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Geschichte der Infanterie

Die Geschichte der Infanterie – der Königin der Waffen – wird im folgenden Beitrag mit dem Fokus auf die heutige Truppengattung der Bundeswehr beschrieben. Hierbei handelt es sich innerhalb der Infanterie um die Jägertruppe, die Gebirgsjägertruppe sowie die Fallschirmjägertruppe. Bis in das 20. Jahrhundert hinein gab es in den deutschen Ländern und Territorien zudem eine Vielzahl von Streitkräften und Armeen. Im Ersten Weltkrieg waren es zuletzt die Preußische Armee (mit Baden), die Bayerische Armee, die Sächsische Armee sowie die Württembergische Armee. Erst mit der Reichswehr der Weimarer Republik gab es zum ersten Mal einheitliche deutsche Streitkräfte.

Im Zentrum des Beitrags steht die Bundeswehr vor und nach 1990. Daher sind die motorisierten Schützen (MotSchützen) und die Fallschirmjäger der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR nicht in die Darstellung einbezogen worden.

Der Infanterist steht wohl für das klassische Bild, das man von einem Soldaten oder einer Soldatin hat: ein Fußsoldat mit einem Gewehr. Mit dem Aufkommen der stehenden Heere in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges wurden die Truppengattungen (in erster Linie waren das Infanterie, Kavallerie, Artillerie) in entsprechenden Verbänden mit einheitlicher Bewaffnung und Uniformierung sichtbar und unterscheidbar.

Schon früh gab es die Spezialisierung der Infanterie in Jäger und Grenadiere. Letztere fallen heute als Panzergrenadiere unter die gepanzerten Kampftruppen.

Geschichte der Jägertruppe

Die Jägertruppe wurde im 17. Jahrhundert als eine spezialisierte Truppe innerhalb der Infanterie geschaffen (zum Beispiel in Hessen 1631, Bayern 1645, Brandenburg-Preußen 1674). Besonderes Kennzeichen waren die Gewehre mit gezogenem Lauf, die im Gegensatz zu den gebräuchlichen glatten Rohren ein weiteres und genaueres Schießen beziehungsweise Treffen ermöglichten. Die Soldaten wurden als Kundschafter, Kuriere und Scharfschützen eingesetzt. Sie rekrutierten sich besonders aus Forstleuten, die nach der Militärzeit in diesen Beruf zurückkehrten. Die Uniform war im Gegensatz zur Linieninfanterie zumeist grün. Ihr Signalinstrument, das Jagdhorn, spiegelt sich bis heute vielfach in Bataillons- und Kompaniewappen wider. Jäger führten im Gegensatz zur Linieninfanterie mit deren Bajonett einen jagdähnlichen Hirschfänger als Seitengewehr.

Der spätere Generalfeldmarschall Ludwig Yorck von Wartenburg modernisierte die preußische Jägertruppe im Zuge der napoleonischen Kriege seit 1799 als Kommandeur des Jägerregiments im brandenburgischen Mittenwalde. Erfahrungen der französischen Tirailleurtaktik – eine Taktik, in der Tirailleure (Infanteristen) in zerstreuter Ordnung kämpfen – und der Kriege in den europäischen Kolonien sowie des US-amerikanischen Unabhängigkeitskrieges flossen dabei in die Ausbildung der leichten Infanterie ein. Mit einem Erlass des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. zum Kriegsbeginn 1813 wurden zahlreiche freiwillige Jägerdetachements (Jägerabteilungen) für die Zeit der Freiheitskriege bis 1814/15 gebildet. Diese Jäger mussten selbst für Ausrüstung und Bewaffnung sorgen, waren im Gegenzug jedoch auch dazu ermächtigt, sich ihre Offiziere selbst zu wählen.

Die Jägertruppe hatte den Auftrag, der eigenen Armee voraus aufzuklären und den Feind mit gezieltem Schuss zu bekämpfen. Dazu wurde der Drill, der für die Linientruppen galt, weniger streng angewendet. Bei den Jägern standen nicht das drillmäßige Ausführen von Schieß- und Ladeabläufen in dichter Formation und ein Aufmarsch in geschlossener Gefechtsformation im Mittelpunkt, sondern das Ausnutzen des Geländes und der gezielte Schuss auf ausgewählte Ziele.

