Startseite Bundeswehr

Sie sind hier: Startseite > Technik > Leichte Waffen > Panzerabwehrwaffe MILAN 

Panzerabwehrwaffe MILAN

Abschuss einer Milan aus einer Stellung

Abschuss einer Milan aus einer Stellung (Quelle: Redaktion Heer)Größere Abbildung anzeigen

Allgemeines

Die Panzerabwehrwaffe MILAN dient zur Bekämpfung von Kampfpanzern und anderen gepanzerten Fahrzeugen in einer Entfernung von 300 m bis zu 1.950 m. Ein Einsatz des Waffensystems gegen Feindkräfte in befestigten Stellungen ist ebenfalls möglich. Mit der Panzerabwehrwaffe MILAN wird ein drahtgelenkter Flugkörper verschossen, der mit einem Hohlladungsgefechtskopf bestückt ist und in der Lage ist, bis zu 700 mm Panzerstahl zu durchschlagen. Bestückt mit dem Wärmebildgerätes MIRA ist die Panzerabwehrwaffe MILAN voll nachtkampffähig. Das Panzerabwehrlenkflugkörpersystem MILAN befindet sich unter anderem bei den Panzergrenadieren, Jägern, Gebirgsjägern und Fallschirmjägern des Heeres im Einsatz. Der Einsatz des Panzerabwehrlenkflugkörpersystem MILAN erfolgt abgesessen auf Dreibein oder bei den Panzergrenadieren von einer Lafette am Turm des Schützenpanzers Marder 1A3/1A5 aus.


Zubehör

MIRA (mit Zubehör), EMV-Schutzhülle für den Lenkflugkörper, Waffen- und Optikreinigungsgerät, Reservebatterien, Trockenmittelbeutel, Dreibein (lang), Zielkontrollgerät MILAN, Wärmebildgerät MIRA

Technische Daten

Technische Daten
Gewicht (Waffe aufgestellt mit Wärmebildgerät):28 kg
Gewicht (Lenkflugkörper in Startrohr):11,8 kg
Gewicht (Gefechtskopf):2,7 kg
Gewicht (MIRA):9,2 kg
Länge (Waffe aufgestellt mit Wärmebildgerät):900 mm
Länge (Lenkflugkörper im Startrohr):1.260 mm
Breite (Waffe aufgestellt mit Wärmebildgerät):780 mm
Höhe (Waffe aufgestellt mit Wärmebildgerät):815 mm
Durchmesser Lenkflugkörper (im Startrohr):222 mm
Minimale Kampfentfernung:20 m
Maximale Kampfentfernung:2.000 m
Durchschlagsleistung des Gefechtskopfes:bis 700 mm
Hersteller:Euromissile, deutsch französisches Konsortium (heute MBDA Missile Systems)

Baugruppen

  • Waffe
  • Startgestell
  • Lenkelektronik
  • Verbindungskabel Lenkelektronik
  • Optisches Visier
  • Optisches Visier mit Stoßschutz
  • Abfeuerungsgenerator
  • Waffenunterteil
  • Transport- und Lagerbehälter für die Waffe
  • Halterung MIRA

Auf dem Bild sehen Sie einen Soldaten am AGDUS Milan während beim Anvisieren

AGDUS MILAN Übungsgerät: Schütze beim Anvisieren (Quelle: Heer/Detmar Modes)Größere Abbildung anzeigen

Weitere Informationen

Vor dem Einsatz der Panzerabwehrwaffe MILAN wird das Startrohr mit Lenkflugkörper auf das Startgestell aufgesetzt und mechanisch verriegelt. Das Startrohr besteht aus dem Rohr, Verriegelungskasten und Gleitschuh, der Batterie-Steckeinheit und der Lenkflugkörperstartvorrichtung. Am Startgestell angebracht sind die Lenkelektronik und das optische Visier. Die Lenkelektronik erzeugt die Lenkkommandos auf Basis der vom Visier gelieferten Daten über die Ablage des Lenkflugkörpers. Das Visier dient der Geländebeobachtung und der Zielauffassung. Es fasst die Infrarot-Strahlung des Lenkflugkörpers auf und misst die Ablage des Lenkflugkörpers von der Visierlinie.

Links an der Lenkelektronik befinde sich der Abfeuerungsgenerator. Mit ihm wird die Waffe gesichert und entsichert und Lenkflugkörper abgefeuert, die Abfeuerung erfolgt elektrisch. Außerdem dient der Abfeuerungsgenerator zur Seitenrichtung der Panzerabwehrwaffe MILAN. Zur Höhenrichtung des Lenkflugkörpers dient der Höhenrichtgriff am Waffenunterteil. Am Waffenunterteil befinden sich drei ausklappbare, einzeln verstellbare Beine auf denen die Waffe im Gefecht ruht. Ein Gestell am Waffenoberteil nimmt die MIRA auf. Beim Betätigen der Abfeuertaste wird durch einen elektrischen Impuls der Start des Lenkflugkörpers ausgelöst. Durch den bei Verbrennung der Treibladung entstehenden Gasdruck wird der Lenkflugkörper nach vorn mit einer Geschwindigkeit von 75 m/s aus dem Startrohr getrieben, während parallel das Startrohr nach hinten vom Startgestell katapultiert wird. Noch im Rohr wird der Lenkflugkörper in eine Drallbewegung versetzt.

