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Deutscher Anteil der NATO-Speerspitze ist zeitgerecht einsatzbereit

Das Deutsche Heer erfüllt seine Verpflichtungen: Die Soldaten der VJTF (L) sind gut ausgebildet, hoch motiviert und bereit für ihren Auftrag
Das Deutsche Heer erfüllt seine Verpflichtungen: Die Soldaten der VJTF (L) sind gut ausgebildet, hoch motiviert und bereit für ihren Auftrag (Quelle: Bundeswehr/Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen
Strausberg/Brandenburg, 07.05.2018.

Vor vier Jahren, auf dem NATO-Gipfel in Wales, hatte sich Deutschland bereit erklärt, für die neue schnelle Eingreiftruppe der NATO eine führende Rolle zu übernehmen. Für die sogenannte Speerspitze der Nato, die VJTF (Very High Readiness Joint Task Force) Anteil Landstreitkräfte (L), bereitet sich die Panzerlehrbrigade 9 seit vergangenem Jahr intensiv vor. Die Brigade erfülle und werde die NATO-Forderungen für den Einsatz erfüllen, erklärte nun der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Jörg Vollmer.

Die Panzerlehrbrigade 9, die den deutschen Anteil der VJTF (L) 2019 stellt, befindet sich derzeit in der Stand Up-Phase, einer Aufstellungs- und Ausbildungsphase. Ab dem 1. Januar 2019 beginnt für sie dann offiziell die Stand By-Phase. Von da an ist die Brigade in dem höchsten Bereitschaftsgrad, so dass sie bei Alarmierung in zwei bis sieben Tagen für einen Abmarsch in den Einsatz bereit steht. Der Weg zur Stand By-Phase verlangt von den Soldatinnen und Soldaten der Panzerlehrbrigade 9 viel. Aber auch die Führung des Deutschen Heeres war gefordert, um die Einsatzbereitschaft gemäß den NATO-Vorgaben, die an eine VJTF gestellt werden, zu erfüllen.

Das Deutsche Heer ist flexibel und verlässlich

Konsequent und sorgfältig bereiten sich die Soldaten der VJTF (L) auf die Stand By-Phase vor
Konsequent und sorgfältig bereiten sich die Soldaten der VJTF (L) auf die Stand By-Phase vor (Quelle: Bundeswehr/Gottschalk)Größere Abbildung anzeigen

Das fähigkeitsrelevante Material ist soweit vorrätig, um die von der NATO geforderten Aufgaben übernehmen zu können. „Wir mussten flexibel reagieren. Das Deutsche Heer erfüllt bezüglich Personal und Material alle Vorgaben für die VJTF 2019“, erklärte nun der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Jörg Vollmer. Diese grundlegenden Voraussetzungen verlangen hohe Anstrengungen und Flexibilität – auch von Verbänden, die nicht direkt in die Aufstellung der VJTF einbezogen waren. „Die Masse des notwendigen Materials kommt aus den Truppenteilen der 1. Panzerdivision, der auch die Panzerlehrbrigade 9 angehört. Weitere notwendige materielle Ergänzungen erfolgten aus Beständen anderer Großverbände des Heeres“, gibt Vollmer Auskunft.

Eine flexible Materialsteuerung trägt zur Erfüllung der  NATO-Vorgaben für den deutschen Anteil VJTF (L) bei
Eine flexible Materialsteuerung trägt zur Erfüllung der NATO-Vorgaben für den deutschen Anteil VJTF (L) bei (Quelle: Bundeswehr/PIZ Heer)Größere Abbildung anzeigen

Damit diese Bereitstellung den laufenden Betrieb, vor allem bei Ausbildung und Übung der abstellenden Truppe, nicht über die Maßen einschränkt, bleibt das Gerät zunächst zu weiten Teilen bei den jeweiligen Verbänden. Das entsprechende Material zur Unterstützung der VJTF ist verbindlich festgelegt und auf Abruf verfügbar. Der abstellende Truppenteil ist somit darauf vorbereitet, im Falle einer Alarmierung, innerhalb der vorgesehenen Zeit dieses Großgerät der Panzerlehrbrigade 9 zuzuführen. „Damit können wir auf alle möglichen Szenarien schnell und dem Auftrag angemessen reagieren. VJTF ist eine internationale Verpflichtung, der wir ohne Abstriche nachkommen. Wir werden alle Zeitlinien einhalten“, betonte der Inspekteur des Heeres. Für die Teile der VJTF, die im Falle einer Alarmierung unverzüglich abrücken müssten, steht das Material und Großgerät stets zum Abmarsch an einem Ort bereit.