Die Jäger sollten weitgehend selbstständig, in lockerer Aufstellung und kleineren Einheiten operieren, dafür aber insbesondere bewachsenes und durchschnittenes Gelände sowie Deckungen besser ausnutzen. Der gezielte Schuss stand deshalb im Vordergrund der Ausbildung.

Von der im Vergleich zur herkömmlichen Infanterie abweichenden Kampfweise der Jägerverbände gingen wiederholt Innovationsschübe für die Infanterietaktik der Heere aus. Sowohl das Maschinengewehr als auch das Fahrrad wurden bei den Jägertruppen erprobt und eingeführt. Dies lag auch daran, dass die Jägertruppe immer als eine besonders professionelle Truppe innerhalb der Infanterie galt.

Das 20. Jahrhundert brachte mit der rasanten technischen und taktischen Entwicklung in den deutschen Streitkräften eine immer weitergehende Spezialisierung innerhalb der Infanterie hervor. So ging bereits im Ersten Weltkrieg aus der Jägertruppe die Gebirgsjägertruppe hervor und im Jahr 1936 entstand nach italienischen und sowjetischen Vorbildern die deutsche Fallschirmjägertruppe. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Panzergrenadiertruppe von der motorisierten Infanterie hin zu einer eigenständigen Panzerkampftruppe entwickelt. Die Entwicklung der Truppengattungen der Infanterie stand im nationalsozialistischen Deutschland zunehmend im Schatten des verbrecherischen und rassenideologischen Vernichtungskrieges an der Ostfront sowie der Verstrickung und Beteiligung deutscher Soldaten an Kriegsverbrechen in den besetzten Ländern bis hin zur Beteiligung am Holocaust.

In der Bundeswehr sollte nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs das Gefecht beweglich mit mechanisierten, also gepanzerten, Verbänden geführt werden. Die Aufgaben der panzerbegleitenden Infanterie wurden von den ehemals zur Infanterie gehörenden Panzergrenadieren als mechanisierte Infanterie übernommen. Die Jägertruppe wurde dagegen als motorisierte Infanterie weiterkonzipiert. Sie war durch ihre Ausstattung vor allem für die Verteidigung und für den Angriff in bebautem und bewaldetem Gelände befähigt. Großverbände der Jägertruppe im Feldheer des Kalten Krieges waren in den 1970er Jahren die 2. und 4. Jägerdivision mit den unterstellten Jägerbrigaden 4, 10 und 11 der Heeresstruktur III (1970 bis 1981). Im Territorialheer dieser Zeit war die Jägertruppe mit ihren sechs Großverbänden (Heimatschutzkommandos) und den ihnen unterstellten Verbänden (jeweils zwei Jägerregimenter mit je zwei Jägerbataillonen) die am meisten vertretene Truppengattung.

In der Heeresstruktur IV (1981) wurden im Feldheer die drei Jägerbrigaden wieder zu Panzergrenadierbrigaden und die Heimatschutzkommandos in zwölf Heimatschutzbrigaden umgegliedert.

Mit der Heeresstruktur V bzw. V(N) (ab 1992) verlor die Jägertruppe die meisten ihrer 20 aktiven Bataillone und damit erneut traditionsreiche Verbände.

Das nach der deutschen Einheit gebildete Jägerbataillon 371 der Jägerbrigade 37 „Freistaat Sachsen“ wurde mit Einnahme der Struktur 2007 zusammen mit der Brigade wieder in einen Panzergrenadierverband umgegliedert.

Auch die in den Wehrbereichen der Streitkräftebasis bestehenden nichtaktiven Heimatschutz- und Sicherungsbataillone fielen bis 2007 der weiteren Truppenreduzierung und strukturellen Umgliederung der Streitkräfte zum Opfer. Damit war die Jägertruppe bis auf einige wenige Verbände fast vollständig aufgelöst.

In der Vergangenheit gewann die Jägertruppe innerhalb der Bundeswehr zeitweilig wieder an Bedeutung, was sich an der Neuaufstellung der Jägerbataillone 91, 291 und 413 verdeutlichte. Aber heute sind der Jägertruppe von den Bataillonen der ehemals acht Jägergroßverbände der Heeresstruktur V (N) nur zwei erhalten geblieben: das Jägerbataillon 292 als deutscher Anteil der Deutsch-Französische Brigade sowie das Jägerbataillon 1 als Bestandteil der Panzerbrigade 21.

