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Geschichte der Reserve des Deutschen Heeres

Generalmajor außer Dienst Ekkehard Richter trug auf der Arbeitstagung der Reserve des Heeres zum Jubiläum „50 Jahre Reserve Heer - 50 Jahre Reservisten des Heeres“ vor. Richter trat 1958 als Offizieranwärter in die Bundeswehr ein und war unter anderem Referent für Streitkräfteplanung im BMVg, Referatsleiter Planung im Führungsstab des Heeres, BEA und Stellvertretender Beauftragter für Reservistenangelegenheiten im Führungsstab der Streitkräfte und ist bis heute Vorsitzender des Beirates „Freiwillige Reservistenarbeit“.

Generalmajor a.D. Richter

Generalmajor a.D. Richter (Quelle: Heer/Dana Kazda)Größere Abbildung anzeigen

Um den tiefgreifenden Wandel der Aufgaben und Strukturen der Reserve des Heeres in den letzten 50 Jahren zu verdeutlichen, gliederte er seinen Vortrag in vier Abschnitte. Zuerst trug Richter zur Aufstellung des Heeres und der Territorialen Verteidigung in den Jahren 1956 – 1969 vor. Dann folgte das Aufwachsen der Aufgaben des Heeres für die Landes- und Bündnisverteidigung, die Verschmelzung von Feldheer und Territorialheer und die Aufstellung des Heeres-Ost in den Jahren 1970 – 1994. Der sich anschließende Zeitraum umfasste die neuen Aufgaben des Heeres durch die Auslandseinsätze, die Ausgliederung des Territorialheeres in die SKB und des Sanitätsdienstes in den Zentralen Sanitätsdienst der Bundeswehr in den Jahren 1994 - 2006. Zum Schluss steht das „Neue Heer“ für die Friedens- und Kriseneinsätzen von UN, NATO, und EU.

Der Aufbau der Bundeswehr

Am 12. November 1955 wurden die ersten 101 Freiwilligen in der Bonner Ermekeilkaserne ernannt und ein Jahr später das Wehrpflichtgesetz beschlossen. Zum Jahresanfang 1956 begann in Andernach mit den ersten 1.000 Soldaten die Aufstellung des Heeres. Doch die Aufstellung der Divisionen war zu optimistisch geplant. Daher wurde festgelegt, dass die Aufstellung des Heeres Vorrang vor der Aufstellung der Territorialen Verteidigung (TV) hatte. In den ersten Jahren fand daher keine Aufstellung von Truppenteilen der Territorialen Verteidigung in nennenswerter Größe statt.

Da an der Aufstellung von 12 Divisionen festgehalten wurde, musste das Ziel voll präsenter Verbände aufgegeben werden. So wurden die Divisionen und Verfügungstruppen im Frieden um 10 % und die Versorgungstruppen um 50 – 60 % gekürzt. Um im Kriegsfall die volle Stärke zu erreichen, mussten „Kriegsstellen“ geschaffen und deren Besetzung mit Reservisten vorbereitet werden. Im November 1957 wurden erste Grundsätze für eine Mobilmachungsplanung des Heeres entwickelt. 1958 standen dem Heer die ersten eigenen Reservisten zur Verfügung.

Am 5. August 1958 traten die ersten Reservisten ihre Einzelwehrübungen im Heer an. Für die Dauer der Wehrübungen wurden vier Wochen festgelegt. Die Heeresstruktur 2 brachte das Konzept der Brigade. Um die Truppenteile schneller mit Reservisten auffüllen zu können, wurde die „Alarmreserve“ geschaffen. Sie sollte aus Reservisten bestehen, die in einem Umkreis von höchstens 50 Kilometern von den Einheiten entfernt wohnten. Die Ausbildung der Reservisten in Wehrübungen wurde damit zu einer entscheidenden Aufgabe des Heeres. Dafür wurden die vorläufigen Bestimmungen für vierwöchige Wehrübungen ergänzt und auf Kurzwehrübungen bis zu sieben Tagen und auf die Teilnahme an dienstlichen Veranstaltungen erweitert.

