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Eiskristall 2018 – Wettlauf gegen die Zeit

Zwei Gebirgsjäger üben die Suche nach verschütteten Personen nach einem Lawinenabgang
Zwei Gebirgsjäger üben die Suche nach verschütteten Personen nach einem Lawinenabgang (Quelle: Bundeswehr/Mario Bähr)Größere Abbildung anzeigen
Skjold/Norwegen, 09.02.2018.

Zwei Gebirgsjäger suchen ein Gebiet auf dem Übungsplatz Mauken in Nordnorwegen nach Vermissten ab. Plötzlich ertönt ein Piepton aus dem Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS). Zügig laufen beide auf ein etwa 50 mal 20 Meter großes Schneefeld zu. Mit dem LVS in der Hand versucht der Truppführer eine verschüttete Person unter der Schneedecke zu orten.

Das Signal wird stärker. „Hier“, ruft er seinem Kameraden zu. Mit Hilfe einer Sonde beginnt dieser nun den Verschütteten zu lokalisieren. 
Geschafft! In unter fünf Minuten haben sie zwei Verschüttete, dargestellt durch im Schnee vergrabene Platten, geortet. Zum Glück war dies nur eine Übungssituation, in der die Soldatinnen und Soldaten dafür sensibilisiert werden, systematisch und rasch Menschen nach einem Lawinenabgang zu finden und zu retten. Bei der Suche nach Verschütteten zählt jede Sekunde, denn schnell wird unter den Schneemassen die Atemluft knapp.

Das war eine der Ausbildungsstationen für die Männer und Frauen der Gebirgsjägerbataillone 231, 232, 233 und des Gebirgsaufklärungsbataillons 230. Sie befinden sich in der Vorbereitung für die anschließende Gefechtsübung. Ziel der Übung ist es, die Soldaten in ihrem Handwerkszeug als Gebirgsjäger weiterzubilden und taktische Verfahren in schwierigem bis extremem Gelände sowie unter arktischen Klima- und Wetterbedingungen anzuwenden.
 

Was ist das?

Soldatinnen und Soldaten der Gebirgsjägerbrigade 23 sondieren verschiedene Ausrüstungsgegenstände
Soldatinnen und Soldaten der Gebirgsjägerbrigade 23 sondieren verschiedene Ausrüstungsgegenstände (Quelle: Bundeswehr/Mario Bähr)Größere Abbildung anzeigen

Mit Hilfe einer Lawinensonde (ein langer Stab mit einer Skala in Zentimetern) sollen die Gebirgsjäger ihr Feingefühl für das Auffinden von Verschütteten sensibilisieren. Dafür tragen sie an den Händen Kontakthandschuhe. Jedoch geht bei den extremen Klimabedingungen der Eigenschutz vor. Deshalb werden in kurzen Abständen die Fausthandschuhe immer wieder angezogen, um die Hände kurzfristig für die weitere Suche aufzuwärmen.

„Ich habe hier an einer – wie wir sagen – „Sondenbar“ verschiedene Ausrüstungsgegenstände wie einen Helm, Skier, einen Handschuh, Skischuhe und einen Rucksack vergraben. Nun müssen die Soldaten mit Hilfe der Lawinensonde ermitteln, um welchen Ausrüstungsgegenstand es sich handelt und in welcher Tiefe dieser sich befindet“, sagt Ausbilder und Heeresbergführer, Hauptfeldwebel André Tönnes*. 
 

Funktion des Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS)

Schematische Darstellung der Funktion eines LVS
Schematische Darstellung der Funktion eines LVS (Quelle: Wikipedia)Größere Abbildung anzeigen

Ein LVS ist ein elektronisches Gerät zur Ortung verschütteter Personen nach einem Lawinenabgang. Es verfügt über eine Sende- und eine Suchbetriebsfunktion. Beide Betriebsarten können nicht gleichzeitig aktiv sein. Das Gerät befindet sich im Normalfall im Sendebetrieb und wird eng am Körper getragen. Die Retter aktivieren den Suchbetrieb und werden durch ein akustisches Signal auf Verschüttete aufmerksam.