Geschichte der Gebirgsjägertruppe

Bis zu Beginn des vorletzten Jahrhunderts war die Führung eines Krieges im Gebirge undenkbar. Das schroffe Gelände, schnell wechselnde Witterung, Kälte, Lawinen aus Stein und Schnee, aber auch die Kargheit des Bodens und das Fehlen von Nahrungsmitteln verhinderten den Krieg im Gebirge. Selbst Carl von Clausewitz – preußischer Generalmajor, Militärwissenschaftler und Heeresreformer – bezeichnete das Gebirge als Nebenkriegsschauplatz, auf dem keine wichtigen Entscheidungen erzielt werden können und welches höchstens als Zuflucht der Schwachen Bedeutung habe.

Das Deutsche Reich verfügte mit Beginn des Ersten Weltkriegs noch über keine Gebirgstruppen. Die Erfahrungen im ersten Kriegswinter und vor allem die ab 1915 geleistete Unterstützung der österreichisch-ungarischen Armee im Krieg gegen Italien zeigten, dass die planmäßige Vorbereitung des Einsatzes von Infanterie im Gebirge als weitere Spezialisierung notwendig wurde. Als sich abzeichnete, dass der Krieg gegen Frankreich den Winter überdauern würde, waren bereits im November 1914 Skiläufer im Deutschen Reich als Freiwillige aufgerufen worden.

Die ersten zwei Schneeschuhbataillone wurden aufgestellt und konnten nach einer verkürzten militärischen Grundausbildung in den französischen Vogesen und an der Ostfront eingesetzt werden. Die Erfolge der französischen Gebirgsjäger im Winterkampf, die Problematik der Versorgung der eigenen Truppe im Winter, die Unterlegenheit der relativ unbeweglichen deutschen Feldartillerie gegenüber der französischen Gebirgsartillerie und vor allem die Abhängigkeit von geräumten und befestigten Straßen bei der Munitionsversorgung führten dazu, dass auch auf deutscher Seite skibewegliche und winterkampftaugliche Verbände mit eigener Gebirgsartillerie aufgestellt wurden.

Aus diesen Verbänden und Einheiten entstand das Deutsche Alpenkorps. Es wurde im Süden Bayerns im Frühjahr 1915 aus Schneeschuhbataillonen und anderen Verbänden zusammengestellt. Mit dem Austritt Italiens aus dem Dreierbund und der Kriegserklärung der Italiener an den Waffenbruder Österreich im Mai 1915 wurde das Alpenkorps aus dem Lager Lechfeld an die Dolomitenfront verlegt. Für das Alpenkorps folgten in den weiteren Kriegsjahren Einsätze an allen Frontabschnitten.

Der Erste Weltkrieg wurde mit großen Opfern verloren. Unter den Bestimmungen des Friedensvertrages von Versailles 1919 und den daraus folgenden Rüstungsbeschränkungen wurde bei jeder der sieben Infanteriedivisionen zumindest ein Bataillon als spezialisiertes Jägerbataillon aufgestellt und mit Gebirgsausrüstung versehen. Außerdem wurden eine Gebirgs-Minenwerferkompanie und zwei Gebirgsbatterien gebildet.

In Abänderung dieser Organisation wurde im Juli 1925 verfügt, dass künftig ein Teil der Gebirgstruppen mit Hochgebirgsausrüstung auszustatten und im Hochgebirge auszubilden sei. Vor allem die Truppenteile in den Standorten Kempten, Lindau, Landsberg/Lech und München führten die Gebirgs- und Winterkampfausbildung durch und übten im Gebirge. Ab 1934 begann der anfänglich geheim gehaltene weitere Ausbau der Reichswehr hin zur Wehrmacht. Aus ursprünglich sieben Divisionen entstanden durch Teilung und Neuaufstellung unter Tarnnamen bald schon 21 Divisionen. Unter diesen befand sich auch die 1. Gebirgsdivision der Wehrmacht mit den Standorten Garmisch-Partenkirchen, Oberammergau, Mittenwald, Bad Reichenhall und Berchtesgaden. Mit der Übernahme des österreichischen Heeres 1938 stieg die Anzahl der Gebirgsdivisionen auf drei an.

