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Geschichte

Entstehung der 1. Panzerdivision

Die 1. Panzerdivision und ihr Stab blicken aus Oldenburg in Niedersachsen – auf eine über 60jährige, ereignisreiche und wechselvolle Geschichte zurück. Die Aufstellung der Division in Hannover erfolgte fast zeitgleich mit der Einführung der Wehrpflicht als 1. Grenadierdivision am 1. Juli 1956. Sie entstand im Wesentlichen aus dem Grenzschutzkommando Nord Hannover. Die 1. Panzerdivision ist somit die älteste deutsche Heeresdivision.

Die Division im Wandel der Heeresstrukturen bis 2000

Zum 15. September 1956 wurde die 1. Panzerdivision dem Heeresstab I in Münster – ab 1. Oktober I. Korps – unterstellt. Bereits am 1. Juli 1957 wurde die Division der NATO assigniert. Im Zuge der Überführung in die Heeresstruktur 2 erfolgte am 1. März 1959 die Umbenennung der 1. Grenadierdivision in die 1. Panzergrenadierdivision. Wesentlich war in dieser Zeit im Heer die Umrüstung der Panzerverbände auf den neuen Kampfpanzer Leopard 1.

Mit der Einführung der Heeresstruktur 4 erfolgte am 1. April 1981 die Umbenennung der Division in die noch heute gültige Bezeichnung 1. Panzerdivision. Die Division führte als NATO-Großverband zu diesem Zeitpunkt drei Brigaden sowie ein Artillerie- und Flugabwehrregiment. In dieser Phase wurde der Leopard 2 als Hauptwaffensystem des Heeres eingeführt.

Die nächste wesentliche strukturelle Veränderung der 1. Panzerdivision erfolgte nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ und den großen sicherheitspolitischen Umbrüchen 1989/90: Die Fusionierung der 1. Panzerdivision und des Wehrbereichskommandos II zum neuen Kommandostab Wehrbereichskommando II/1. Panzerdivision zum 31. März 1994. Damit war die Verschmelzung von Feld- und Territorialheer auch in Niedersachsen vollzogen. In diese Zeit fällt auch die Indienststellung des I. Deutsch-Niederländischen Korps in Münster im Jahre 1995, dem die 1. Panzerdivision zu diesem Zeitpunkt unterstellt war.

Die 1. Panzerdivision vom „Heer der Zukunft“ zur „Division Eingreifkräfte“

Am 30. Juni 2001 wurde die Fusionierung von Feld- und Territorialheer wieder rückgängig gemacht. Während das Wehrbereichskommando I (Küste) in Kiel die territorialen Aufgaben des alten Wehrbereiches II übernahm, verblieb der Stab der 1. Panzerdivision am Standort Hannover. Die 1. Panzerdivision wurde dazu am 30. Juni 2001 dem Heeresführungskommando in Koblenz unterstellt.

Im Schwerpunkt standen nun die Gestellungen für die Auslandseinsätze der Bundeswehr, die bis heute unverändert andauern. So wurden am 8. Februar 2002 die ersten Soldaten der 1. Panzerdivision für den Afghanistan-Einsatz mit einem Appell verabschiedet. Gleichzeitig war die 1. Panzerdivision erstmals Leitdivision für alle Auslandseinsätze im 2. Halbjahr 2002.

Mit der im Jahre 2004 beschlossenen Reform der Bundeswehr bildete die 1. Panzerdivision mit ihren drei mechanisierten Brigaden in Hildesheim, Munster und Augustdorf die Division der Eingreifkräfte. Die 1. Panzerdivision hatte dabei den Auftrag, militärische Einsätze im Rahmen streitkräftegemeinsamer, zivil-militärisch vernetzter und multinationaler Operationen im gesamten Intensitätsspektrum weltweit zu planen, vorzubereiten und durchzuführen.

Die Umstrukturierung der 1. Panzerdivision im Rahmen der Neuausrichtung der Bundeswehr

Die 2011 in Kraft gesetzte Neuausrichtung hat tiefgreifende Veränderungen in der 1. Panzerdivision zur Folge. Unter dem leitenden Prinzip „Vom Einsatz her denken“ geht es darum, dass die Division durchhaltefähig und demografiefest Ihren Auftrag in der neuen Struktur HEER2011 erfüllt.

