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Berglöwe: Gefechtsübung zwischen Urlaubern und Einheimischen

Ein Gewehrschütze beobachtet das Vorgelände, um den sich annähernden Feind frühzeitig zu erkennen
Ein Gewehrschütze beobachtet das Vorgelände, um den sich annähernden Feind frühzeitig zu erkennen (Quelle: Bundeswehr/Christian Giehl)Größere Abbildung anzeigen
Bad Reichenhall/Bayern, 25.07.2018.

Die Soldatinnen und Soldaten der Gebirgsjägerbrigade 23 „Bayern“ haben vom 9. bis 17. Juli in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land geübt. Kern der Gefechtsübung Berglöwe war es, die Einsatzbereitschaft der Brigade für die Landes- und Bündnisverteidigung im heimatlichen Gelände, also außerhalb eines militärischen Übungsplatzes, zu überprüfen.

Den Höhepunkt der Übung bildete der Angriff des Gebirgsjägerbataillons 232 aus Bischofswiesen auf die Reiteralpe sowie die Verteidigung des Hochplateaus durch das Gebirgsjägerbataillon 231 aus Bad Reichenhall.

„Papa, ich hab dich lieb“

Ein Zugführer vom Gebirgsjägerbataillon 232 (r.) setzt einen Funkspruch an die übergeordnete Führung ab
Ein Zugführer vom Gebirgsjägerbataillon 232 (r.) setzt einen Funkspruch an die übergeordnete Führung ab (Quelle: Bundeswehr/Tobias Skinner)Größere Abbildung anzeigen

Die Besonderheit des „Berglöwen“ lag im freilaufenden Charakter. Das heißt, die Gebirgsjäger übten das erste Mal seit langer Zeit ihre Operationsführung wieder im öffentlichen Raum und nicht nur auf abgesperrten militärischen Übungsplätzen. Lange Marschkolonnen waren daher ab dem 9. Juli auf den Straßen im Übungsgebiet unterwegs. Die Bevölkerung stand dabei den Truppenbewegungen äußerst positiv gegenüber.

Zahlreiche interessierte Mitbürger stellten sich an die Durchgangsstraßen. Sie winkten den Soldaten zu oder hingen Plakate und Banner mit Botschaften und Glückwünschen an die Geländer der Brücken, die über die Marschstraßen führten: „Papa, ich hab dich lieb“ oder „Viel Glück bei der Übung“ konnten die Soldaten darauf lesen.

Im Drehbuch: politische Krise

Ein Maschinengewehr MG 3 auf Dreibein hält den Feind in einem Talkessel nieder
Ein Maschinengewehr MG 3 auf Dreibein hält den Feind in einem Talkessel nieder (Quelle: Bundeswehr/Christian Giehl)Größere Abbildung anzeigen

Die Marschbewegungen zwischen den Übungsräumen sei nur die Vorbereitung auf die heiße Phase gewesen. „Aus einer politischen Krise in einem fiktiven Land heraus erfolgen für die beiden Gebirgsjägerbataillone entsprechende Aufträge im Angriff und in der Verteidigung. Der Höhepunkt der Übung findet – wie sollte es anders sein – im Hochgebirge auf dem Übungsplatz Reiteralpe statt“, erläuterte der stellvertretende Brigadekommandeur, Oberst Stefan Leonhard, in einem Fernsehinterview beim Informationstag für die Bevölkerung am 11. Juli.

Alle beziehen ihre Stellungen

Die Soldaten liegen in den Verteidigungsstellungen, die sie gegen Mörser- und Flachfeuer ausgebaut haben
Die Soldaten liegen in den Verteidigungsstellungen, die sie gegen Mörser- und Flachfeuer ausgebaut haben (Quelle: Bundeswehr/Christian Giehl)Größere Abbildung anzeigen

Für den Angriff verlegte das Gebirgsjägerbataillons 232 aus Bischofswiesen mit ihren Gefechtsfahrzeugen zum Fuße der Reiteralpe. Das Gebirgsjägerbataillon 231 aus Bad Reichenhall war bereits über den Schrecksattel aufgestiegen und richtete sich seitdem zur Verteidigung ein.

Die Gebirgspioniere aus Ingolstadt unterstützten tatkräftig beim Ausbau der Verteidigungsstellungen, Gebirgsaufklärer aus Füssen beobachteten auf beiden Seiten die Vorbereitungen des Gegners.

Gefechtsfeld im Urlausbgebiet

Am Hintersee beeindruckte das Gebirgsjägerbataillon 232 viele Urlaubsgäste, als die Soldaten zügig von ihren Gefechtsfahrzeugen absaßen und mit schwerer Gefechtsausrüstung zu Fuß in Richtung Reiteralpe aufbrachen. Viele Wanderer machten Fotos und Videos. Man freue sich, dass die Bundeswehr wieder öffentlich in Erscheinung tritt, so einer der Urlauber.

