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Multinationale Zusammenarbeit: NATO-Speerspitze übt das Gefecht für den Krisenfall

Ein deutscher Kampfpanzer feuert während der NATO-Übung Noble Jump 2019 aus einer vorbereiteten Stellung
Ein deutscher Kampfpanzer feuert während der NATO-Übung Noble Jump 2019 aus einer vorbereiteten Stellung (Quelle: Bundeswehr/Panzerlehrbrigade 9)Größere Abbildung anzeigen
Zagan/Polen, 05.07.2019.

Wenn ein deutscher Oberstleutnant einem norwegischen, einem niederländischen, einem polnischen und zwei deutschen Soldaten auf Englisch befiehlt, ihre Waffensysteme fertigzuladen, ist es wieder so weit: Streitkräfte der NATO sind zur gemeinsamen Übung Noble Jump 2019 in Polen zusammengekommen.

Auf dem Truppenübungsplatz Zagan zeigten 600 Soldatinnen und Soldaten aus Polen, Norwegen, den Niederlanden und Deutschland Mitte Juni, wie leistungsfähig sie beim streitkräftegemeinsamen Gefechtsschießen sind. Streitkräftegemeinsam heißt, dass beim Gefechtsschießen auch Hubschrauber der polnischen Luftwaffe und nicht nur Kräfte des Heeres eingesetzt und koordiniert wurden. Die Schnelle Eingreiftruppe der NATO, die Very High Readiness Joint Task Force (Land) 2019, stand dabei im Fokus. Die Panzerlehrbrigade 9, die einen Großteil der derzeitigen NATO-Speerspitze 2019 stellt, hatte das Panzergrenadierlehrbataillon 92 mit dem Gefechtsschießen beauftragt. Ein internationales Publikum mit hochrangigen NATO-Vertretern und Presseleuten verfolgte das Gefechtsschießen an einem Demonstrationstag, dem sogenannten Joint Allied Power Demonstration Day.

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Das Panzergrenadierlehrbataillon 92 ist gut beschäftigt

Brigadegeneral Ulrich Spannuth (l.), Kommandeur Panzerlehrbrigade 9 und Oberstleutnant Thomas Zimmer (M.), Kommandeur Panzergrenadierlehrbataillon 92, sind zufrieden mit dem Gefechtsschießen
Brigadegeneral Ulrich Spannuth (l.), Kommandeur Panzerlehrbrigade 9 und Oberstleutnant Thomas Zimmer (M.), Kommandeur Panzergrenadierlehrbataillon 92, sind zufrieden mit dem Gefech… (Quelle: Bundeswehr/Panzerlehrbrigade 9)Größere Abbildung anzeigen

Die Übung war bis ins Detail durchgeplant. Zu Beginn des Jahres hatten die Projektoffiziere des Panzergrenadierlehrbataillons 92 den Truppenübungsplatz Zagan erkundet und erste Absprachen mit den polnischen Gastgebern getroffen. Es stellte sich heraus, dass dies kein gewöhnlicher Auftrag werden würde. Während der intensiven und langen Planungsphase des Gefechtsschießens hatte das Bataillon an weiteren Großvorhaben wie einem Übungsdurchgang im Schießübungszentrum der Panzertruppen oder die Übung Allied Spirit in Hohenfels teilgenommen. Nur wenige Tage vor der Abreise nach Polen war das Bataillon noch bei einer umfangreichen statischen Waffenschau anlässlich des Besuches der Bundeskanzlerin gebunden. So war die umfangreiche Erkundung und Planung dieses aufwendigen Vorhabens auf wenige Schultern aufgeteilt: Hauptmann Jan Kolberg, Hauptmann Friedrich Sauvant und Stabsfeldwebel Andy Neumann.

Aufwendige Vorbereitung

Wie sich später herausstellte, war die Verantwortung in ihren Händen gut aufgehoben. Ein Gefechtsschießen mit polnischen, norwegischen und niederländischen Streitkräften und verschiedenen Teilstreitkräften zu organisieren, war nicht einfach. Die Organisatoren mussten sich mit fremden Übungsplatz- und Sicherheitsbestimmungen vertraut machen. Der Kommandeur des Panzergrenadierlehrbataillons 92, Oberstleutnant Thomas Zimmer, schickte schließlich 166 Soldaten nach Polen. Sie sollten das Schießen und sämtliche dazugehörigen organisatorischen Maßnahmen vorbereiten.

