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Die Geschichte der Fernmeldetruppe

Vorgeschichte und Entwicklung der Telegraphentruppe

Um die vom Hauptgebiet getrennten Rheinprovinzen Preußens stärker in die politische und militärische Führung der Monarchie einbinden zu können, wurde 1833 eine optische Telegraphenlinie zwischen Berlin und Koblenz mit fast 550 Kilometer Länge in Betrieb genommen. Das zum Betrieb dieser Telegraphenlinie benötigte Personal wurde im Königlich-Preußischen Telegraphenkorps zusammengefasst und direkt dem Preußischen Generalstab unterstellt.
Dies kann als Ursprung des militärischen Fernmeldewesens in Deutschland bezeichnet werden. Mit der Erfindung des Telefons und Errichtung erster Fernsprechämter wurden 1899 die ersten Telegraphenbataillone aufgestellt. Von diesem Moment an zist das militärische Fernmeldewesen eine eigenständige Truppengattung. Bis kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges entstanden insgesamt drei Inspektionen, sieben Telegraphenbataillone und acht Festungsfernsprechkompanien.

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Von der Telegraphentruppe zur modernen Nachrichtentruppe

Mit der Mobilmachung 1914 erhöhte sich schlagartig die Zahl der Telegraphensoldaten. Es stellte sich allerdings heraus, dass zahlreiche höhere Truppenführer überhaupt nicht in der Lage waren, die ihnen zur Verfügung stehenden Nachrichtenmittel ihren technischen Möglichkeiten und vor allem den operativ-taktischen Erfordernissen entsprechend richtig einzusetzen. Das Scheitern der deutschen Anfangsoffensive an der Marne, die Ausdehnung der Westfront und der Übergang zum Stellungskrieg im Osten bestimmten in der Folgezeit nachhaltig die weitere Entwicklung des militärischen Nachrichtenwesens. Bei Kriegsende betrug die Kopfstärke der Nachrichtentruppe - ohne Truppennachrichtenverbände - 4.381 Offiziere und rund 185.000 Mann in mehr als 2.800 Stäben und Truppenteilen.

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Die Entwicklung der Nachrichtentruppe der Reichswehr

Die militärische Niederlage und die Novemberrevolution hatten Deutschland Ende 1918 in eine tiefe Krise gestürzt.
1919 akzeptierte die deutsche Delegation die Bedingungen des Friedensvertrages von Versailles und damit die Reduzierung auf 7 Infanterie- und 3 Kavalleriedivisionen mit einer Gesamtstärke von 100.000 Mann. 1921 bildeten nunmehr 7 Nachrichtenabteilungen der Divisionen mit insgesamt etwa 2.500 Mann die neue Reichswehrnachrichtentruppe.
In dieser Zeit wurde wertvolle Arbeit für die Weiterentwicklung des militärischen Nachrichtenwesens geleistet.

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Wiederaufbau der Nachrichtentruppe des Heeres und der Zweite Weltkrieg

Bereits wenige Tage nach Hitlers Machtübernahme befahl dieser, die Wehrmacht wieder aufzubauen. Ab 1933 wurden neue Abteilungen aufgestellt und ein vielfaches an Führungspersonal eingestellt. 1939 war der Neuaufbau der Heeresnachrichtentruppe abgeschlossen und diese bestand nunmehr aus:
  • einer Führungsabteilung und neunzehn Korpsnachrichtenabteilungen
  • 45 Divisionsnachrichtenabteilungen, darunter drei Panzer- und drei Gebirgs-Nachrichtenabteilungen sowie einer Nachrichtenlehr- und Versuchsabteilung an der Heeresnachrichtenschule. Die schon Ende Juli 1939 verdeckt ausgelöste Mobilmachung der Heeresnachrichtentruppe hatte zur Folge, dass die wichtigsten Truppenteile und Einheiten schon im August 1939 einsatzbereit zur Verfügung standen;
  • elf Nachrichtenregimenter (darunter ein Führungsnachrichtenregiment);
  • 23 Nachrichtenabteilungen der Generalkommandos der Armeekorps;
  • 35 Nachrichtenabteilungen der Infanteriedivisionen der 1.Welle;
  • 19 Nachrichtenabteilungen der Infanteriedivisionen der 2.Welle;
  • zehn Nachrichtenabteilungen der motorisierten Infanterie- und Panzerdivisionen;
  • drei Gebirgsnachrichtenabteilungen der Gebirgsdivisionen;
  • fünf gemischte Nachrichtenkompanien der vier leichten Divisionen und der Kavalleriebrigade;
  • sieben Horchkompanien der Funkaufklärung;
  • zwölf Feldnachrichtenkommandanturen, die den Heeresgruppen- und Armeestäben zugeordnet waren;
  • 45 selbständige Feldfernkabelbau-, Fernsprechbetriebs- und Fernsprechbaukompanien;
  • vierzehn Nachrichtenersatzabteilungen
In den letzten Maitagen des Jahres 1945 hörten die deutschen Nachrichtentruppen nach einer bis dahin knapp 50-jährigen dynamischen Geschichte auf zu bestehen. Es ist die Tragik der Geschichte, dass die deutsche Nachrichtentruppe ihre Leistungsfähigkeit in zwei schrecklichen Weltkriegen unter Beweis stellen musste.