Schneekunde für Fortgeschrittene

Ausbilder Hauptfeldwebel André Tönnes* (M.) zeigt den Gebirgsjägern den Unterschied zwischen filzigem Schnee und Becherkristallen auf
Ausbilder Hauptfeldwebel André Tönnes* (M.) zeigt den Gebirgsjägern den Unterschied zwischen filzigem Schnee und Becherkristallen auf (Quelle: Bundeswehr/Mario Bähr)Größere Abbildung anzeigen

Anschließend erläutert Hautfeldwebel André Tönnes* die unterschiedlichen Schneeschichten. Dazu hat er einen Schneeblock von etwa 40 mal 40 Zentimetern bodentief freigelegt. Nun können seine Kameraden die verschiedenen Schichten des Schnees gut sehen und durch Schaben am Block, mittels einer Schaufel, auch hören. Dabei zeigt er ihnen den Unterschied zwischen Altschnee und Becherkristallen auf. Ein Abklopfen des Blocks mit der Schaufel in unterschiedlicher Intensität – ganz schwach, stärker werdend, äußerst kräftig – zeigt den Grad der Lawinengefahr an.

Bau von Behelfsunterkünften – Zweckmäßigkeit statt Luxus

Soldaten des Gebirgsjägerbataillons 233 bauen eine Schneehöhle als Behelfsunterkunft
Soldaten des Gebirgsjägerbataillons 233 bauen eine Schneehöhle als Behelfsunterkunft (Quelle: Bundeswehr/Mario Bähr)Größere Abbildung anzeigen

Im weiteren Verlauf der Ausbildung stellt Ausbilder und Heereshochgebirgsspezialist (HHGS) Hauptfeldwebel Lars Riegel* vom Gebirgsjägerbataillon 231 verschiedene Möglichkeiten einer behelfsmäßigen Unterkunft im schwierigen Gelände vor. „Je nach Lage, Auftrag, Witterung, Zeit und den örtlichen Gegebenheiten kann ich zwischen einem Tarp-Zelt, einer überdachten Mulde oder einer Schneehöhle wählen. Beim Bau von Behelfsunterkünften sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Man lernt durch die Erfahrungen anderer stetig dazu“, sagt Riegel.

Gebirgsjäger bauen ein Zelt als behelfsmäßige Unterkunft in den Schnee
Gebirgsjäger bauen ein Zelt als behelfsmäßige Unterkunft in den Schnee (Quelle: Bundeswehr/Mario Bähr)Größere Abbildung anzeigen

Nun heißt es für den Gebirgsjäger: „Schnee schippen!“ Sie graben sich mit ihren Schaufeln bis zu einem Meter tief in den Schnee. Damit die Kälte aus dem inneren der Unterkunft auch abgeleitet werden kann, muss ein Kältegraben, der tiefer als die Liegefläche liegt und mit einem Gefälle versehen ist, gezogen werden. 
Trotz der frostigen Temperauren kommen die Männer und Frauen dabei ganz schön ins Schwitzen.
 

Auftanken für weitere fordernde Aufgaben

Gebirgsjäger haben einen Fallschirm zu einem Zelt aufgespannt, um sich beim Essen vor dem eisigen Wind zu schützen
Gebirgsjäger haben einen Fallschirm zu einem Zelt aufgespannt, um sich beim Essen vor dem eisigen Wind zu schützen (Quelle: Bundeswehr/Mario Bähr)Größere Abbildung anzeigen

Die Soldaten verbrauchen in der Ausbildung je nach Belastung bis zu 3.500 Kalorien am Tag. In der Mittagspause verpflegen sie sich mit einer Mahlzeit wie Curryreis mit Hühnerfleisch aus der Einmannpackung (EPA). Kleine Energieriegel und warmer Tee unterstützen die Energiezufuhr. Auf geht’s zur nächsten Ausbildung...

*Namen von der Redaktion geändert.


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Stand vom: 05.03.18 | Autor: Daniel Richter


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