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„Dienen 4.0“ im Spannungsfeld zwischen Einsatzbereitschaft und Attraktivität

Die Podiumsdiskussion führt zu einem regen Gedankenaustausch
Die Podiumsdiskussion führt zu einem regen Gedankenaustausch (Quelle: Bundeswehr/Mario Bähr)Größere Abbildung anzeigen
Strausberg/Brandenburg, 13.06.2018.

Die Bundeswehr bietet eine enorme Bandbreite an Berufen und konkurriert mit anderen Arbeitgebern um die besten Mitarbeiter. Wo das Deutsche Heer derzeit personell steht und wo es zukünftig sein soll, darüber hat Brigadegeneral Uwe Nerger, Leiter der Abteilung III im Kommando Heer, bei der Personalmanagementtagung des Heeres vom 5. bis 7. Juni in Strausberg informiert.

Zum zweiten Mal fand im Kommando Heer die Personalmanagementtagung für den nachgeordneten Bereich des Heeres statt. Nerger, Referenten aus seiner Abteilung, dem Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) und der Wirtschaft informierten über den Stand der eingeleiteten Trendwende Personal, die Umsetzung der Soldatenarbeitszeitverordnung sowie die Personallage im Heer.

Zeitliche Belastung wird angemessen entschädigt

Oberstleutnant Thomas Teske stellt die Neuerungen der Soldatenarbeitszeitverordnung, Zulagen und Prämien vor
Oberstleutnant Thomas Teske stellt die Neuerungen der Soldatenarbeitszeitverordnung, Zulagen und Prämien vor (Quelle: Bundeswehr/Mario Bähr)Größere Abbildung anzeigen

Mit der Herausgabe der Bereichsvorschrift des Heeres zur Anwendung der Verordnung für die Arbeitszeit von Soldatinnen und Soldaten, werden sämtliche arbeitszeitrechtlichen Regelungen für den Organisationsbereich Heer umgesetzt und deutlich beschrieben. In ihr werden besondere Erschwernisse, Arbeitsmodelle, die Vergütung bei Übungen, Rufbereitschaften und vieles mehr geregelt.
Oberstleutnant Thomas Teske informierte weiterhin über Zulagen und Prämien. So sollen zum Beispiel Personalgewinnungsprämien in unterschiedlichsten Staffelungen eingeführt werden. Zugführer und Gruppenführer sollen eine entsprechende finanzielle Stellenzulage erhalten.

Moderne Laufbahnen

Über kommende Veränderungen in den militärischen Laufbahnen informiert Oberstleutnant im Generalstabsdienst Martin Rödiger
Über kommende Veränderungen in den militärischen Laufbahnen informiert Oberstleutnant im Generalstabsdienst Martin Rödiger (Quelle: Bundeswehr/Mario Bähr)Größere Abbildung anzeigen

Die Bundeswehr ist einer der größten öffentlichen Arbeitgeber Deutschlands. Ihr Auftrag ist einmalig. Ihre Aufgaben unterscheiden sie deutlich von allen anderen Institutionen und Arbeitgebern. Um weitere Angebote und Anreize zu schaffen, sollen unter anderem moderne Laufbahnen geschaffen werden. So könnten Zivilisten aufgrund ihrer Qualifikation direkt als Offizier des militärischen Fachdienstes, als sogenannte Seiteneinsteiger, eingestellt werden.
Korporale und Stabskorporale – so sollen zukünftig zwei neue Dienstgrade in der Laufbahn der Mannschaften heißen.
Fachdienstunteroffiziere sollen die Möglichkeit erhalten, Berufssoldat werden zu können. Mit diesen Maßnahmen solle noch mehr Attraktivität und Motivation geschaffen werden.