Im Verlauf des Krieges wurden dann insgesamt elf Gebirgsdivisionen des Heeres aufgestellt. Während des Zweiten Weltkrieges kämpften die Soldaten der Gebirgsdivisionen wie im Ersten Weltkrieg an allen Frontabschnitten. Neben den entbehrungsreichen Kämpfen im Gebirge und an den Brennpunkten der Feldzüge wie der Einsatz im norwegischen Narwik war die Beteiligung an den Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands in den besetzten Gebieten jedoch auch ein Kennzeichen des Kampfes der Gebirgsverbände der Wehrmacht, das eine ungebrochene und unreflektierte Fortsetzung von Traditionen beim Aufbau der Bundeswehr verbot.

Die neue Gebirgsjägertruppe der Bundeswehr sollte sich über Jahrzehnte mit einem besonderen und guten Verhältnis zum Bundesland Bayern und dem alpinen Wintersport entwickeln. Als im April 1958 die neue 1. Gebirgsdivision der Bundeswehr dem II. Korps unterstellt wurde, bestand sie aus zwei Gebirgsjägerbrigaden und einer mechanisierten Brigade. Damit verfügte eine deutsche Gebirgsdivision erstmals über Panzer- und Panzergrenadierverbände. Daraus ergab sich eine erhebliche Erhöhung der Einsatzmöglichkeiten.

Diese Veränderung spiegelte auch die damalige Lage Bayerns an der militärischen Nahtstelle von NATO und Warschauer Pakt wider. Mit der Gebirgsjägerbrigade 23 war die Division zum Kampf im unwegsamen Gelände sowie unter extremen Witterungsbedingungen befähigt. An den NATO-Flanken in Nordnorwegen und in der Türkei stellten sich die Soldaten der Gebirgsjägertruppe unterschiedlichsten klimatischen Anforderungen an Mensch und Material.

Die Stationierung der Truppenteile erstreckte sich im Süden und Osten Bayerns über einen Raum von rund 260 Kilometern Breite – mit Sonthofen im Allgäu als dem westlichsten und Freyung im Bayerischen Wald als dem östlichsten Standort. Von 18 Standorten der Division lagen zehn unmittelbar in den Alpen oder am Alpenrand, mit dem Divisionskommando in Garmisch-Partenkirchen.

Der Zwei-plus-Vier-Vertrag als Grundlage zur Wiedervereinigung Deutschlands verlangte eine deutliche Reduzierung der Bundeswehr. Dies und die weiteren Strukturreformen der folgenden Jahre trafen auch die Gebirgsjägertruppe. 2001 wurde die 1. Gebirgsdivision mit einem feierlichen Appell in Garmisch-Partenkirchen aufgelöst. Die Tradition der Gebirgsjäger der Bundeswehr wird nunmehr von der Gebirgsjägerbrigade 23 fortgeführt.

Mit dem Zusammenwachsen der beiden deutschen Staaten stellte die Bundeswehr auch in Sachsen, das in einer großen Tradition von Bergsteigern und Alpinisten steht, einen Verband der Gebirgsjägertruppe auf. Das Gebirgsjägerbataillon 571 in Schneeberg entstand als viertes Gebirgsjägerbataillon der Bundeswehr. Die Auflösung dieses Bataillons erfolgte im Jahr 2007. Seit der Struktur Neues Heer (2003/6 bis 2010) ist die Gebirgsjägertruppe in der Gebirgsjägerbrigade 23 mit drei Gebirgsjägerbataillonen vorgesehen.

Verbände und Einheiten der Gebirgsjägertruppe nahmen an nahezu allen Auslandseinsätzen der Bundeswehr teil. Ob 1993 in Somalia, ab 1995 auf dem Balkan oder seit 2002 in Afghanistan – die Gebirgsjäger der Bundeswehr erfüllten den an sie gestellten Auftrag.

Auch in den Einsätzen zeigte sich die Notwendigkeit von Gebirgstruppen. Die asymmetrischen Bedrohungen in den Gebirgsregionen des Hindukusch, denen die Einsatzkräfte der International Security Assistance Force (ISAF) ausgesetzt waren, aber auch die Gebirgsregionen des Kosovo erforderten Soldaten, die um die Besonderheit dieses Geländes wissen und diese zum eigenen Vorteil nutzen können.