Im Jahr 2015 war die Division wesentlich mit den Umgliederungen beschäftigt, die zum Jahreswechsel abgeschlossen wurden. Die Umgliederung beinhaltete unter anderem die Neuaufstellung der Einsatzabteilung und der Stabs-/Fernmeldekompanie sowie den Umzug des Divisionsstabes von Hannover nach Oldenburg. In der Panzerlehrbrigade 9 und der Panzerbrigade 21 fanden ebenfalls erhebliche Umgliederungsprozesse statt, während bei der Panzergrenadierbrigade 41 weniger Anpassungen nötig waren. Am 17.03.2016 erfolgte die Unterstellung der 43. (NLD) Mechanisierten Brigade in Havelte unter die 1. Panzerdivision sowie die Aufstellung des DEU/NLD Panzerbataillons 414 in Bergen-Lohheide. Ab dem 1. März 2016 war die Erste erneut die Leitdivision für die Einsätze des Heeres.

Einbindung in die Region

Die Soldaten der 1. Panzerdivision sind ein fester Bestandteil in der Öffentlichkeit in Niedersachsen und den anderen sieben Bundesländern in Deutschland, in denen die Division aktuell stationiert ist. Der Division gehören somit Verbände von Eutin bis Hammelburg und von Havelte (NLD) bis Torgelow an.

Ein besonderer Ausdruck dieser Verbundenheit in Niedersachsen ist die seit 2002 durch den Niedersächsischen Landtag veranstaltete traditionelle Verabschiedung der Soldaten der 1. Panzerdivision in den Einsatz. Am 3. März 2016 wurde die Verabschiedung zum siebten Male im Landtag in Hannover durchgeführt. Ebenso hat die Begrüßung durch die Landesregierung nach den Einsätzen ihren festen Bestandteil im Kalender der Division.

Ein Höhepunkt der Einbindung in die Hannoveraner Gesellschaft und darüber hinaus war die Durchführung des jährlich im Hannover Congress Centrum stattfindenden Sommerbiwaks als Gala- und Gartenfest von 1973 bis 2014.

Die jahrzehntelange besondere Verbundenheit des Stabes der 1. Panzerdivision zur Landeshauptstadt Hannover, die sich auch in einer 32 Jahre bestandenen Patenschaft ausdrückte, ist am 10. Dezember 2015 ein letztes Mal zur Verabschiedung nach Oldenburg in Form eines Großen Zapfenstreiches vor dem Neuen Rathaus nach außen hin sichtbar dargestellt worden.

Mit dem Umzug nach Oldenburg entsteht nun eine neue Verbindung. So wurde der Divisionsstab am 18. Januar 2016 durch den Oberbürgermeister der Stadt Oldenburg herzlich in seiner neuen Garnison begrüßt. Die 1. Panzerdivision feierte am 15. Juni 2016 ihren 60. Geburtstag zusammen mit der Stadt Oldenburg im Oldenburger Schloss mit einem Festakt. Bei dieser Gelegenheit wurde auch eine Patenschaft mit der Garnison Oldenburg begründet. Eine Serenade bildete den Schlusspunkt der Veranstaltung, der ein Platzkonzert und ein ökumenischer Standortgottesdienst für die Oldenburger Öffentlichkeit vorgeschaltet war.

Am 16. Februar 2017 war die 1. Panzerdivision erneut Gast auf dem Oldenburger Schlossplatz. In aller Öffentlichkeit wechselt bei einem feierlichen Appell die Kommandoführung der Division.
Nach dem Wechsel der Division von Hannover nach Oldenburg war Generalmajor Johann Langenegger erster Kommandeur der Division in Oldenburg. Zusammen mit seinem Stellvertreter Brigadegeneral Ernst-Peter Horn verabschiedete er sich auf dem Schlossplatz von den Oldenburgern und der Garnison.

