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Die Umsetzung des Plans Heer beginnt

Pfeile, Kästchen, Abkürzungen: so sieht der Plan Heer auf einem Bierdeckel aus
Pfeile, Kästchen, Abkürzungen: so sieht der Plan Heer auf einem Bierdeckel aus (Quelle: Bundeswehr/Frank Pieper)Größere Abbildung anzeigen
Strausberg/Brandenburg, 03.12.2018.

Mit Beginn des Herbstes macht das Heer das, was es am besten kann: Es geht in die Offensive und nimmt sich initiativ des Themas Digitalisierung an. Das Heer beginnt mit der Aufstellung von Test- und Versuchsstrukturen in Munster und setzt damit erste Schritte des Plans Heer um. Es geht um die Vollausstattung und Digitalisierung der Teilstreitkraft. Ziel ist es, bis zum Jahr 2032 drei vollausgestattete Divisionen einsatzbereit zu haben.

Der Plan Heer ist ein strategisch angelegter Gesamtplan. Mit ihm hat die Teilstreitkraft mehrere Ziele anvisiert. Das zeitlich erste Ziel ist die Aufstellung von Test- und Versuchsstrukturen bis zum Ende des Jahres 2018. Kern dieser Strukturen ist ein Testverband, der vor allem die Digitalisierung vorantreibt.

Im aktuellen Plan für diesen Testverband stehen über 40 Fahrzeuge, die ihm fest angehören sollen. Darunter sechs Kampfpanzer Leopard 2, fünf Schützenpanzer Marder und sechs Schützenpanzer Puma. Der dazugehörige Stab, der taktisch aber auch im Grundbetrieb bereits digitale Zukunftstechnik nutzen soll, muss sich quasi während seiner Aufstellung selbst erfinden. Potenzielle Stabszellen wie Künstliche Intelligenz, Algorithmen-Architektur oder Smart-Data-Production sind eben keine klassischen militärischen Elemente, aber möglicherweise erforderlich.

Herausforderung Digitalisierung

Mit dem Testverband wird also die Digitalisierung erprobt. Das erfolgt notwendigerweise in Einzelschritten. Zunächst geht es im Kern um den Betrieb eines neuen Führungs- und Informationssystems, auch Battle Management System genannt. Das bedeutet: Jedes Gerät, jedes Fahrzeug soll mit jedem anderen verknüpft werden, sodass die militärische Führung jederzeit ein klares Lagebild besitzt. Sie weiß, welcher Panzer wo im Gelände ist und was die anderen Einheiten machen. Am Ende sollen nicht nur die deutschen Einheiten damit verbunden werden, sondern auch die, anderer Nationen. Eine Grundforderung an eine Rahmennation.

Der Testverband gliedert sich in drei Elemente: die kämpfende Truppe mit ihren Fahrzeugen, ein Stab mit 38 Dienstposten und ein Team zum Einsatz und Betrieb des neuen Führungs- und Informationssystems. Mit dem Testverband beginne „Schritt für Schritt der Einstieg des Heeres in die Gestaltung der Digitalisierung“, so Generalmajor Alexander Sollfrank, Chef des Stabes im Kommando Heer.

Alte und neue Geräte werden vernetzt

Der neue Schützenpanzer Puma steht als Symbol für die Digitalisierung des Heeres
Der neue Schützenpanzer Puma steht als Symbol für die Digitalisierung des Heeres (Quelle: Bundeswehr/Norman Müller)Größere Abbildung anzeigen

Die Herausforderung wird sein, die älteren und neueren Geräte miteinander zu verbinden. Das Heer plant dafür umfangreiche Einrüstarbeiten an den älteren Fahrzeugen ein, beispielsweise an dem Schützenpanzer Marder. Bis Ende 2020 soll das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr den Umbau fertigstellen.

Digitalisierung für den Soldaten: Der tragbare Führungsrechner liefert alle wichtigen Informationen für Entscheidungen im Gefecht
Digitalisierung für den Soldaten: Der tragbare Führungsrechner liefert alle wichtigen Informationen für Entscheidungen im Gefecht (Quelle: Bundeswehr/Ralph Zwilling)Größere Abbildung anzeigen

Die Digitalisierung wird im Heer hauptsächlich die Kommunikation verändern. Ziel wird es sein, die mobile taktische Kommunikation (MoTaKo) und die mobile taktische Informationsverarbeitung (MoTIV) einzurichten. Hierbei geht es um ein digitales Gefechtsführungssystem – das Deutsche Heer 4.0.

„Wenn man es auf den Punkt bringen will: Wir brauchen die komplette Vernetzung mit breitbandigen Daten- und Sprachautobahnen, die Algorithmen gestützte Aus- und Bewertung sowie Korrelation von Daten, um aus Big-Data Smart-Data zu machen. Das ist der Weg, um Daten verzugslos an die Entscheider im Gefecht weiterzuleiten“, so der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Jörg Vollmer, im Herbst 2018. Ziel sei schneller und präziser als der Gegner führen und wirken zu können. „Digitalisierung ist kein Selbstzweck“, ergänzt Vollmer.

Jederzeit abrufbereit

Schwerpunkt des Heeres ist es unverändert, die großen Materialdefizite in den Brigaden und Divisionen zu beseitigen und die Vollausstattung zu erreichen. Mit anderen Worten; es geht um den oberen Angriffspfeil auf dem Bierdeckel. Die vollausgestattete Division 2027 soll dem Rest des Heeres den Rücken für die Digitalisierung freihalten. Als erstes Zwischenziel auf dieser Achse liegt die VJTF 2023. Bereits in fünf Jahren soll ein Verband für die Speerspitze der Schnellen Eingreiftruppe der NATO – im Fachjargon VJTF (Very High Readiness Joint Task Force) – vollausgestattet und modernisiert bereitstehen.

Hinter dem Begriff versteckt sich ein Verband, der jederzeit abrufbereit ist und innerhalb weniger Tage am Einsatzort sein kann. Die Führungsverantwortung für diese multinationale NATO-Feuerwehr wechselt jedes Jahr zwischen den Nationen.

Erster Großverband ab 2023 voll ausgerüstet

In den Jahren 2019 und 2023 liegt die Verantwortung in deutschen Händen. Die Panzerlehrbrigade 9 in Munster hat den Auftrag für das Jahr 2019 und musste sich viel Material, vom Panzer bis zur Schutzbrille, in anderen Verbänden dauerhaft ausleihen. Der nächste deutsche Verband, die Panzergrenadierbrigade 37 aus Frankenberg, soll im Jahr 2023 hingegen komplett ausgerüstet sein – jeder Panzer wird rollen und jeder Soldat über die komplette Ausrüstung verfügen, so der Plan. Die Brigade wird dann in der Lage sein, die VJTF-Verpflichtung mit eigenem Material zu leisten.

Vier Jahre später soll der Verband in die vollausgestattete Division 2027 aufgehen. Insgesamt stehen so im Jahr 2032 drei voll einsatzfähige, davon zwei digitalisierte, Divisionen des Heeres bereit. Mit diesen drei personell und materiell voll einsatzbereiten Divisionen wird das Heer sowohl die Landes- und Bündnisverteidigung als auch die Einsätze erfolgreich leisten können.


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Stand vom: 06.12.18 | Autor: Daniel Rasch


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