Geschichte der Fallschirmjägertruppe

Modernität, Faszination und Verführung kennzeichneten die frühe Geschichte der jüngsten Truppengattung der Infanterie. Ein besonderer Mut und ein besonderes Elitebewusstsein blieben seit der Geburtsstunde dieser Waffe stete Begleiter. Autoritäre Regime wie das faschistische Italien und die stalinistische Sowjetunion nutzten die Modernisierung ihrer Streitkräfte auch dazu, um die Zukunft ihrer Herrschaft mit Waffen der Zukunft besonders zu verbinden. Dazu gehörte die Entwicklung der Luftwaffen in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg ebenso wie die Entwicklung der Fallschirmjägertruppen.

Als Geburtstag der deutschen Fallschirm(jäger)truppe gilt der 29. Januar 1936. An diesem Tag wurde durch das Oberkommando der Luftwaffe die Aufstellung der Fliegergruppe (F) als Fallschirmjäger-Ausbildungskommando befohlen. Damit begann auch die Einrichtung der Fallschirmschule der Wehrmacht auf dem Flugplatz Stendal-Borstel, später auch in Braunschweig und Wittstock/Dosse. Vorbilder und sogar Ausbildungsunterstützung hatten die ersten Soldaten dieser Truppe zuvor in der Sowjetunion gefunden. Als äußeres Zeichen einer erfolgreichen Ausbildung zum Fallschirmspringer trugen die Soldaten der Fallschirmjägerkompanien später das im November 1936 gestiftete Fallschirmschützenabzeichen der Luftwaffe.

Im Jahre 1938 schritt der Aufbau der Fallschirmtruppe weiter voran. Durch die Ausgliederung einiger Einheiten aus der Fliegergruppe (F) entstand in Berlin das Fallschirmjägerregiment 1. Im Juli 1939 wurden alle Fallschirmverbände von Heer und Luftwaffe organisatorisch in der Luftwaffe zusammengefasst und mit den Transportflieger-Kampfgruppen I und II der 7. Fliegerdivision unterstellt. 1943 hatte die Fallschirmtruppe eine Gefechtsstärke von etwa 35.000 Mann und am Ende des Krieges – teilweise durch Eingliederung der Luftwaffe in die Fallschirmtruppe – rund 100.000 Fallschirmjäger, von denen etwa 15.000 im Sprung ausgebildet waren.

Fallschirmjäger wurden im Zweiten Weltkrieg auf allen Kriegsschauplätzen eingesetzt, meist im Erdkampf. Spektakulär und im Erfolg umstritten waren jedoch die Luftlandeunternehmen. Wenige Beispiele sind bekannt. Im Westfeldzug 1940 war es neben einer großen Luftlandeoperation bei Rotterdam vor allem die mit einer technisch aufwändigen Luftlandung verbundene Einnahme des belgischen Sperrforts Eben-Emael und der nahegelegenen Brücken durch Infanterie und Pioniere.

Die Eroberung der Insel Kreta 1941 gehört zu den weltweit bekanntesten Einsätzen der deutschen Fallschirmjäger. Erstmals wurde eine im großen Maßstab angelegte Operation ausschließlich durch Luftlandungen militärisch erfolgreich durchgeführt. Allerdings führten Planungs- und Führungsmängel, unter anderem die Fehlbeurteilung der tatsächlichen Kräfte auf Kreta, zu schwersten Verlusten bei den Fallschirmjägern und den beteiligten Gebirgsjägern. Daher sollte auch Kreta zugleich das faktische Ende dieser Art von Luftlandeoperationen der Wehrmacht werden. Im Februar 1944 besetzten auch deutsche Fallschirmjäger die Höhen um das Kloster Monte-Cassino und die Stadt als Eckpfeiler einer wichtigen Widerstandslinie in Italien. So legendär die Geschichte der Kämpfe um das Kloster auch im internationalen Rahmen sein mögen, so wenig darf man auch hierbei den allgemeinen Charakter der Kriegführung des nationalsozialistischen Deutschlands vergessen. Deutsche Kriegsverbrechen, darunter Plünderungen und Massaker an der Zivilbevölkerung, sind der lange Schatten dieses Kampfes, der bis in die Gegenwart reicht.

Als Ergebnis des Zweiten Weltkrieges galten Luftlandetruppen weltweit als Elite-Infanterie. Insofern wollte auch die neue Bundeswehr nicht auf diese Spezialinfanterie verzichten, auch wenn die militärische Bedeutung von reinen Sprungeinsätzen eher als gering eingeschätzt wurde. Der hochmobile Einsatz im drohenden Szenario eines Krieges gegen die Sowjetunion versprach jedoch Möglichkeiten als eine Art militärische Feuerwehr an den Brennpunkten künftiger Auseinandersetzungen in Mitteleuropa und an den Flanken der NATO.