Verschulung entgegenwirken

Freude über die Veränderungen in der Führernachwuchsausbildung ist klar erkennbar
Freude über die Veränderungen in der Führernachwuchsausbildung ist klar erkennbar (Quelle: Bundeswehr/Mario Bähr)Größere Abbildung anzeigen

Mit der „Agenda Ausbildung“ will die Bundeswehr in den kommenden Jahren die Ausbildung persönlicher, praxistauglicher und zielgerichteter, orientiert an der Lebenswirklichkeit der Truppe gestalten. Der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Jörg Vollmer, hat flankierend in seinem Inspekteurbrief vom 9. März die linke und rechte Grenze für die Neugestaltung der Ausbildung zum Offizier des Truppendienstes festgelegt. Absicht sei es, mit dem neuen Modell im nächsten Jahr zu beginnen, um der deutlich wahrnehmbaren Verschulung in der Ausbildung entgegenzutreten. Damit solle eine frühzeitige Sozialisierung durch sowie Bindung an die Truppe beziehungsweise Truppengattung gewährleistet werden.

Militärische Heimat

Die handlungsorientierte Ausbildung der Unteroffiziere, Feldwebel und Offiziere lege die Grundlagen für die personelle Einsatzbereitschaft der Streitkräfte. Es komme darauf an, die Ausbildung des militärischen Führungsnachwuchses dergestalt anzupassen, dass sich diese noch stärker am Truppenalltag im Inland, an den Rahmenbedingungen im Einsatz und an den Anforderungen der Landes- und Bündnisverteidigung orientiert, erläuterte Oberstleutnant im Generalstabsdienst (i. G.) Martin Rödiger.

Die Bindung des Führungsnachwuchses an die Truppe sei zu erhöhen, den Männern und Frauen sei eine „militärische Heimat“ zu bieten. Dort könnten sie das Gelernte in der Praxis anwenden und dürften Fehler machen. So könnten sie die eigene Führungskompetenz entwickeln.

Ziel: Neues Beurteilungssystem

Die Einführung des neuen Beurteilungssystems ab 2021 sorgt für regen Meinungsaustausch
Die Einführung des neuen Beurteilungssystems ab 2021 sorgt für regen Meinungsaustausch (Quelle: Bundeswehr/Mario Bähr)Größere Abbildung anzeigen

Oberstleutnant i. G. Marko Exner aus der Abteilung III des Kommandos Heer unterrichtete die Personalbearbeiter über das neue Beurteilungssystem. Die Einführung und Nutzung erfolge ab 2021. Der Beurteilungszeitraum solle mit Stichtagen klar abgegrenzt werden. Die Erstbeurteilenden würden eine sogenannte „Ankreuzbeurteilung“ mit weniger Freitext nutzen, das neue Gesamturteil durch den Zweitbeurteilenden sei dann maßgeblich für alle förderlichen Auswahlentscheidungen.

Beförderung und Zurruhesetzung

Oberst i. G. Fred Siems, ebenfalls Referatsleiter aus der Abteilung III, informierte über die Zurruhesetzung von Soldaten und die Beförderungslage.
Derzeit könnten nach der besonderen Altersgrenze Soldaten zwischen dem 54. und 62. Lebensjahr pensioniert werden. Ob das so bliebe – gelte es abzuwarten. Eine Entscheidung seitens BMVg stehe dazu noch aus.
Zeitliche Verzögerungen bestünden bei Beförderungen beziehungsweise Einweisungen in die jeweiligen Besoldungsgruppen bei Offizieren. Bei den Unteroffiziers- und Mannschaftsdienstgraden bestünden grundsätzlich keine längeren Wartezeiten.

Hauptamtliche Lotsen

Oberst Frank Sauer informiert über die Innere Lage, die Lotsenorganisation im Heer und die Bearbeitung von Eingaben
Oberst Frank Sauer informiert über die Innere Lage, die Lotsenorganisation im Heer und die Bearbeitung von Eingaben (Quelle: Bundeswehr/Mario Bähr)Größere Abbildung anzeigen

Oberst Frank Sauer vom Kommando Heer sprach über die innere und soziale Lage sowie über die Bedeutung von Lotsinnen und Lotsen. Diese hülfen physisch und psychisch einsatzgeschädigten Kameraden „Hürden zu überwinden“. Derzeit betreuten circa siebzig Lotsen über vierhundert einsatzgeschädigte Heeressoldaten.
Ein Lotse, Stabsfeldwebel Michael Schmidke, gab einen Einblick in seine nebenamtliche Tätigkeit. Brigadegeneral Nerger bedankte sich bei ihm stellvertretend für alle Lotsen mit den Worten: „Ich schätze eure Arbeit enorm.“ Es sei beabsichtigt, fünf Dienstposten für hauptamtliche Lotsen im Bereich des Heeres zu schaffen.