Durch den Bau der Mauer in Berlin veränderte sich die Lage der Reservisten schlagartig. Die Bundesregierung ordnete für die Grundwehrdienstpflichtigen eine anschließende Wehrübung von drei Monaten an. Damit bestand das Heer auf einen Schlag zu mehr als 10% aus Reservisten. Durch diese Verschärfung der Lage erhielten Wehrübungen und Maßnahmen für eine Mobilmachung höhere Priorität. Der Schwerpunkt der Wehrübungstätigkeit lag nun bei Mobilmachungs- und Truppenwehrübungen.

Für das Herstellen der Einsatzbereitschaft der Truppenteile im Heer und der Territorialen Verteidigung war schon Ende der 60er Jahre die Integration von Reservisten im Tagesdienst und von gekaderten Truppenteilen bei Übungen erforderlich und gehörte zum normalem Dienstablauf. Zum Ende der Heeresstruktur 2 waren alle grundlegenden Gesetze und Erlasse für die Ableistung von Wehrübungen sowie für die Mobilmachungsvorbereitung in Heer und TV geschaffen. Sie mussten in den Folgejahren nur noch weiterentwickelt werden.

Aufwachsen der Aufgaben des Heeres

Die sicherheitspolitische Lage erforderte die neue Heeresstruktur 3. Die Lage machte auch die Integration der Territorialen Verteidigung in eine umfassende Landesverteidigung erforderlich. Dies führte im März 1970 zur Auflösung des selbstständigen Organisationsbereiches Territoriale Verteidigung und zu deren Eingliederung in das Heer als „Territorialheer“. Da der Umfang des Feldheeres und der des Territorialheer aber insgesamt nicht angehoben werden konnte, musste in dieser Lage ein Weg gefunden werden, um weitere Kräfte für die Landesverteidigung aufstellen zu können. Dies erzwang eine weitere Abstufung der Präsenz im Heer und dadurch eine Erhöhung des Umfangs der Reservisten. Damit wurde das Heer zur militärischen Heimat der Masse der Reservisten.

Der wachsenden Bedeutung der Reservisten wurde 1971 durch das Erlassen der ersten „Reservistenkonzeption der Bundeswehr“ und durch die erste „Weisung für die Reservistenarbeit des Heeres“ Rechnung getragen. Kernpunkte der Weisung waren die Aufträge für die „spezielle Reservistenarbeit“ der beorderten Reservisten in der Alarmreserve und Forderungen zur Unterstützung der allgemeinen Reservistenarbeit durch den Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr.

Ab Oktober 1980 begann die Umstrukturierung in die Heeresstruktur 4. Das Territorialheer erfuhr in der Heeresstruktur 4 eine erhebliche Aufwertung. Durch das „War Time Host Nation Support – Abkommen“ 1982 mit den USA erhielt das Territorialheer eine weitere wichtige Aufgabe.

Um die Verantwortung der Kommandeure der Reserve zu unterstreichen, formierte sich nach einer Tagung dieser Kommandeure 1986 in Hammelburg die „Arbeitsgemeinschaft der Kommandeure der Reserve des Heeres“. Wegen der Bedeutung der Reservisten und um die zahlreichen Aufgaben zu koordinieren wurde der Stellvertreter des Inspekteurs des Heeres 1987 zum „Beauftragten für Reservistenangelegenheiten im Heer“ ernannt.

Mit der Wende in der DDR und der Öffnung der Mauer 1989 setzte dann der fundamentale politische Umbruch ein. Nach 35 Jahren Aufwuchs, um die Aufgaben der Landes- und Bündnisverteidigung im Kalten Krieg erfüllen zu können, begann damit die Reduzierung des Heeres. Die geplante Struktur 2000 wurde obsolet und durch die Heersstruktur 5 ersetzt.