Auf dem Bild sehen Sie die Panzerabwehrwaffe MILAN als Übungsgerät auf einem Dreibein

AGDUS MILAN Übungsgerät auf Dreibein (Quelle: Heer/Klaus Schneider)Größere Abbildung anzeigen

Nach dem Verlassen des Rohres klappen vier Flügel aus, die den Lenkflugkörper während des Fluges stabilisieren. Der Panzerabwehrlenkflugkörper MILAN wird nach dem SACLOS – Prinzip (Semi - automatic command to line of sight; halbautomatische Lenkung auf die Visierlinie) gelenkt. Der Schütze muss das Fadenkreuz in der Visierung während der gesamten Flugdauer des Lenkflugkörpers auf das Ziel gerichtet halten. Die Waffenanlage ortet den Lenkflugkörper, berechnet kontinuierlich seine Ablage von der Visierlinie und erzeugt Lenkkommandos, mit denen der Lenkflugkörper auf die Visierlinie zurückgesteuert wird. Die Übermittlung der Lenkkommandos erfolgt mittels Impulsen über einen Lenkdraht, den der Lenkflugkörper hinter sich herzieht. Angetrieben wird der Lenkflugkörper durch ein Feststofftriebwerk, die Lenkung erfolgt durch ein Ruder, das im Antriebsstrahl des Triebwerks positioniert ist. Der Lenkflugkörper besteht aus dem Gefechtskopf, dem Zünder, dem Antriebsteil und dem Heckteil.

Mit der Panzerabwehrwaffe MILAN werden beim Heer folgende Lenkflugkörper eingesetzt: Panzerabwehrlenkflugkörper MILAN DM92 (115 mm Gefechtskopfdurchmesser, Hohlladung, Durchschlagskraft bis 700 mm Panzerstahl, auch bezeichnet als MILAN 2), Panzerabwehrlenkflugkörper MILAN DM82 (103 mm Gefechtskopfdurchmesser, Hohlladung, Durchschlagskraft bis 500 mm Panzerstahl, auch bezeichnet als MILAN 1) und der Übungslenkflugkörper MILAN DM88 (103 mm Gefechtskopfdurchmesser, Gefechtskopf mit Farbpulverladung). Für die Ausbildung der Ladetätigkeiten befindet sich außerdem der Trainingslenkflugkörper MILAN DM19 im Einsatz. Beim diesem handelt es sich um ein Startrohr bestückt mit Ausgleichsgewichten.

Auf dem Bild sehen Sie einen Soldaten an der Panzerabwehrwaffe MILAN auf dem Schützenpanzer Marder beim Zielen

Panzerabwehrwaffe MILAN auf dem Schützenpanzer Marder (Quelle: Heer/Dana Kazda)Größere Abbildung anzeigen

Geschichte

Die Panzerabwehrwaffe MILAN wurde Anfang der 1970er Jahren von dem deutsch-französischen Konsortium Euromissile entwickelt, zu dessen Anteilseignern Aérospatiale und die Daimler-Benz Aerospace gehörten. 1973 begann die Serienproduktion der Panzerabwehrwaffe MILAN. Bis heute wurden laut Hersteller über 10.000 Panzerabwehrwaffen MILAN und 350.000 Lenkflugkörper MILAN 1, 2, 2T (mit Tandemgefechtskopf zur Bekämpfung von Reaktivpanzerungen) und 3 (mit verbesserten Tandemgefechtskopf) an mehr als 40 Länder weltweit ausgeliefert.

Die Bundeswehr beschaffte über 1.600 Panzerabwehrwaffen MILAN. Außerdem befanden und befinden sie sich auch bei den Streitkräften von Ägypten, Belgien, Frankreich, Griechenland, Großbritannien (ab 2005 ersetzt durch das Panzerabwehrlenkflugkörpersystem Javelin), Italien, Portugal, Spanien und Südafrika. Die Panzerabwehrwaffe MILAN wurde unter anderem von den britischen Streitkräften erfolgreich in verschiedenen Kriegen eingesetzt, zum Beispiel 1982 auf den Falklandinseln, 1991 während des Golfkriegs und ab 2003 während des Irakkrieges. In Afghanistan wird die Panzerabwehrwaffe MILAN von den Truppenteilen des deutschen ISAF Kontingents eingesetzt.

nach oben

Bilder


Fußzeile

nach oben

Stand vom: 28.09.16


http://www.deutschesheer.de/portal/poc/heer?uri=ci%3Abw.heer.technik.handwaffen.milan