Einsatz wird zum Alltag

Im Rahmen des erweiterten Einsatzspektrums der Bundeswehr waren Soldaten der 1. Panzerdivision bisher in Kambodscha, in Bosnien Herzegowina, im Kosovo, in Mazedonien, in Afghanistan, in Kuwait, in Somalia und in Mali eingesetzt. Seit 2002 war und ist die 1. Panzerdivision im 2-Jahresrhythmus als Leitdivision für die Einsätze des Heeres verantwortlich:
  • 2000 Teilgestellung des 2. Einsatzkontingentes Stabilization Force (SFOR)/Kosovo Force (KFOR),
  • 2002 Leitdivision für das 5. Einsatzkontingent SFOR/KFOR und das 2. Einsatzkontingent Task Force Fox in Mazedonien,
  • 2004/2005 Leitdivision für das 7. Einsatzkontingent International Security Assistance Force (ISAF) Kabul, 3. Einsatzkontingent ISAF Provincial Reconstruction Team (PRT) Kunduz und das 10. Einsatzkontingent SFOR/KFOR,
  • 2006/2007 Unterstützungsverband für das 12. Einsatzkontingent ISAF, das 15. Einsatzkontingent KFOR und das 6. Einsatzkontingent European Union Force (EUFOR),
  • 2008 Leitdivision für das 17. Einsatzkontingent ISAF, dabei die erstmalige Gestellung der Quick Reaction Force Nordafghanistan, das 20. Einsatzkontingent KFOR und das 11. Einsatzkontingent EUFOR,
  • 2011/12 Leitdivision für 12 Monate für das 25.-27. Einsatzkontingent ISAF, 28.-30. Einsatzkontingent KFOR und das 19.-20. Einsatzkontingent EUFOR
  • 2014 Leitdivision ab 1. Januar für 12 Monate für das 35.-37. Einsatzkontingent ISAF, das 37.-39. Einsatzkontingent KFOR sowie die Folge-Kontingente der Europäischen Trainingsmission (EUTM) Mali,
  • 2015 Aufenthalt einer gemischten Panzer-/Panzergrenadierkompanie im Rahmen von PERSISTENT PRESENCE.
  • 2016 Leitdivision ab 1. März für 12 Monate für das 7. Einsatzkontingent RESOLUTE SUPPORT in Afghanistan, das 43.-45. Einsatzkontingent KFOR, die Folge-Einsatzkontingente EUTM Mali sowie der Europäischen Trainingsmission (EUTM) Somalia, die Ausbildungsunterstützung Nord-IRAK und das Folge-Kontingent MINUSMA (Multidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali) - das zweite Kontingent der EU Battlegroup.
    Ab dem Jahr 2018 ändert sich die Einsatzsystematik im Heer. Die 1. Panzerdivision wird dann für 3 Jahre als Leitdivision für die Einsätze des Heeres in Afghanistan und ab Mitte 2019 im Nord-Irak und Somalia verantwortlich sein.
  • 2016 Teilnahme an PERSISTENT PRESENCE in Bataillonsstärke im IV. Quartal durch Panzergrenadierbrigade 41.
Mit der auch als NATO-Speerspitze bekannten Very High Readiness Joint Task Force (VJTF) als Teil der enhanced NATO Response Force kann die NATO zukünftig noch schneller und flexibler auf sicherheitspolitische Entwicklungen reagieren. Deutschland hat sich bereit erklärt, als eine der Rahmennationen bei der VJTF eine führende Rolle zu übernehmen. Die 1. Panzerdivision hat deshalb zusätzlich als Leitdivision die Aufgabe der Ausplanung, Aufstellung und Ausbildung eines Brigade-Äquivalents für 2019 mit einer Bindungswirkung von 2018 bis 2020 übernommen. Die VJTF (L) setzt sich die Gefechtsverbände aus DEU, NLD und NOR, des Brigade Hauptquartiers sowie weiterer multinationaler Truppenteile u.a. eines französischen Gefechtsverbands, belgischer, niederländischer und norwegischer Artilleriebatterien, luxemburgischer Aufklärungskräfte, lettischer Pionierkräfte und tschechischer Flugabwehrkräfte. Die Zertifizierung des Gefechtsverbandes und die internationalen Übungsverpflichtungen auch im Ausland fordern einen hohen Ausbildungsstand, Kohäsion und schnelle Verlegbarkeit. Damit verbunden ist auch die Integration eines Bataillons der 43. (Niederländischen) Mechanisierten Brigade sowie eines norwegischen Bataillons in den Gefechtsverband mit gemeinsamer Ausbildung und Zertifizierung.

Internationale Kooperationen/Patenschaften

Bis zum Jahr 2020 wird die 43. (Niederländische) Mechanisierte Brigade aus Havelte vollumfänglich in die 1. Panzerdivision integriert. Dieser Prozess wurde mit der Unterzeichnung des sog. „Technical Arrangement“ am 4. Februar 2016 durch die Bundesministerin der Verteidigung Dr. Ursula von der Leyen und ihre niederländische Amtskollegin Jeanine Hennis-Plasschaert in Amsterdam offiziell begonnen. Der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Jörg Vollmer, und der Inspekteur der Landstreitkräfte des Königreiches der Niederlande, Generalleutnant Mart de Kruif, unterstellten am 17. März 2016 die niederländische Brigade der 1. Panzerdivision. Gleichzeitig wurde das gemischte deutsch-niederländische Panzerbataillon 414 in Dienst gestellt und dieser Brigade unterstellt.