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Entstehung und Entwicklung der Fernmeldetruppe der Bundeswehr

Als offizielles Geburtsdatum der Fernmeldetruppe der Bundeswehr ist der 11. Januar 1956 zu nennen, da an diesem Datum die "Grundsätzlich Weisung für die Aufstellung des Heeres Nr.1/56" erschien. Als erste Fernmeldetruppenteile entstanden fünf Divisionsfernmeldebataillone sowie zwei Brigadefernmeldekompanien. Die restlichen Truppenteile, u.a. drei Korpsfernmeldebataillone, ein Funkaufklärungsbataillon, drei Fernmeldedepotkompanien, ein Fernmeldelehrbataillon und die Fernmeldeschule des Heeres wurden kurz danach aufgestellt.

Die Zeit von 1959 bis 1970 wurde durch die "Heeresstruktur 2" bestimmt. Als wichtigste Aufstellungen in dieser Zeit sind u.a. drei Korpsfernmeldestäbe sowie drei weitere Korps- und fünf Divisionsfernmeldebataillone zu nennen. Darüber hinaus wurde die strukturelle Basis für die Elektronische Kampfführung (EloKa) und die neu entstanden zahlreiche Fernmeldetruppenteile für die Territoriale Verteidigung aufgebaut.

Die sich anschließende Entwicklungsphase der "Heeresstruktur 3" von 1970 bis 1979 war durch die Fusion des Feldheeres mit den Truppen der Territorialen Verteidigung gekennzeichnet. In diesem Zusammenhang wurden Fernmeldeverbände für die Bundeswehrführung aufgestellt . In dieser Zeit entstanden u.a. die Führungsfernmeldebrigade 900 mit zwei Regimentern und fünf Fernmeldebataillonen. Das Automatisierte Korps-Stammnetz (AUTOKO I) sowie moderne Funk- und Richtfunktechnik wurden in dieser Zeit eingeführt.

Die "Heeresstruktur 4" von 1980 bis 1992 wurde auch als „Optimierungsphase“ bezeichnet. In diesem Zeitabschnitt entstanden die Stäbe der Fernmeldeführer in den damals sechs Wehrbereichen und neun Brigadefernmeldezüge. Auf dem Gebiet der Ausrüstung brachte die Einführung einer neuen Funkgerätegeneration und der zweiten Entwicklungsstufe des Automatisierten Korps-Stammnetzes (AUTOKO II) einen weiteren technischen Fortschritt. Ende 1989 bestand die Fernmeldetruppe aus 34 Bataillonen.

Nach der Wiedervereinigung führte die 1. Reformphase 1990 - 1996 mit der "Heeresstruktur 5" führte zu einer drastischen Reduzierung und Neustrukturierung des gesamten Heeres. Am Ende dieser Entwicklungsetappe bestand die Fernmeldetruppe der Bundeswehr nur noch aus 22 Regimentern und Bataillonen.

Die 2.Reformphase mit der "Heeresstruktur – Neues Heer für neue Aufgaben" wurde ab 1997 wirksam. Das Heer wurde zahlenmäßig noch weiter verringert und den Erfordernissen gesamtdeutscher Streitkräfte und vor allem der internationalen Einsätze angepasst. Die Fernmeldetruppe bestand 1997 aus 4 Führungsunterstützungsbrigaden, einer Fernmeldeaufklärungsbrigade, sieben Führungsunterstützungsregimentern sowie zahlreichen weiteren Truppenteilen und Einrichtungen.

Mit der Entscheidung zur Neuausrichtung der Bundeswehr im Jahre 2000 wurde durch die Bundesregierung eine weitere umfassende Reform gebilligt. Für streitkräftegemeinsame Aufgaben wurde die Streitkräftebasis (SKB) gebildet. Im Zuge dessen wurden alle Führungsunterstützungsbrigaden aufgelöst und durch Regimenter und Bataillone übernommen. Die Weisung für die Weiterentwicklung der Streitkräfte führte zur Struktur „Neues Heer“, mit der Fernmelder und Führungsunterstützer eine zahlenmäßige und qualitative Aufwertung erfahren sollen.

Die Fernmeldetruppe des Heeres erhielt für die 1. Panzerdivision als Eingreifkräfte das Fernmelderegiment 1. Die Division Spezielle Operationen und die Division Luftbewegliche Operationen erhielten wie die vier Stabilisierungsbrigaden jeweils ein Fernmeldebataillon. Darüber hinaus wurde ein Fernmeldebataillon als Deutscher Anteil für das Multinationale Korps Nordost und eine Fernmeldekompanie für das 1. (DEU/NLD) Korps bereit gestellt, währen das EUROKORPS erstmalig eine eigene Fernmeldekompanie erhielt. Die Fernmeldeschule des Heeres wurde im Sommer 2005 der SKB unterstellt und in Führungsunterstützungsschule der Bundeswehr umbenannt. Sie bildet seitdem alle Fernmelder des deutschen Heeres und alle Führungsunterstützer der SKB streitkräftegemeinsam aus.

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Stand vom: 11.03.17


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