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Übung „Enzian“: Gebirgsjäger bereiten sich auf Bündnisverteidigung vor

Gefechtsstandarbeit mit multinationalen Partnern ist die Herausforderung für alle Teilnehmenden der Brigadeübung „Enzian“
Gefechtsstandarbeit mit multinationalen Partnern ist die Herausforderung für alle Teilnehmenden der Brigadeübung „Enzian“ (Quelle: Bundeswehr/Christian Giehl)Größere Abbildung anzeigen
Grafenwöhr/Bayern, 09.05.2018.

Mit der Brigadeübung „Enzian“ bereiten sich die Soldatinnen und Soldaten der Gebirgsjägerbrigade 23 seit dem 16. April auf die Zusammenarbeit mit NATO-Bündnispartnern vor. Sie ist die Grundlage für die noch bis zum 9. Mai laufende und von US-Streitkräften organsierte Interoperabilitätsübung „Joint Warfighting Assessment“.

Wie gestaltet sich die Operationsführung, wenn Kampftruppenbrigaden aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Kanada durch eine US-amerikanische Division geführt werden? Wie würden im Falle einer Bündnisverteidigung, beispielsweise im Baltikum, Informationen und Daten ausgetauscht und mit den verschiedenen Computer- und Datenübertragungssystem vernetzt? Diesen und weiteren Fragen haben sich die Soldaten auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr gestellt.

Unterschiedliche Systeme, Verfahren und Sprachen

Der Brigadekommandeur, Oberst Jared Sembritzki (stehend), erläutert das weitere Vorgehen. Sein Entschluss lautet: Angriff
Der Brigadekommandeur, Oberst Jared Sembritzki (stehend), erläutert das weitere Vorgehen. Sein Entschluss lautet: Angriff (Quelle: Bundeswehr/Christian Giehl)Größere Abbildung anzeigen

Unter der Führung des Kommandeurs der Gebirgsjägerbrigade 23, Oberst Jared Sembritzki, laufen die Vorbereitungen für die Brigadegefechtsstandübung „Enzian“ in Grafenwöhr bereits seit Mitte März. Dazu und zur Teilnahme an der Übung „Joint Warfighting Assessment“ (JWA) haben Soldaten der Brigadeführung sowie der Stabs-/Fernmeldekompanie der Gebirgsjägerbrigade 23 den Brigadegefechtsstand auf dem Truppenübungsplatz errichtet.

Am 16. April trafen die Hauptkräfte des geplanten Gefechtsstandes aus Bad Reichenhall ein. Eine erste Herausforderung bestand in der Vernetzung zwischen den deutschen und amerikanischen Computersystemen, um einen schnellen und sicheren Datentransfer zu ermöglichen. Eine Aufgabe, die mit tatkräftiger Unterstützung der amerikanischen Kameraden ohne größere Probleme bewältigt wurde. Auch galt es, unterschiedliche Verfahren von Bundeswehr und U.S. Army bei der Geheimhaltung von Dokumenten und Daten in Einklang zu bringen, um den nationalen Vorschriften beider Seiten Rechnung zu tragen.

Neben den technischen Voraussetzungen und unterschiedlichen Verfahrensweisen müssen auch Sprachbarrieren der Übungsparteien überwunden werden. Besonders in der Kommunikation mit dem Gefechtsstand der 1. US-Infanteriedivision, die in der Übung die multinationale Operation führt, muss jeder Übungsteilnehmer Englisch sprechen und militärische Fachbegriffe in Englisch beherrschen.

Szenario: Multinationale Angriffsoperation der NATO im Baltikum

Das Gefechtsstandpersonal der Gebirgsjägerbrigade 23 übte nicht allein. Gebirgsaufklärer, Gebirgspioniere, Artilleristen, Heeresflieger und sogar die Luftwaffe übten gemeinsam mit der Brigade. Zugrunde gelegt wurde dabei eine Übungslage, bei der die territoriale Integrität eines NATO-Staates wieder hergestellt werden sollte.

Die Gebirgsjägerbrigade 23 erhielt dazu von der 1. US-Infanteriedivision den Auftrag, zusammen mit weiteren Bündnispartnern wie Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Kanada und Polen die Invasoren anzugreifen und diese zurückzudrängen. Die Lageeinspielung für die Übung „Enzian“ umfasste dabei alle Maßnahmen zur Vorbereitung der geplanten Angriffsoperation. Auch mussten mögliche Folgeaufträge generiert werden.

Gebirgsjäger werden in „Multi Domain Battle“ eingebunden

Der Brigadegefechtsstand der Gebirgsjäger ist die Leitungs- und Schaltzentrale im Gefecht
Der Brigadegefechtsstand der Gebirgsjäger ist die Leitungs- und Schaltzentrale im Gefecht (Quelle: Bundeswehr/Christian Giehl)Größere Abbildung anzeigen

Neben der Vernetzung der Bündnispartner ist das Ziel der Folgeübung „Joint Warfighting Assessment“ auch das von der U.S. Army entwickelte „Multi Domain Battle“, also ein multidimensionales Gefecht zu erproben. Gemeint ist damit, dass sich nicht mehr – wie in einem klassischen Gefecht – zwei Landstreitkräfte in einer Art Duellsituation gegenüber stehen. Geübt wird, dass viele unterschiedliche Faktoren am Boden, in der Luft, auf dem Meer, im Weltraum sowie aus dem Cyberraum und im elektromagnetischen Spektrum zukünftige Operationsführungen beeinflussen.

Die Übung zeigt, wie vielseitig und schnell die Soldaten der Gebirgsjägerbrigade 23, etwa mit Luftunterstützung multinationaler Verbände oder Cyber-Kampfmitteln in zukünftigen Gefechten, zusammenarbeiten müssen. Auch die Aufklärung feindlicher Stellungen, beispielsweise durch Satelliten, wäre möglich. Erfahrungen aus dieser Übung werden dazu beitragen im multinationalen Umfeld noch sicherer mit verbündeten Streitkräfte zusammen zu kämpfen.


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Stand vom: 17.05.18 | Autor: Christian Giehl


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