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Wenn in der Oberlausitz die Tiger brüllen…

Die Besatzung eines Kampfhubschraubers Tiger fliegt einen Angriff auf ein zugewiesenes Bodenziel
Die Besatzung eines Kampfhubschraubers Tiger fliegt einen Angriff auf ein zugewiesenes Bodenziel (Quelle: Bundeswehr/Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen
Oberlausitz/Sachsen, 14.02.2018.

… ist das Kampfhubschrauberregiment 36 „Kurhessen“ aus Fritzlar auf dem sächsischen Truppenübungsplatz. Mit dem Allwetter-Kampfhubschrauber Tiger übt das Regiment auf idealem Terrain den scharfen Schuss. Für die jungen Piloten ein spannendes „erstes Mal“, für ihre erfahreneren Kameraden die nötige Praxis zur Beherrschung des Waffensystems und als Vorbereitung auf den Einsatz in Mali.

„Wenn Tiger in der Luft sind, haben die Konvois Ruhe“, sagt Major Klaus Demand*, Schwarmführer im Kampfhubschrauberregiment 36 und gerade erst aus Mali heimgekommen. „Der Gegner vor Ort soll abgeschreckt werden und der Tiger hat genau diese Wirkung.“

Sandsturm auf Bahn 2 – realistischer kann man kaum üben

Ein Sandsturm fegt in der Oberlausitz über die Schießbahn 2
Ein Sandsturm fegt in der Oberlausitz über die Schießbahn 2 (Quelle: Bundeswehr/Uwe Gniffke)Größere Abbildung anzeigen

Mit Zusatztanks können die Kampfhubschrauber der Bundeswehr mehr als drei Stunden bei den Konvois bleiben oder Bodeneinheiten der MINUSMA-Mission aus der Luft sichern. Warum die Tiger in Mali abschreckend wirken, zeigte sich an diesem stark windigen Dienstag auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz: Ob bei Tag oder Nacht – nahezu jeder Schuss, jede Rakete findet das Ziel. Auch bei Sandsturm. „Unfassbar, man glaubt kaum, dass man sich in Deutschland befindet“, staunt eine junge Frau Oberleutnant, als sich in 500 bis 700 Metern Entfernung auf der Schießbahn 2 im Zielgebiet eine Wand aus Sand aufbaut.

Hier hat ein Tiger das Übungsziel getroffen
Hier hat ein Tiger das Übungsziel getroffen (Quelle: Bundeswehr/Uwe Gniffke)Größere Abbildung anzeigen

Trotzdem fliegen die Tiger an, einzeln oder zu zweit, das Rattern der Maschinengewehre 12,7 mm ist zu hören, der Abschuss der Raketen sowie die Trefferblitze im Ziel sind zu sehen. Dann, zeitversetzt, folgt jeweils der Detonationsknall und mit dem Doppelfernglas sind zwei Hartziele, alte Panzerwracks, zu sehen, die von den Einschlägen massiv erschüttert werden.
Dieses Erleben trägt zur Erkenntnis bei, warum der Tiger und seine Besatzung in Mali eine große abschreckende Wirkung erzielen.

Krallen wetzen und Fellpflege…

Der Munitionstrupp sorgt für die nötige Munition für die Maschinengewehre
Der Munitionstrupp sorgt für die nötige Munition für die Maschinengewehre (Quelle: Bundeswehr/Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen

Der Volksmund behauptet, Katzen seien eigenwillig, stur, nicht erziehbar und sie hielten sich eine Menge Personal. Nur letzteres trifft auf den Tiger zu – Mechatroniker, Munitionstrupp, Piloten und Kommandanten (Waffensystemoffiziere) hegen und pflegen ihre Tiger mit Überzeugung und hoher Professionalität. Ist aus der Entfernung ein „schnurrender“ Tiger zu hören, ist davon auszugehen, dass „seine Krallen gewetzt sind“ und er rundum in einwandfreiem Zustand ist. Er erhält eben eine ausgiebige „Fellpflege“.

„Die Herausforderung ist weniger das Fliegen, als die Beherrschung des Waffensystems an sich“, erklärt Major Demand. „Wenn ich ein, zwei Monate die notwendigen Handgriffe und Abläufe nicht ausgeführt habe, werde ich merklich langsamer. Umso wichtiger sind diese Trainingsschießen – gerade für die Kameraden, die für den Einsatz vorgesehen sind.“ So ist das mit Katzen – sie wollen von ihrem Personal beschäftigt werden. Damit das so ist, wird bei Tag und Nacht geübt.

Positive Aufregung und Respekt vor dem Auftrag

Sanitäter und Bundeswehrfeuerwehr sind unverzichtbarer Bestandteil des Feldflughafens
Sanitäter und Bundeswehrfeuerwehr sind unverzichtbarer Bestandteil des Feldflughafens (Quelle: Bundeswehr/Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen

Die Aufgaben des Kampfhubschrauberregimets 36 „Kurhessen“ nehmen mit der gegenwärtigen internationalen Sicherheitslage unweigerlich zu. Neben der Bereitstellung einsatzbereiter Kampfhubschrauber in multinationalen Einsätzen, wie beispielsweise in Mali, stellt das Regiment im Zusammenwirken mit Transporthubschraubern und Infanterie die Luftbeweglichkeit des Heeres sicher.

Um allen Anforderungen gerecht werden zu können, ist regelmäßiges Training auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz unumgänglich. „Um alle Synergieeffekte bestmöglich zu nutzen und die Kosten überschaubar zu halten, betreiben wir parallel zur Schießausbildung auch einen Feldflughafen vor Ort, wie er im Einsatz notwendig wäre“, so Oberst Volker Bauersachs, Regimentskommandeur der „Kurhessener“. „Deshalb sind auch Logistiker, Techniker, Bundeswehrfeuerwehr und Sanitätskräfte in der Oberlausitz mit dabei, um so einsatznah wie möglich zu üben.“

Ein Tiger-Pilot mit über 2.000 Flugstunden: Major Klaus Demand
Ein Tiger-Pilot mit über 2.000 Flugstunden: Major Klaus Demand (Quelle: Bundeswehr/Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen

Anspruchsvoll und langwierig ist der Weg zum Tiger-Kampfpiloten beziehungsweise zum Tiger-Kommandanten. Jährlich werden nur acht Piloten in die Tigerausbildung neu eingesteuert.

Trotz der technischen und organisatorischen Herausforderungen, die der Tiger mit sich bringt, fliegen die Besatzungen aus Fritzlar ihre Maschinen gerne: „Wir verfügen über einen der modernsten Kampfhubschrauber, ein gutes Waffensystem“, zeigt sich Major Felix Arnold*, derzeit Kommandoführer des Ausbildungskontingents in der Oberlausitz, überzeugt. Und was spürt er, wenn er in Mali in einen Tiger steigt und einen Einsatz fliegen muss? Schwarmführer Major Demand: „Positive Aufregung und Respekt vor dem Auftrag.“

* Namen von der Redaktion aus Sicherheitsgründen geändert


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Stand vom: 20.02.18 | Autor: Ernst Andersch


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