1956 wurden die ersten Fallschirmjägerverbände in Ellwangen und Kempten aufgestellt. Nach kurzer Unterstellung unter den Aufstellungsstab Süd wurden die Fallschirmjägerbataillone der 4. Grenadierdivision aus Regensburg unterstellt. Ende 1956 wurde die Bildung des Stabes in Esslingen für die (1.) Luftlandedivision für das Jahr 1957 befohlen. Ab 1959 wurden die Luftlande-Kampfgruppen A9 und B9 in Fallschirmjägerbrigade 25 und 26 umbenannt. Im Jahr 1962 wurde die erste deutsch-französische Fallschirmjägerübung Colibri, die im jährlichen Wechsel erfolgt, durchgeführt. Die Übung Colibri wurde in der Folgezeit eine gute Tradition der deutsch-französischen Zusammenarbeit. 1964 wurde der Divisionsstab von Esslingen nach Bruchsal verlegt, wo er bis zur Auflösung der Division im Jahr 1994 verblieb. 1970 wurde die Fallschirmjägerbrigade 27 als dritte Brigade der Division in Lippstadt aufgestellt. 1971 wurden die Fallschirmjägerbrigaden in Luftlandebrigaden umbenannt. Die Division bestand ab dann aus der Luftlandebrigade 25 in Calw, der Luftlandebrigade 26 in Saarlouis und aus der Luftlandebrigade 27 in Lippstadt mit jeweils vier Fallschirmjägerbataillonen.

Anfang der 1990er Jahre nahm die Luftlandedivision die modifizierte Heeresstruktur 4 ein. Ziel war es, die gerade eingeführten Waffenträger Wiesel in einem Fallschirmpanzerabwehrbataillon zusammenzufassen und darüber hinaus ein weiteres gemischtes Fallschirmjägerbataillon mit einer Fallschirmpanzerabwehrkompanie zu versehen. Daneben wurde mit dem Aufbau der Kommandokompanien (Fallschirmjägerkompanien B 1) begonnen. Deren Aufgabe war es, auf sich gestellt Kommandounternehmen gegen Ziele von operativer Bedeutung im Verantwortungsbereich des Korps zu führen. Die Fallschirmjäger konnten nicht nur kämpfen, sie haben auch in vielen humanitären Einsätzen geholfen. Die 1. Luftlandedivision koordinierte im Jahr 1991 die Hilfsmaßnahmen der Bundeswehr für kurdische Flüchtlinge im Iran. Ab 1992 unterstützte sie mit Sanitätssoldaten die Vereinten Nationen bei der Übergangsverwaltung in Kambodscha.

In der Folge der deutschen Einheit und der Reduzierung der Bundeswehr wurde 1991 die Auflösung der 1. Luftlandedivision für das Jahr 1994 bekannt gegeben. Zum Jahresende 1993 liefen Planungen für die Übergabe der Luftlandebrigaden 25 und 26 an die Korpstruppen und der Luftlandefernmeldekompanie 9 an das Kommando Luftbewegliche Kräfte (KLK). 1994 entschied das Bundesministerium der Verteidigung, die Luftlandebrigaden durch das KLK führen zu lassen. Dieses wurde daher als zukünftige Heimat der Fallschirmjäger betrachtet. Das KLK in Regensburg ging aus dem Stab der dortigen 4. Panzergrenadierdivision hervor. Das KLK trug daher den Zusatz 4. Division. Aus dem KLK/4.Division wurde 2001 die Division Spezielle Operationen (DSO). Mit der DSO entstand ein Verband der nationalen Krisenreaktion, der durch besondere Ausbildung, Ausrüstung und Präsenz über die höchstmögliche Einsatzbereitschaft und schnellste Reaktionsfähigkeit verfügte. Als einzige Division des Heeres hatte die DSO daher eigene Sanitäts- und Logistikkräfte zugeordnet. Die DSO wurde 2014 zur Division Schnelle Kräfte (DSK) umgegliedert. Den Kern der multinationalen DSK bilden auch weiterhin die Fallschirmjäger.


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Stand vom: 11.04.18


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