundeswehr. Damit sind sie in Munster nicht allein, denn derartige Informationsvermittlungen finden auch bei den anderen Teilstreitkräften und Organisationsbereichen statt. Aber im größten Standort des Deutschen Heeres stehen natürlich die Landstreitkräfte im Mittelpunkt.

In Vorträgen geht es um Sicherheits- und Verteidigungspolitik, den Sachstand und die Zukunft des Heeres, um Ausbildung, Führung und Einsatz sowie die aktuelle Ausrüstung und Bewaffnung. Durch Gespräche mit Soldaten aller Dienstgradgruppen, Besichtigungen und persönliches Erleben bekommen die Frauen und Männer Informationen aus erster Hand und Eindrücke vom vielfältigen Alltag der Soldatinnen und Soldaten.

Mehr wissen wollen, über die man entscheidet

Trotz des erlebnisorientierten Programms geht es nicht darum, einen Abenteuerkurzurlaub zu organisieren. Die Bundeswehr geht auf die Teilnehmenden zu, weil es keine Wehrpflicht mehr und viele Regionen ohne Soldaten gibt. In Teilen der deutschen Gesellschaft herrscht Unkenntnis über die Truppe und gegenüber deren Angehörigen oft eine wohlwollende Gleichgültigkeit. Umso wichtiger ist es, Mittler zu gewinnen, die ihre Eindrücke von den Streitkräften an ihr Umfeld weitergeben.

Den zivilen Führungskräften kommt deshalb als Multiplikatoren im öffentlichen Leben wesentliche Bedeutung zu. Die persönlichen Beweggründe dafür, eine Woche lang die Uniform anziehen, sind höchst unterschiedlich. So beschäftigt sich Tobias Lindner als Bundestagsabgeordneter seit Jahren mit der Sicherheitspolitik. Als Mitglied des Verteidigungsausschusses möchte er deshalb einen „Einblick in die Bundeswehr bekommen“. Von seiner Teilnahme in Munster erwartet er sich „ein Gefühl für die soldatische Realität“.

Der Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir, Vorsitzender des Ausschusses für Verkehr und digitale Infrastruktur, verweist auf die Verantwortung der Politiker für die deutschen Streitkräfte als Parlamentsarmee: „Ich entscheide im Bundestag auch über die Mandate und damit die Teilnahme der Bundeswehr an Einsätzen. Deshalb möchte ich ein bisschen mehr über die wissen, die wir in die ganze Welt schicken. Hier bekomme ich einen Einblick, mit wem wir es dabei zu tun haben.“ Beide haben kürzlich einen gemeinsamen Gastbeitrag in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ mit dem Titel „Warum grüne Außenpolitik die Bundeswehr braucht“ geschrieben.

Unterschiedliche Motive

Den Veranstaltungsteilnehmern wird der nächste Ausbildungsabschnitt erklärt
Den Veranstaltungsteilnehmern wird der nächste Ausbildungsabschnitt erklärt (Quelle: Bundeswehr/Johann R. Fritsch)Größere Abbildung anzeigen

Über die Auslandseinsätze der Bundeswehr entscheidet Alexander Wolf in der Hamburgischen Bürgerschaft zwar nicht, aber der 52-jährige Abgeordnete hat großes Interesse an der Bundeswehr und „am Heer im Besonderen“. Der Jurist begeistert sich besonders für Geschichte und hat eine „positive Einstellung zu Staat und Bundeswehr“.

Die Bonnerin Gerlinde Schmelzer, selbstständige Gesellschafterin in einer Unternehmensberatung, möchte „einen Einblick in diese andere Welt“ bekommen und am eigenen Leib ein bisschen Praxis kennenlernen. Bei Stephan Sorge dreht es sich vorwiegend um die Garnison Munster, deren Stadtrat er angehört: „Ich bin nicht nur durch die Familie mit ihr groß geworden, die Stadt lebt mit und von der Bundeswehr.“ Den 52-jährigen Polizeibeamten interessiert deshalb umso mehr, „wie es am Standort mit den Streitkräften weitergeht“. Dies und mehr erfahren Sorge und die anderen Oberleutnante in Vorträgen hochrangiger Referenten, die sich unter anderem auch mit dem Prinzip der Inneren Führung befassen.