Neue Aufgaben des Heeres durch Auslandseinsätze

Erste Erfahrungen bei den Einsätzen im Ausland und die Reduzierung des Bundeswehrumfangs auf 340.000 sowie die Verkürzung des Grundwehrdienstes auf 10 Monate erzwangen dann die Umstrukturierung zum „Neuen Heer für neue Aufgaben“.
Der Heeresumfang musste in der neuen Struktur auf 233.000 Soldaten reduziert werden
Das wesentliche Merkmal dieser neuen Heeresstruktur war, die Differenzierung in Krisenreaktionskräften für einen Einsatz im Ausland und in Hauptverteidigungskräfte für die Bündnis- und Landesverteidigung. Die Struktur des „Neuen Heeres für neue Aufgaben“ wurde mit Masse bis zum Jahr 1997 eingenommen.

Neben den drei Teilstreitkräften wurden die neuen Organisationsbereiche „Zentraler Sanitätsdienst der Bundeswehr“ und die „Streitkräftebasis“ geschaffen. Für das Heer brachte diese Weisung die Umstrukturierung in das „Heer der Zukunft“. Das Heer beschränkte sich nun auf seine „Kernaufgaben“ und gab „Unterstützungsaufgaben“ mit den dafür vorgesehenen Truppenteilen an die neuen Organisationsbereiche ab. Für die Reserve des Heeres brachte dies den größten Umbruch seit ihrem Bestehen. Ihre Aufgaben und Strukturen veränderten sich grundlegend.

Für die Reservisten bedeutet diese Neuausrichtung des Heeres den Einsatz im gesamten Aufgabenspektrum des Heeres, doch besonderes Gewicht hatten die Auslandseinsätze von Spezialisten und das Schließen von Lücken im Inland durch Einsatzreservisten. In der Streitkräftebasis kamen als neue Aufgabe für Reservisten die zivil–militärische Zusammenarbeit im In- und Ausland hinzu. Der Einsatz der Reservisten in den CIMIC- Truppenteilen hatte beim Aufbau ziviler Infrastruktur in Bosnien herausragende Bedeutung. Dort wurden Reservisten auf Grund ihrer speziellen zivilberuflichen Fähigkeiten eingesetzt, über die die aktive Bundeswehr nicht verfügte. Diese Reservisten haben zum hohen Ansehen der Bundeswehr auf dem Balkan mit beigetragen. Diese neue Struktur des Heeres wurde in der Masse bis 2006 eingenommen.

Ein gelungener Vortrag

Ein gelungener Vortrag (Quelle: Heer/Dana Kazda)Größere Abbildung anzeigen

Das „Neue Heer“

Die Transformation der Bundeswehr wurde mit den „Verteidigungspolitischen Richtlinien“ vom Mai 2003 eingeleitet. Für die Aufgaben der Reservisten wurde die „Konzeption für die Reservistinnen und Reservisten“ im September 2003 erlassen.
Richter stellte abschließend fest, dass das deutsche Heer erstmalig über keine strukturellen Reserven mehr verfüge und damit auch eine strukturelle Aufwuchsfähigkeit für Maßnahmen der Sicherheitsvorsorge fehle. Die Reserve des Heeres mit den 17 Ergänzungstruppenteilen diene ausschließlich der Sicherstellung der personellen Durchhaltefähigkeit.
Generalmajor a.D. Richter schloss mit den Worten: „Auch in Zukunft braucht unser Land ein starkes Heer mit einer verlässlichen Reserve und engagierte Reservisten, die ihre militärische Heimat im Heer haben und sich für die Sicherheit unseres Landes so einsetzen, wie sie es in den vergangenen 50 Jahren mit Erfolg getan haben.“

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Stand vom: 08.02.16 | Autor: PIZ Heer


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