„Wir brauchen eine kreative Revolution!“ – die Trendwende im Kopf

Bernhard von Mutius motiviert alle Teilnehmenden neue Wege zu gehen
Bernhard von Mutius motiviert alle Teilnehmenden neue Wege zu gehen (Quelle: Bundeswehr/Mario Bähr)Größere Abbildung anzeigen

Bernhard von Mutius, ein gefragter Topmanagementberater und Führungscoach, begeisterte das Personalfachpersonal. Der Zukunftsdenker verbindet die Erfahrungen mehrerer Welten: die Welt des Verstehens gesellschaftlicher Veränderungen und die der pragmatischen Beantwortung von Alltagsfragen in Führung und Organisation, die alte Welt der Industriegesellschaft und die neue, kreative Welt. Zurzeit laufe eine große Transformation. Um diese Revolution zu bewältigen, brauche man laut von Mutius: „Disruptive Thinking“, die Fähigkeit, mit tiefgreifenden Brüchen und Widersprüchen kreativ, produktiv und verantwortlich umzugehen.

Podiumsdiskussion „Dienen 4.0: Individualisierung, Flexibilisierung und Chancengerechtigkeit – Herausforderung und/oder Chance?!“

Oberstleutnant Elisabeth Landsteiner, militärische Gleichstellungsbeauftragte im Ausbildungskommando (l.) und Hauptmann Patricia Dreer, Chefin der 3. Kompanie des Feldwebel-/Unteroffizieranwärterbataillons 1 (r.), berichten über ihre Erfahrungen zur Chancengerechtigkeit
Oberstleutnant Elisabeth Landsteiner, militärische Gleichstellungsbeauftragte im Ausbildungskommando (l.) und Hauptmann Patricia Dreer, Chefin der 3. Kompanie des Feldwebel-/Untero… (Quelle: Bundeswehr/Mario Bähr)Größere Abbildung anzeigen

Das Neue wagen und das Bewährte behalten – dies wurde bei einer Podiumsdiskussion mit externen und internen Teilnehmerinnen und Teilnehmern gemeinsam mit dem Publikum rege diskutiert. Der Leiter der Personalgewinnung für Akademiker und Active Sourcing der Deutschen Bahn AG, Bernhard Grau, gab zu diesem Thema Einblicke in seinen Bereich. Weitere andiskutierte Fragestellungen: Wie weit müssen wir uns als attraktiver Arbeitgeber anpassen, ohne dass dies negative Auswirkungen auf die „Auftragserfüllung“ hat? Welche Auswirkungen hat dies auf Führung? Wie führen wir „digital“, wenn meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht vor Ort sind? Welche Auswirkungen ergeben sich für die Personalgewinnung und –bindung? Was bedeutet Chancengerechtigkeit für uns im Hinblick auf Attraktivität, Zukunftsfähigkeit und Auftragserfüllung?

Das Abschlussstatement von Brigadegeneral Nerger: „Unser klarer Auftrag ist das Bereitstellen von einsatzbereiten Heereskräften. Unberührt davon müssen wir auf die aktuellen Entwicklungen reagieren. Daher ist es wichtig, die Impulse von außen aufzunehmen und in unserem Handeln zu berücksichtigen.“

Jeder Einzelne ist wichtig!

Oft heißt es, dass viele jungen Männer und Frauen aus Überforderung nach kurzer Zeit die Bundeswehr wieder verließen. Es sind aber oft andere Gründe wie Oberst i.G. Peter Raab aus dem Kommando Heer und Oberstleutnant Volker Baader aus dem Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr berichteten. Ursächlich seien auch Zusagen bei anderen Ausbildungsstellen wie zum Beispiel der Polizei, private oder gesundheitliche Gründe. Um den militärischen Berufsanfängern frühzeitig einen Blick in die Zukunft zu ermöglichen, seien im Heer die Orientierungstage eingeführt worden.
Diese fänden in der zweiten bis dritten Ausbildungswoche der Grundausbildung statt. Auch wenn es viel Anstrengung koste, wo aktiv gehandelt wurde, sei es gelungen, die Personalbindung nachhaltig zu stärken.

