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Geschichte

Straßburg-Neuhof, seit 1992 Standort des Eurokorps, auf einer Postkarte um 1910.
Straßburg-Neuhof, seit 1992 Standort des Eurokorps, auf einer Postkarte um 1910. (Quelle: Archiv Eurocorps/)Größere Abbildung anzeigen
In das Jahr 1987 fällt die Einrichtung des Deutsch-französischen Verteidigungs- und Sicherheitsrates, einer permanenten Einrichtung, die die deutsch-französische Zusammenarbeit im Bereich der Sicherheits- und Verteidigungspolitik koordiniert. Am 2. Oktober 1989 wurde die Deutsch-Französische Brigade offiziell in Böblingen gegründet, sie ist seit 1991 einsatzbereit.

In einem gemeinsamen Brief an den Vorsitzenden des Europäischen Rates regten Bundeskanzler Helmut Kohl und Präsident François Mitterrand am 14. Oktober 1991 die Aufstellung eines Europäischen Korps an. Auf der Grundlage des Beschlusses des deutsch-französischen Gipfeltreffens am 22. Mai 1992 in La Rochelle wurde das eigentliche Eurokorps gegründet. In dieser Gründungsakte des Eurokorps heißt es unter anderem:

Straßburg-Neuhof, Lizé-Kaserne, um 1920
Straßburg-Neuhof, Lizé-Kaserne, um 1920 (Quelle: www.archi-strasbourg.org/)Größere Abbildung anzeigen

„Das Europäische Korps soll Europa erlauben, über Möglichkeiten des eigenen militärischen Handelns zu verfügen. Durch seine Aufstellung bekunden die am Europäischen Korps beteiligten Staaten ihren Willen, gemeinsam und einvernehmlich ihre Verantwortung auf dem Gebiet der Sicherheit und der Aufrechterhaltung des Friedens im Rahmen einer Europäischen Union wahrzunehmen, die auf längere Sicht auch eine gemeinsame Verteidigungspolitik umfaßt.“

Am 1. Juli 1992 wurde der Aufstellungsstab des Europäischen Korps in Straßburg (Strasbourg) eingerichtet. Im SACEUR-Abkommen vom 21. Januar 1993 wurden die Beziehungen und Kompetenzen zwischen NATO und Eurokorps geregelt.

Das Eurokorps wurde schließlich am 1. Oktober 1993 mit dem Dienstantritt von Generalleutnant Helmut Willmann offiziell geschaffen und am 5. November 1993 in Straßburg der Öffentlichkeit vorgestellt.

Défilé des Eurokorps auf dem Place de la République in Straßburg, 5. November 1993
Défilé des Eurokorps auf dem Place de la République in Straßburg, 5. November 1993 (Quelle: Archiv Eurocorps/)Größere Abbildung anzeigen

Belgien war dem Eurokorps schon am 25. Juni 1993 beigetreten. Es folgten Spanien am 1. Juli 1994 und Luxemburg am 7. Mai 1996.

Teilnahme des Eurokorps am Nationalfeiertag auf der Champs d’Elysées in Paris, 14. Juli 1994.
Teilnahme des Eurokorps am Nationalfeiertag auf der Champs d’Elysées in Paris, 14. Juli 1994. (Quelle: Archiv Eurocorps)Größere Abbildung anzeigen
Am 29. November 1995 wurde das Eurokorps durch den Kommandierenden General des Eurokorps, Generalleutnant Helmut Willmann, gegenüber den vier Verteidigungsministern der Länder Belgien, Frankreich, Spanien und Deutschland für einsatzbereit erklärt. Die Zeremonie in Laon in der Champagne war zugleich Abschluss der Übung „Pegasus 95“.

Anfang 1998 verstärkten Soldaten des Korps das SFOR-Hauptquartier. 2000 stellte das Korps das KFOR-Hauptquartier im Kosovo.

Im September 2002 wurde das Eurokorps in ein so genanntes „schnelles Reaktionskorps“ umgewandelt, das nicht nur der EU, sondern auch der NATO zur Verfügung steht. Das Korps ist in der NATO-Streitkräftestruktur als „Rapidly Deployable Corps“ Headquarters mit Unterstellung zum Supreme Headquarters Allied Powers Europe (SHAPE) klassifiziert und stellt turnusmäßig Kräfte für die NATO Response Force. Seitdem sind im Korpsstab Offiziere mehrerer NATO-Bündnispartner gewesen: (Griechenland [2002], Türkei [2002], Polen [2003], Kanada [2003–2007], Italien [2009]). Zudem wurden Verbindungsoffiziere aus Großbritannien, Italien und den Niederlanden dorthin entsandt. Am 25. Februar 2003 unterzeichneten die EU-Nationen Österreich und Finnland in einer feierlichen Zeremonie in Straßburg ein Abkommen, auf dessen Grundlage sie nunmehr Personal in das Straßburger Hauptquartier des Eurokorps entsandten. Finnland verblieb beim Eurokorps bis 2005, Österreich bis 2011.

Ein Kriterium für die Zertifizierung als Krisenreaktionskorps der NATO war die Öffnung des Eurokorps für alle NATO-EU-Mitgliedstaaten. Spanien, das zu dieser Zeit den Vorsitz im Gemeinsamen Komittee innehatte, lud sowohl die NATO-Mitgliedstaaten als auch die Mitgliedsländer der Europäischen Union ein, Personal zum Hauptquartier des Eurokorps zu entsenden – diese Öffnung in Richtung Europäische Union ist eine Besonderheit. Demzufolge sind heute Griechenland, Polen und die Türkei mit Personal in den Stab des Eurokorps-Hauptquartiers integriert.

Seit dem 22. Juni 2009 gehören auch zwei italienische Offiziere dem Hauptquartier an.

Von August 2004 bis Februar 2005 stellte das Eurokorps für sechs Monate den Kern des Hauptquartiers für ISAF VI in Kabul (Afghanistan). Vom 1. Juli bis 31. Dezember 2006 stellte es im Rahmen der Führung der Landstreitkräftekomponente der Eingreiftruppe NATO Response Force 7 (NRF 7). Im zweiten Halbjahr 2010 stellte das Eurokorps seine Kräfte für den NATO-Auftrag NRF 15 zur Verfügung. 2012 entsendet das Eurokorps 275 Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften in das International Joint Command nach Kabul. Dieses ist der vierte Einsatz des Eurokorps.

Kommandierende Generale des Eurokorps sind bis jetzt gewesen:

Generalleutnant Helmut Willmann (DEU) von 1993 bis 1996
Generalleutnant Pierre Forterre (FRA) von 1996 bis 1997
Generalleutnant Leo Van den Bosch (BEL) von 1998 bis 1999
Generalleutnant Juan Ortuño Such (ESP) von 1999 bis 2001
Generalleutnant Holger Kammerhoff (DEU) von 2001 bis 2003
Generalleutnant Jean-Louis Py (FRA) von 2003 bis 2005
Generalleutnant Charles-Henri Delcour (BEL) von 2005 bis 2007
Generalleutnant Pedro Pitarch (ESP) von 2007 bis 2009
Generalleutnant Hans-Lothar Domröse (DEU) von 2009 bis 2011
Generalleutnant Olivier de Bavinchove (FRA) von 2011 bis 2013
Generalleutnant Guy Buchsenschmidt (BEL) von 2013 bis 2015


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Stand vom: 22.03.18


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