VJTF – Ein Auftrag über mehrere Jahre

Im Februar 2017 üben Soldaten von der 2. Kompanie des Jägerbataillons 91 auf dem Truppenübungsplatz in Bergen im Rahmen der Kompaniegefechtsübung „Eisige Heide“. Die Übung dient ihrer Vorbereitung als Teil der VJTF-Brigade
Im Februar 2017 üben Soldaten von der 2. Kompanie des Jägerbataillons 91 auf dem Truppenübungsplatz in Bergen im Rahmen der Kompaniegefechtsübung „Eisige Heide“. Die Übung dient ih… (Quelle: Bundeswehr/David Hecker)Größere Abbildung anzeigen

Insgesamt ergibt sich aus der notwendigen flexiblen Materialsteuerung ein nicht unerheblicher und auf drei Jahre angelegter Koordinierungsaufwand für die betroffenen Truppenteile. „Wir müssen uns bewusst sein, dass sich die VJTF 2019 mit der Stand Up-Phase 2018, der Stand By-Phase 2019 und der Stand Down-Phase im Jahr 2020 über einen Zeitraum von insgesamt drei Jahren erstreckt. Deshalb waren einfache und praktikable Lösungen gefordert“, lässt Vollmer keinen Zweifel an der Entscheidung. Darüber hinaus gibt es vor der VJTF-Verpflichtung und der ersten Phase eine nationale Vorbereitungsphase, die den Großverband de facto für vier Jahre bindet.

Eine VJTF (L) als Teil der NATO Response Force (NRF) umfasst gleichzeitig jeweils drei bis fünf Gefechtsverbände, die in einer multinationalen Brigade zusammengefasst werden. Das Konzept basiert auf einem Drei-Jahres-Zyklus, in dem eine Brigade drei unterschiedliche Phasen der Bereitschaft in einem Alarmierungsfall durchläuft. In jedem Kalenderjahr gibt es immer eine Brigade in einem hohen Bereitschaftsgrad, in einer sogenannten Stand By-Phase. Sie kann dann in zwei bis sieben Tagen, der sogenannten Notice to Move (NTM)-Zeit, in den Einsatz gehen. Die NTM-Zeit der Stand Up-Phase, in der sich aktuell die Panzerlehrbrigade 9 befindet und die zugleich eine Aufstellungs- und Ausbildungsphase ist, beträgt 45 Tage. Die Stand Down-Phase, die den Abschluss des dreijährigen Zyklus bildet, verlangt, dass die Brigade nach 30 Tagen in einem Einsatz bereit stehen soll.

Wie gut ausgebildet und hoch motiviert die Soldatinnen und Soldaten der Panzerlehrbrigade 9 sind, werden sie im November 2018 unter Beweis stellen. Dann verlegen sie mit nahezu den gesamten Kräften nach Norwegen und nehmen mit anderen multinationalen Partnern an der NATO Zertifizierungsübung Trident Juncture teil. Das ist eine Volltruppen- und Gefechtsstandübung der eingeplanten NATO-Hauptquartiere. „Diese Übung ist ein wichtiger Meilenstein. Die Nato wird den gepanzerten Gefechtsverband der VJTF prüfen und als Combat Ready zertifizieren. Daran habe ich keinen Zweifel“, ist sich Vollmer sicher. Von den Fähigkeiten, dem hohen Ausbildungsniveau und der starken Motivation der Soldatinnen und Soldaten können sich auch die Medien am 19. Juni 2018 ein Bild machen, wenn ein Teil der VJTF 2019 im Gefechtsübungszentrum des Heeres den letzten Schliff bekommt.

Erprobtes Material für die Soldaten der VJTF

Auch auf den Kampfpanzer Leopard kann sich die VJTF (L) verlassen
Auch auf den Kampfpanzer Leopard kann sich die VJTF (L) verlassen (Quelle: Bundeswehr/Ralph Zwilling)Größere Abbildung anzeigen

Eine VJTF-Brigade ist so ausgerüstet, dass sie in den vielfältigsten möglichen Einsatzszenarien bestehen kann. Sie muss schnell agieren und über eine breite Auswahl an Großgerät und Waffensystemen verfügen. So wird bei der VJTF (L) 2019 unter anderem der Kampfpanzer Leopard 2 A6 ein relevantes Hauptwaffensystem sein. Gemeinsam mit den Kampfpanzern kann die Panzerlehrbrigade 9 auch auf den Schützenpanzer Marder, das Hauptwaffensystem der Panzergrenadiere zurückgreifen. Ebenso haben die Soldaten in ausreichender Stückzahl das gepanzerte Transportkraftfahrzeug GTK Boxer, der sich als geländegängiges Radfahrzeug für Führungs-, Unterstützungs- und Transportaufgaben im Einsatz mehrfach bewährt hat.

Ergänzt werden die der VJTF (L) zur Verfügung stehenden Fahrzeuge durch den Transportpanzer Fuchs und das geschützte Spähfahrzeug Fennek. Die Panzerhaubitze 2000, das Standardgeschütz der Artillerie und das Mittlere Artillerie Raketen System, MARS II, das den Abschuss von GPS-gestützten Raketen über eine Reichweite von bis zu 75 Kilometer ermöglicht, vervollständigen die Hauptwaffensysteme der VJTF (L) 2019.

Fähigkeitsrelevantes Großgerät, das nicht in den VJTF-Verbänden zur Verfügung steht, wird dabei für den gesamten Zeitraum von 2018 bis 2020 aus anderen Verbänden des Heers ergänzt. „Es steht nicht zur Diskussion, dass wir bei dem für den möglichen Auftrag notwendigen Großgerät auf irgendetwas verzichten. Was die Soldaten der VJTF-Brigade zur Auftragserfüllung brauchen, bekommen sie, das gesamte Heer wird sie dabei unterstützen“, macht General Vollmer unmissverständlich deutlich.


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Stand vom: 02.07.18 | Autor: Dr. Christian Kahl


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