Straffer Ablauf und militärische Ordnung

Orientieren im Felde lautet eine Übung, mit dabei der Politiker Cem Özdemir (l.)
Orientieren im Felde lautet eine Übung, mit dabei der Politiker Cem Özdemir (l.) (Quelle: Bundeswehr/Katrin Hanske)Größere Abbildung anzeigen

Aber zunächst nehmen die 32 Männer und 14 Frauen Abschied vom Barbaradorf und dessen Bürgermeister. Die sechs Gruppen machen sich unter Leitung erfahrener Offiziere und Unteroffiziere für den Nachmittag fertig. Die Gruppenführer sorgen für den straffen Ablauf und militärische Ordnung. Für viele Führungskräfte ist es ungewohnt, einfach Befehle zu befolgen, denn normalerweise haben sie das Sagen. Probleme macht ihnen das nicht, stellt Oberstleutnant Stefan Ernst als verantwortlicher Projektoffizier fest: „Die Teilnehmer haben sich schnell umgestellt und in ihren Gruppen zusammengefunden. Dies zeigen vor allem die gute Stimmung und das anhaltende Interesse der Beteiligten.“

Umgang mit Schusswaffen wird trainiert

Oberleutnant Julia Jungmann (r.), Referentin für Zukunft der Familie (FDP), hält das Ziel fest im Visier
Oberleutnant Julia Jungmann (r.), Referentin für Zukunft der Familie (FDP), hält das Ziel fest im Visier (Quelle: Bundeswehr/Katrin Hanske)Größere Abbildung anzeigen

Auf diese wartet nach dem rustikalen Essen einer der vielen Höhepunkte: Kampfpanzer Leopard sowie Schützenpanzer Marder und Puma fahren auf. Nach kurzer Einweisung wird aufgesessen, die Motoren heulen auf und dann geht es mit Kettengerassel ins Gelände. Anschließend beginnt eine Orientierungsübung über mehrere Kilometer. Dabei müssen die Teilnehmenden mit einem Funkgerät umgehen und sich mit Karte und Kompass im Gelände zurechtfinden.

Unterwegs warten Hindernisse, deren gemeinsames Überwinden die Kameradschaft stärkt und das weitere Zusammenwachsen der Gruppen fördert. An anderen Tagen geht es für die Oberleutnante darum, allein klarzukommen. So bei der Ausbildung mit den Handwaffen Pistole, Maschinenpistole und Gewehr. Sie lernen, dass es beim notwendigen Waffendrill nicht nur um den sicheren Umgang mit den Schusswaffen geht, sondern auch darum, beim Schießen den Kopf frei zu haben, um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen.

Empfehlenswerte Veranstaltung

Ein südkoreanischer Lehrgangsteilnehmer des Ausbildungszentrums MUNSTER (r.) erklärt einem Veranstaltungsteilnehmer (l.) den Schützenpanzer Marder
Ein südkoreanischer Lehrgangsteilnehmer des Ausbildungszentrums MUNSTER (r.) erklärt einem Veranstaltungsteilnehmer (l.) den Schützenpanzer Marder (Quelle: Bundeswehr/Johann R. Fritsch)Größere Abbildung anzeigen

Es wird deutlich, dass sich die Teilnehmer bei Projektoffizier Ernst und seinen Gruppenführern gut aufgehoben fühlen. Auch die Inhalte kommen gut an, wie Gerlinde Schmelzer am Beispiel Feierliches Gelöbnis deutlich macht: „Obwohl das lange Stehen während der Zeremonie sehr anstrengend war, bleibt es doch sehr eindrucksvoll in Erinnerung.“

Alexander Wolf gefällt das Verhältnis in seiner Gruppe und zum Gruppenführer, dass er als „motivierend und fröhlich“ bezeichnet. Stephan Sorge begrüßt, „dass während der Veranstaltung Frauen und Männer aus ganz unterschiedlichen Bereichen zusammenkommen, um gemeinsam einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.“ Dies ermöglicht nach seiner Ansicht bereichernde Gespräche mit den anderen Teilnehmern wie auch mit Bundeswehrangehörigen.

Dies sehen auch die Abgeordneten Lindner und Özdemir so. Letzterer fasst seine Erfahrungen so zusammen: „Es ist eine völlig andere Welt, die uns hier gezeigt wird. Ein tolles Programm, sehr positive Eindrücke. Die Teilnahme an dieser Veranstaltung kann ich nur empfehlen.“


Fußzeile

nach oben

Stand vom: 01.07.2019 | Autor: Johann R. Fritsch


https://www.deutschesheer.de/portal/poc/heer?uri=ci%3Abw.heer.aktuell.nachrichten.jahr2019.juni2019&de.conet.contentintegrator.portlet.current.id=01DB050000000001%7CBDADLN998DIBR