Das Jahr 2016 endete erstmalig mit der Zertifizierung der 43. (NLD) Mechanisierten Brigade durch den Stab 1. Panzerdivision bei der Simulationsübung Promising Taurus am Übungszentrum in Amersfort in den Niederlanden.
Mit dem NATO-Verbündeten Großbritannien pflegt die 1. Panzerdivision bereits seit Jahrzehnten eine Kooperation, die weiter vertieft werden soll. So bestand von 2006 bis 2014 mit der 1st (United Kingdom) Armoured Division eine offizielle Patenschaft, die seit Juni 2014 mit der 3rd (United Kingdom) Division fortgeführt wird.
In 2017 wird im Rahmen dieser Patenschaft eine Jägerkompanie der Panzerbrigade 21 nach Großbritannien verlegen, um an der mehrwöchigen britischen Übung WESSEX STORM teilzunehmen. Im darauf folgenden Jahr ist geplant, dass eine britische Kompanie in ein Ausbildungs-/Übungsvorhaben der 1. Panzerdivision integriert wird.

Auch mit dem polnischen Heer wird die Kooperation vertieft. So übernahm die 1. Panzerdivision im Zuge der Auflösung der 11. Panzergrenadierdivision im Jahre 2013 die Patenschaft zur 11. (Polnischen) Kavalleriedivision. 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges und im 25. Jahr der Deutschen Einheit unterzeichneten die Heeresinspekteure Deutschlands und Polens am 11. September 2015 eine weitgehende Kooperationsvereinbarung. Den Kern der neuen Qualität in der militärischen Kooperation beider Landstreitkräfte bildet der wechselseitige Austausch eines Kampftruppenbataillons. Das deutsche Panzergrenadierbataillon 411 aus Viereck wird schrittweise in eine polnische Brigade integriert. Damit geht das Bataillon einen zukunftsweisenden Schritt in Richtung verstärkter europäischer Streitkräfteintegration. Im Gegenzug wird der Panzergrenadierbrigade 41 „Vorpommern“ ein polnisches Panzerbataillon unterstellt.

Das komplexeste Übungsvorhaben im Jahr 2015 stellte der dreimonatige Aufenthalt einer gemischten Panzer-/Panzergrenadierkompanie auf dem Truppenübungsplatz Orszyz im Nordosten von Polen dar im Rahmen von PERSISTENT PRESENCE. Soldaten mit entsprechendem Großgerät aus dem Bereich der Panzerbrigade 21 übten ab dem 01. Oktober 2015 bis kurz vor Weihnachten durchgängig mit den polnischen Kameraden der 15. Mechanisierten Infanteriebrigade (POL) auf unterschiedlichen Führungsebenen. Gleichzeitig nimmt die 1. Panzerdivision an der durch das Multinationale Korps Nordost angelegten Übung COMPACT EAGLE 2015 teil.

Katastropheneinsätze

Bei der Bekämpfung von Waldbränden, Hochwasser-, Schneekatastrophen und Sturmfluten haben sich Soldaten der 1. Panzerdivision immer wieder bewährt. So halfen Soldatinnen und Soldaten der Division bei zahlreichen Nothilfe- und Katastropheneinsätzen in Nord-, Ost- und Westdeutschland:
  • Flutkatastrophe in Hamburg im Februar 1962,
  • Bekämpfung der Waldbrände in der Südheide Niedersachsens im August 1975,
  • Bewältigung der Schneekatastrophe während des Winters 1979/80,
  • Bekämpfung der Hochwasserfolgen entlang der Oder 1997,
  • Sicherung und Verstärkung der Deichanlagen entlang der Elbe während des Hochwassers im August 2002,
  • Sicherung und Verstärkung der Deichanlagen entlang der Elbe und Donau während der Hochwasser im Mai/Juni 2013,
  • Bewältigung der Unwetterfolgen in Düsseldorf im Juni 2014.

Flüchtlingshilfe

Im Rahmen der Flüchtlingshilfe unterstützten Soldatinnen und Soldaten der 1. Panzerdivision bei der Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge seit dem Herbst 2015 auf Anfrage der betroffenen Bundesländer und Kommunen in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern und Hessen. Des Weiteren unterstützt die 1. Panzerdivision derzeit das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mit Personal.

Wahlspruch der 1. Panzerdivision

„Man Drup – Man To“
„Nec aspera terrent“


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Stand vom: 17.02.17


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