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Neues Heer für neue Aufgaben (1994/7-1999)

Bereits 1994 unmittelbar nach Abschluss der Umgliederungen zur Heeresstruktur 5 (N) ergab sich die Notwendigkeit, die Struktur des Heeres erneut grundlegend zu ändern. Die Erweiterung des Auftrages der Bundeswehr, die verminderte Mittelzuweisung und die erneut verkürzte Dauer des Grundwehrdienstes begründeten den Neuansatz.

Am 12. Juli 1994 hatte das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass deutsche Soldaten ohne Einschränkungen an internationalen Militäreinsätzen teilnehmen und außerhalb der Bundesrepublik Deutschland zur Hilfeleistung eingesetzt werden können.

Mit der „Konzeptionellen Leitlinie zur Weiterentwicklung der Streitkräfte“ vom Juli 1994 wurde die Reduzierung des Friedensumfangs der Bundeswehr auf 340.000 Soldaten umgesetzt. Dabei sollten die Strukturen in einer Krise den Aufwuchs auf die international vereinbarte Höchstgrenze von 370.000 ermöglichen. Der Umfang der Krisenreaktionskräfte wurde auf 50.000 Soldaten festgelegt. Gleichzeitig wurde die Verkürzung des Grundwehrdienstes auf zehn Monate beschlossen und die Möglichkeit geschaffen, im Anschluss an den Grundwehrdienst „Freiwilligen Zusätzlichen Wehrdienst“ von zwei bis 13 Monaten Dauer zu leisten. Diese Neuregelung trat am 1. Januar 1996 in Kraft.

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Prinzip der „Vermaschung“ (Brigade)

Prinzip der „Vermaschung“ (Brigade) (Quelle: Heer/PIZ)Größere Abbildung anzeigen

Hauptverteidigungs- und Krisenreaktionskräfte

Die neuen Herausforderungen konnten mit den alten Strukturen nicht gemeistert werden. Besonders die Unzulänglichkeiten im Bereich der strukturellen Krisenreaktionsfähigkeit sowie der logistischen und sanitätsdienstlichen Unterstützung im Einsatz ließen sich durch bloßes Nachsteuern nicht beheben. Ein wesentliches Merkmal der Struktur „Neues Heer für neue Aufgaben“ bestand daher in der Unterscheidung zwischen Krisenreaktionskräften und Hauptverteidigungskräften.

Verlängerte Warnzeiten und eine militärisch nutzbare Vorbereitungszeit von bis zu sechs Monaten bestimmten Einsatzbereitschaft, Aufwuchsfähigkeit und Ausbildungsstand derjenigen Kräfte, die für die Landes- und Bündnisverteidigung vorzuhalten waren. Gleichzeitig waren bereits im Frieden voll präsente, schnell verfügbare und rasch verlegefähige Kräfte bereit zu stellen, die den Aufwuchs und Aufmarsch der Kräfte für die Landes- und Bündnisverteidigung decken, und die nach nur kurzer Vorbereitungszeit für Krisenreaktionseinsätze zur Verfügung stehen sollten.

So entstanden eine Luftmechanisierte Brigade und das Kommando Spezialkräfte. Die Luft-mechanisierte Brigade fasste Panzerabwehr- und Transporthubschrauber zu einem eigenständigen Großverband zusammen, um die Luftbeweglichkeit zu verbessern und um Gefechte in der Tiefe des Raumes auch aus der Luft führen zu können. Spezialkräfte dienen vornehmlich zum Kampf gegen gegnerische Kräfte und Einrichtungen im feindlichen Hinterland, zur Aufklärung und Überwachung, aber auch zur Durchführung von Rettungsaktionen im Rahmen humanitärer Einsätze.

Insgesamt sollten 37.000 Soldaten, vornehmlich Zeit- und Berufssoldaten sowie freiwillig länger dienende Wehrdienstleistende, den Krisenreaktionskräften des Heeres angehören. Zu diesen gehörten die deutschen Anteile in den Reaktionskräften der NATO, also den Stäben des ACE Rapid Reaction Corps, des Eurokorps, der Multinational Division (Central) und der ACE Mobile Force (Land), der Stab Kommando Luftbewegliche Kräfte, die Stäbe der 7. und 10. Panzerdivision und das Einsatzunterstützungskommando der Logistikbrigade 1. Auf der Brigadeebene umfassten die Krisenreaktionskräfte die Panzerbrigaden 12 und 21, die Luftmechanisierte Brigade 1, die Luftlandebrigade 31, die Jägerbrigade 37 und den deutschen Anteil an der Deutsch-Französischen Brigade. Hinzu kamen das Kommando Spezialkräfte und Unterstützungskräfte in einem Umfang, der den Einsatz einer Heeresdivision mit zwei Brigaden ohne zusätzliche Mobilmachungsmaßnahmen ermöglichte.

Um trotz der Unterscheidung in Krisenreaktions- und Hauptverteidigungskräfte den Zusammenhalt des gesamten Heeres zu wahren, wurden die Krisenreaktionskräfte und die Hauptverteidigungskräfte nicht in unterschiedlichen Großverbänden zusammengefasst, sondern miteinander „vermascht“. Einzelne Truppenteile der Krisenreaktionskräfte wurden von Großverbänden geführt, die den Hauptverteidigungskräften zugeordnet waren und umgekehrt. Bei den Führungs-, Logistik- und Sanitätstruppen der Divisions-, der Korps- und der Heeresebene setzte sich die Vermaschung auch unterhalb der Verbandsebene fort. Als Konsequenz mussten Großverbände für einen Einsatz fast immer neu zusammengeführt werden.

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Gliederung Heeresamt

Gliederung Heeresamt (Quelle: Heer/PIZ)Größere Abbildung anzeigen

Anpassung der Führungsorganisation

Mit der Struktur „Neues Heer für neue Aufgaben“ wurden die bisher bei den Korps angesiedelten Sanitätskräfte in einer Sanitätsbrigade zusammengefasst. Diese und die drei Logistikbrigaden wurden dem Heeresunterstützungskommando unterstellt.

Die Übernahme wesentlicher Planungsaufgaben aus dem Führungsstab des Heeres und der Zwang zur Straffung erforderten eine grundlegende Umstrukturierung des Heeresamtes. Die seitherige Gliederung in fünf Abteilungen entspricht den veränderten Fach- und Planungsaufgaben. Den Kern des neuen Heeresamtes bilden die Abteilung III „Heeresentwicklung“. Hier wird die Weiterentwicklung des Heeres in seinen funktionalen Aufgabenbereichen wahrgenommen und die Weiterentwicklung der Truppengattungen an den Truppenschulen gesteuert.

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Stand vom: 25.11.13 | Autor: Online-Redaktion Heer


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