Gewitter unterbricht die Übung

Der Anmarsch der Angreifer erfolgte mit drei Kompanien auf mehreren Wegen. Dabei hatten die Soldaten aufgrund von starken Regenfällen und Gewittern mit schwierigen Bedingungen zu kämpfen. Die Wege waren schlammig, die Felspassagen am Seil rutschig.

Wegen der Gefahr von Blitzschlag wurde die Übung mehrmals durch die Übungsleitung unterbrochen, sodass die Soldaten Schutz suchen konnten. „Keine Übung ist es wert, dass Soldaten schwer verletzt werden oder gar zu Tode kommen“, begründete der Kommandeur, Brigadegeneral Jared Sembritzki, die Unterbrechung.

Und plötzlich der Angriff

Auf einem selbstgebauten Dreibein überwacht ein Gebirgsjäger (l.) mit einem Gewehr G3 mit Zielfernrohr das Vorfeld
Auf einem selbstgebauten Dreibein überwacht ein Gebirgsjäger (l.) mit einem Gewehr G3 mit Zielfernrohr das Vorfeld (Quelle: Bundeswehr/Christian Giehl)Größere Abbildung anzeigen

Nachdem die Angreifer das Hochplateau der Reiteralpe von Osten erreicht hatten, galt es den weiteren Anmarsch so unauffällig wie möglich zu gestalten, um nicht frühzeitig durch die Verteidiger bemerkt zu werden.

Ein Gebirgsjäger ist im Angriff
Ein Gebirgsjäger ist im Angriff (Quelle: Bundeswehr/Christian Giehl)Größere Abbildung anzeigen

Am Dienstagnachmittag, dem 17. Juli, war es soweit: Die „Struber Jager“ liefen auf den rechten Flügel der 3. Kompanie der „Reichenhaller Jager“ auf und lieferten sich im Raum des Schrecksattels ein erstes Feuergefecht. Aufgrund der Verbissenheit der Verteidiger und des Einsatzes von Sperren und Mörsern wichen die Angreifer aus und versuchten es an anderer Stelle erneut.

Feuergefechte auf der Reiteralpe

Ein Gewehrschütze steht im Feuerkampf
Ein Gewehrschütze steht im Feuerkampf (Quelle: Bundeswehr/Christian Giehl)Größere Abbildung anzeigen

Im Anschluss kam es überall auf der Reiteralpe zu Feuergefechten, die den Soldaten alles abverlangten. Hier zeigte sich, dass sowohl die militärischen Führer als auch die Soldaten beider Seiten ihr Handwerkszeug beherrschen und zum Kampf in schwierigem Gelände befähigt sind.

Tragtiere versorgen die Soldaten

Tragtiere entlasten die Soldaten und bringen das Gepäck zuverlässig durch das anspruchsvolle Gelände
Tragtiere entlasten die Soldaten und bringen das Gepäck zuverlässig durch das anspruchsvolle Gelände (Quelle: Bundeswehr/Tobias Skinner)Größere Abbildung anzeigen

Eine große Herausforderung auf der Übung war es, die rund 1.400 Soldaten im Hochgebirge logistisch zu versorgen. Dazu unterstützten die Soldaten vom Einsatz- und Ausbildungszentrum für Tragtierwesen 230 aus Bad Reichenhall. Bereits frühzeitig hatten sie Feldstallungen an der Traunsteiner Hütte errichtet und führten mit ihren Tragtieren Ausrüstung, Getränke und Verpflegung für die Soldaten zu. Hubschrauber vom Typ CH-53 der Luftwaffe und Bell UH-1D des Heeres führten Versorgungsflüge durch.

Zur Versorgung der Truppe fliegen Hubschrauber Getränke und Verpflegung ein
Zur Versorgung der Truppe fliegen Hubschrauber Getränke und Verpflegung ein (Quelle: Bundeswehr/Tobias Skinner)Größere Abbildung anzeigen

Resümee: Kampf im Hochgebirge ist Schwerpunkt

Beim Abschlussantreten zieht der Kommandeur der Gebirgsjägerbrigade 23, Brigadegeneral Jared Sembritzki, ein positives Fazit
Beim Abschlussantreten zieht der Kommandeur der Gebirgsjägerbrigade 23, Brigadegeneral Jared Sembritzki, ein positives Fazit (Quelle: Bundeswehr/Zacharias Pröll)Größere Abbildung anzeigen

Nach dem Übungsende ließ der Brigadekommandeur die gesamte Übungstruppe antreten und zog erste Schlüsse aus den vergangenen Übungstagen. Er lobte die Motivation der Truppe und stellte fest: „Nach einer langen Zeit, in der wir in den Einsätzen überwiegend Stabilisierungsoperationen durchgeführt haben, müssen wir uns jetzt wieder auf unseren Kernauftrag zur Landes- und Bündnisverteidigung besinnen.“ Somit werde der infanteristische Kampf im Hochgebirge, insbesondere das gefechtsmäßige Verhalten, wieder der Ausbildungsschwerpunkt der Gebirgsjägerbrigade 23 sein, sagte Sembritzki abschließend.


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Stand vom: 26.07.18 | Autor: Christian Giehl


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