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Wenn Größe doch eine Rolle spielt – Größenbeschränkung beim Puma

Größe passt! Ein Panzergrenadier verlässt während einer Vorführung den Schützenpanzer Puma gefechtsmäßig
Größe passt! Ein Panzergrenadier verlässt während einer Vorführung den Schützenpanzer Puma gefechtsmäßig (Quelle: Bundeswehr/Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen
Strausberg/Brandenburg, 29.11.2018.

Schneller, stärker, wendiger: Der Schützenpanzer Puma wird in den kommenden Jahren das langjährige Arbeitspferd der Panzergrenadiertruppe, den Schützenpanzer Marder, ablösen. Obwohl der Puma dem Marder in vielen Bereichen überlegen ist, sorgt er für Diskussionen in der Panzergrenadiertruppe.

Aufgrund des verfügbaren Platzes im Kampfraum stellt sich vielen Soldatinnen und Soldaten mit Blick auf die eigene Körpergröße die Frage, ob sie eine Zukunft in der Panzergrenadiertruppe haben werden. Das Deutsche Heer reagiert nun mit einer Maßnahme, die gleichermaßen den Schutz der Soldaten im Puma und die Sorgen der Panzergrenadiere in den Vordergrund stellt.

Neue Generation

Der Schützenpanzer Puma bietet im Vergleich zu seinem Vorgänger, dem Schützenpanzer Marder, viele technische Vorteile und Neuerungen
Der Schützenpanzer Puma bietet im Vergleich zu seinem Vorgänger, dem Schützenpanzer Marder, viele technische Vorteile und Neuerungen (Quelle: Bundeswehr/Philipp Neumann)Größere Abbildung anzeigen

Der Puma repräsentiert eine neue Generation von Schützenpanzern, die sowohl hinsichtlich der Beweglichkeit, der Feuerkraft und dem Eigenschutz der Besatzung dem in den Sechzigerjahren konzipierten Marder weit überlegen sind. Gerade der höhere Schutz der Besatzung vor Minen und improvisierten Sprengsätzen bedingt zahlreiche Konstruktionseigenschaften des Pumas, die letztendlich den im Kampfraum verfügbaren Platz einschränken.

Konkret heißt das: Wer als Soldatin oder Soldat zu groß ist, kann zukünftig nicht mehr als Panzergrenadier in der Bundeswehr verwendet werden. Die gültigen Sicherheitsauflagen schließen derzeit eine Verwendung von Soldatinnen und Soldaten im Kampfraum des Pumas ab einer Körpergröße von 1,84 Metern aus. Die Bundeswehr zieht daraus Konsequenzen – nur noch Soldaten mit einer Körpergröße bis zu 1,84 Meter werden für eine Laufbahn bei den Panzergrenadieren zugelassen.

Nicht jeder kann Panzergrenadier werden – oder bleiben

Der Blick in den Kampfraum des Pumas verdeutlicht die knappen Platzverhältnisse
Der Blick in den Kampfraum des Pumas verdeutlicht die knappen Platzverhältnisse (Quelle: Bundeswehr/Ralph Zwilling)Größere Abbildung anzeigen

„Wir wollen unsere bereits gut ausgebildeten und bewährten Panzergrenadiere als auch die in der Ausbildung befindlichen Soldaten möglichst in ihren Verbänden halten, das ist oberstes Ziel“, so der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Jörg Vollmer. Es sei ihm wichtig, dass das Deutsche Heer zu keiner Personalveränderung greifen werde, bevor nicht alle bestehenden Optionen ausgeschöpft seien.

Vermessungskampagne angelaufen und abgeschlossen

Ein Fahren „über Luke“ ist für zu große Panzergrenadiere aufgrund mangelnden Schutzes keine Option
Ein Fahren „über Luke“ ist für zu große Panzergrenadiere aufgrund mangelnden Schutzes keine Option (Quelle: Bundeswehr/Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen

Daher wurden seit August alle betroffenen Kameradinnen und Kameraden in den Panzergrenadierverbänden, die mit dem Puma ausgestattet sind oder bald auf den Puma umstellen werden, individuell vermessen. Hierbei wurde ein besonderes Augenmerk auf die relevanten Körperproportionen gelegt. So wurden beispielsweise der Gesäß-Knie-Abstand, die Schulterbreite oder die Ellenbogenbreite im Rahmen einer sogenannten „anthropometrischen Messung“ erfasst.

Der leitende Fliegerarzt des Heeres, Oberstarzt Dr. Boris Becker, leitete die Vermessung der Panzergrenadiere. Das ihm unterstellte Vermessungsteam wurde vorher durch die Wehrtechnische Dienststelle (WTD) 91 in die spezifischen Messverfahren eingewiesen. Die dafür notwendigen Messgeräte, zum Beispiel Anthropometer und großer Tasterzirkel, wurden ebenfalls durch die WTD 91 gestellt.

Dabei ging es bei der Vermessung nicht um eine Betrachtung von Einzelfällen, sondern um die Erhebung der Vermessungsdaten des betroffenen Personenkreises. Die erhobenen Daten wurden an die WTD 91 weitergeleitet. Diese hatte die Aufgabe, die Datensätze auszuwerten, zu beurteilen und eine Stellprobe mit geeigneten Testpersonen vorzubereiten, die mittlerweile auch schon abgeschlossen ist. Sie umfasste neben der Vorstellung der durch die Industrie zwischenzeitlich entwickelten technischen Lösungsansätze auch statische und dynamische Erprobungen mit Fahrversuchen.

Die Ergebnisse der ergonomischen Untersuchungen, der Stellproben und die angebotenen technischen Lösungsansätze werden nun zeigen, ob zumindest ein Teil der betroffenen Panzergrenadiere auch weiterhin unter Einhaltung bestimmter Auflagen im Puma seinen Auftrag erfüllen kann oder nicht.

Den Menschen im Blickfeld

Auf der Suche nach Lösungsmöglichkeiten: Panzergrenadiere treten vor ihrem neuen Schützenpanzer Puma an
Auf der Suche nach Lösungsmöglichkeiten: Panzergrenadiere treten vor ihrem neuen Schützenpanzer Puma an (Quelle: Bundeswehr/Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen

Trotz der geschilderten Bemühungen werden einzelne Personalmaßnahmen nicht zu vermeiden sein. Aber ein für die Soldaten sicheres Waffensystem hat sowohl im Friedensbetrieb als auch im Einsatzfall höchste Priorität. Mit der vorgenommenen Vermessungungskampagne, der Erprobung technischer Lösungsansätze, aber auch ersten mit der Personalführung abgestimmten Maßnahmen hat das Heer verdeutlicht, dass es alles daransetzt, tragfähige Lösungen für diejenigen zu finden, die als hoch motivierte Panzergrenadiere gegebenenfalls vor der Frage stehen, ob sie auch noch in Zukunft in ihrer Truppengattung dienen können oder ihre militärische Laufbahn in einer anderen Truppengattung fortsetzen.


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Stand vom: 30.11.18 | Autor: Henning Schmitz


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