Der "ungehobene Schatz": Reserve

Oberstleutnant Michael Nebel erläutert die vielfältigen Ansätze des Heeres für eine Karriere in der Reserve
Oberstleutnant Michael Nebel erläutert die vielfältigen Ansätze des Heeres für eine Karriere in der Reserve (Quelle: Bundeswehr/Denny Mechelke)Größere Abbildung anzeigen

Nachdem bereits Baader die Reserve als "Schatz, der noch nicht gehoben wurde" bezeichnet hatte, erläuterte Oberstleutnant Michael Nebel, Stellvertreter des Leiters des Referats Reservistenangelegenheiten, die vielfältigen Ansätze des Heeres für eine Karriere in der Reserve. Einerseits käme es darauf an, Reservedienst Leistende zu gewinnen und zu beordern, die die Truppe unmittelbar in den Dienststellen unterstützen und damit vorhandene Vakanzen mildern. Andererseits benötige das Heer Reservisten, um den Aufwuchs im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung zu gewährleisten. Insgesamt verfüge das Heer über 16.000 Beorderungsmöglichkeiten, die gerade aufgrund der Anpassungen der Unterhaltssicherung für Reservedienst Leistende hochattraktiv seien.

Das Heer als größter Truppensteller im Einsatz

Über die Rolle des Heeres als größter Truppensteller für Auslandseinsätze sowie für die einsatzgleichen Verpflichtungen spricht Oberstleutnant Dominic Grindel
Über die Rolle des Heeres als größter Truppensteller für Auslandseinsätze sowie für die einsatzgleichen Verpflichtungen spricht Oberstleutnant Dominic Grindel (Quelle: Bundeswehr/Denny Mechelke)Größere Abbildung anzeigen

Schließlich betonte Oberstleutnant Dominic Grindel, Leiter des Referats Zentrale Koordinierung Personal Einsatz, die Rolle des Heeres als größter Truppensteller für die Auslandseinsätze bzw. einsatzgleichen Verpflichtungen. Da diese signifikant zugenommen hätten und insbesondere stets einen Grundstock von hochqualifizierten Spezialisten forderten, bedürfe es einer intensiven Zusammenarbeit des Kommandos Heer mit allen Dienststellen, dem Ministerium, dem Einsatzführungskommando der Bundeswehr sowie den übrigen Organisationsbereichen, um alle Einsatzverpflichtungen zu erfüllen. Ziel bleibe es, durch kontinuierliche Verbesserung der Instrumente die Einsatzbelastung kameradschaftlich und fachlich angemessen auf alle Schultern zu verteilen.

Die gemeinsame Aufgabe: einsatzbereite Heereskräfte

Brigadegeneral Uwe Nerger betont, dass das Heer seinen Auftrag „einsatzbereite Heereskräfte bereitzustellen“ erfüllt
Brigadegeneral Uwe Nerger betont, dass das Heer seinen Auftrag „einsatzbereite Heereskräfte bereitzustellen“ erfüllt (Quelle: Bundeswehr/Mario Bähr)Größere Abbildung anzeigen

Brigadegeneral Nerger zeigte sich zufrieden mit dem Verlauf der zweiten Personalmanagementtagung des Heeres. Er hob deutlich den Zweck der Anstrengungen hervor, nämlich den Inspekteur des Heeres bei seiner Aufgabe „einsatzbereite Heereskräfte bereitzustellen“ mit ganzer Kraft und Elan zu unterstützen. Diesem Ziel seien alle verpflichtet.

Bildergalerie

Über 60 Soldatinnen und Soldaten aus dem Aufgabenbereich Personalmanagement treffen sich in Strausberg
Über 60 Soldatinnen und Soldaten aus dem Aufgabenbereich Personalmanagement treffen sich in Strausberg (Quelle: Bundeswehr/Mario Bähr)Größere Abbildung anzeigen

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Stand vom: 18.06.18 | Autor: Daniel Holz


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