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NH90

Faßberg, 21.01.2010.
Der Rundumblick aus dem Cockpit des NH90 ist beeindruckend. Wälder und Wiesen gleiten unter den Piloten hinweg. Der Hubschrauber fliegt durch Turbulenzen, die Insassen werden leicht durchgeschüttelt. Doch Pilot und Co-Pilot sitzen im modernsten Simulator für komplette Einsatzflüge der Bundeswehr in Faßberg. Nichts von dem Erlebten ist Wirklichkeit.

Virtuelles Training für reale Einsätze (Quelle: Bundeswehr/Braun)Größere Abbildung anzeigen

Der neue Mehrzweckhubschrauber NH90 ist ein Quantensprung in der Hubschrauberfliegerei. Waren ältere Flugmuster noch mit analoger Technologie ausgestattet, so ist der NH90 der erste Hubschrauber, der komplett „fly by wire“ fliegt, also elektronisch, ohne mechanische Komponenten in der Steuerung.

Elf Exemplare des neuen Hubschraubers befinden sich an der Heeresfliegerwaffenschule in Bückeburg für die fliegerische Ausbildung, ein weiteres Flugmuster in Faßberg. Hier, an der Technischen Schule der Luftwaffe 3 und im Fliegerhorst des Transporthubschrauberregiments 10, wird er zur technischen Ausbildung genutzt.

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Halb Deutschland im Rechner

Mehr NH90 wurden bislang nicht an die Bundeswehr ausgeliefert. Die Ausbildung der bislang 33 Fluglehrer auf dem neuen Flugmuster erfolgte zentral in Bückeburg. Dort, in Faßberg und im Luftwaffenfliegerhorst Holzdorf befinden sich zur Unterstützung der Ausbildung vier der modernsten Full-Mission-Simulatoren in der Bundeswehr. Und die haben es im wahrsten Sinne des Wortes in sich.

Die Ausbildung der Piloten an Simulatoren ist internationaler Standard. Alle zivilen wie militärischen Flieger werden so realitätsnah wie möglich in solchen High-Tech-Einrichtungen ausgebildet. Die zivilen Anforderungen sind allerdings bei Weitem nicht so anspruchsvoll wie die militärischen. Das liegt daran, dass zivile Piloten sich nicht auf militärische Bedrohungen einzurichten haben. Weshalb bei den zivilen Flugsimulatoren beispielsweise meist nur die nationalen und internationalen Flughäfen dargestellt werden.

Beim NH90-Simulator hingegen liegt eine derart enorme Datenbasis vor, dass sich eine Fläche von 500 mal 500 Quadratkilometern bis ins letzte Detail darstellen lässt. Im Norden reicht die Darstellung über Cuxhaven hinaus. Im Westen und Osten sind es die niederländische beziehungsweise polnische Grenze und im Süden der Frankfurter Raum. Erst darüber hinaus ist der Rest der Welt in Texturen dargestellt, wie es Computerspieler aus entsprechenden Simulationen kennen.

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Das Herzstück: Der „Dom“ des Simulators (Quelle: Bundeswehr/Braun)Größere Abbildung anzeigen

Zwölf Tonnen und 110 Hochleistungscomputer

Christoph Stäbener von der Firma Helicopter Flight Training Services ist mächtig stolz auf die Leistungsmerkmale der vier der Bundeswehr und weiteren ausländische Kunden bereitgestellten Simulatoren. Er hat allen Grund dazu. Der sogenannte Dom, also die Einheit, in der die Piloten sitzen und ausgebildet werden, hat einen Durchmesser von 7,30 Metern. Bewegt wird der Dom durch sechs hydraulisch betriebene Bewegungsarme. Bis zu 110 Bar Druck erlauben es dem System, sogar stärkste Turbulenzen realitätsnah darzustellen.

Zwölf Tonnen wiegen Dom und Bewegungsplattform zusammen. Damit bei den Schwingungen das Gebäude, in dem sich der Simulator befindet, nicht beschädigt wird, wurden Dom und Plattform auf ein sechs Meter dickes Fundament gestellt, welches selbst keine Verbindungen zum Gebäude hat. Allein das Fundament war angesichts des sandigen Untergrunds in der Lüneburger Heide eine Herausforderung. Die aber ebenso bewältigt wurde wie alle anderen Herausforderungen.

So stellen 110 Rechner den Betrieb des Simulators sicher. 80 Computer stehen in einem Rechnerraum, zehn befinden sich im Dom und der Rest wurde in der Konsole eingebaut, von der aus alle Aktivitäten gesteuert werden. Für die erforderliche Echtzeitdarstellung im Simulator müssen die Computer im 60-Hertz-Takt alles neu berechnen. Solche Computer sind im Handel nicht zu kaufen.

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4.000 virtuelle Flugstunden pro Jahr

Dieser hohe Standard sichert nicht nur die Echtzeitdarstellung, sondern auch eine 95-prozentige Verfügbarkeit, zu der sich das Unternehmen vertraglich gegenüber der Bundeswehr verpflichtet hat. Die Ausbildung ist für 49 Wochen pro Jahr sichergestellt. Das sind immerhin 4.000 Stunden, montags bis freitags von 6 bis 23 Uhr. Ein Crew Chief, dessen Stellvertreter sowie fünf sogenannte Maintenancer sind für den reibungslosen Ablauf des Betriebs und die Wartung des Simulators verantwortlich.

Wie wichtig das ist, zeigt sich auch an den Darstellungsmöglichkeiten der Displays im Dom. Der abbildbare Blickwinkel beträgt 230 Grad horizontal und 85 Grad vertikal bei einer Auflösung von 1.200 mal 1.600 Pixeln. Das Besondere daran ist jedoch, dass die Piloten keine Ränder zwischen den Displays sehen. Die Darstellung überlappen, so entsteht der Eindruck eines Ganzen. Allein der Wartungsaufwand ist enorm.

Die Ausbildung für die Piloten, die den NH90 künftig in der Realität fliegen sollen, ist fordernd. Die kann selbst der beste Simulator nicht ersetzen.

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Stand vom: 27.09.16


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