Dazu gehörten der Aufbau des Bataillonsgefechtsstandes, der Umbau der Schießbahn, die Einrichtung eines Kettenabstellplatzes einschließlich Betreuungseinrichtungen für die Übungstruppe und die Einrichtung von Checkpoints. Diese wurden angelegt, um die äußere Sicherheit auf der Schießbahn zu gewährleisten und um sicherzugehen, dass sich während des Schießens keine unbefugten Personen auf dem Platz aufhalten.

Als die Vorbereitungen abgeschlossen waren, traf die Übungstruppe vollzählig auf der Schießbahn ein. Es blieben nur noch wenige Tage bis zur scharfen Übung. Deshalb nutzten die Soldaten jede Minute, um sich darauf vorzubereiten. Aufgrund der Waldbrandgefahr musste das Schießen in die frühen Morgenstunden verlegt werden, als der Boden noch feucht vom Morgentau war.

Zusammenwirken im multinationalen Verbund

Die norwegische Mechanisierte Infanterie übt den Orts- und Häuserkampf auf dem Truppenübungsplatz im polnischen Zagan
Die norwegische Mechanisierte Infanterie übt den Orts- und Häuserkampf auf dem Truppenübungsplatz im polnischen Zagan (Quelle: Bundeswehr/Panzerlehrbrigade 9)Größere Abbildung anzeigen

Der Tag der scharfen Übung begann mit einem taktischen Verzögerungsgefecht. Bei dieser Art des Gefechts versuchen Kräfte den Vorstoß des Feindes zu verlangsamen, um den Hauptkräften genug Zeit zu geben, sich für die Verteidigung einzurichten. Aus der Verteidigung gingen die Soldaten anschließend in einen Gegenangriff über. So demonstrierten die NATO-Partner ihre unterschiedlichen Waffensysteme und ihr Zusammenwirken im multinationalen Verbund.

Die Soldaten aus den verschiedenen Ländern arbeiteten mit moderner Ausrüstung und als Team zusammen. Die deutschen Panzerhaubitzen und polnische Mörser sorgten dafür, dass sich die norwegische, die niederländische Mechanisierte Infanterie und die deutsche Panzertruppe vom Feind lösen konnten. Panzergrenadiere setzten von ihren Schützenpanzern Marder aus das neu eingeführte Lenkflugkörpersystem MELLS (Mehrrollenfähiges Leichtes Lenkflugkörpersystem) gegen gepanzerte Ziele ein. Die Niederländer bildeten einen Brückenkopf an einem Gewässerübergang und schafften so die Voraussetzung für den folgenden Gegenangriff der deutschen und norwegischen Kräfte. Polnische Kampfhubschrauber unterstützten den Angriff aus der Luft. Die hochrangigen Vertreter der NATO-Staaten, die die Übung von einer Tribüne aus verfolgten, waren sichtlich beeindruckt.

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Das Ziel heißt Sicherheit und Frieden

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Übung traten alle Übungsteilnehmer und die Soldaten des Panzergrenadierlehrbataillons 92 auf der Schießbahn an. Der stellvertretende Kommandeur des Joint Force Command Naples, Generalleutnant Christian Juneau aus Kanada, bedankte sich für die Erfüllung des Auftrages und betonte den Stellenwert der Übung: „Die NATO hat ein gemeinsames Ziel, die Sicherheit unserer Nationen zu gewährleisten und den Frieden zu sichern. Aber, um das zu können, müssen wir wachsam bleiben. Daher haben wir die NATO-Response Force. Die Speerspitze dieser Organisation ist die Very High Readiness Joint Task Force, die Organisation, die hier in Zagan in den letzten Wochen geübt hat.” Er fügte hinzu, dass die Übung eines gezeigt habe: „Die NATO ist bereit und fähig im Falle einer Krise einzugreifen.“

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Stand vom: 19.07.2019 | Autor: Johannes Hagedorn


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