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Arbeitstagung Reserve des Heeres mit klarer Botschaft: „Qualifizierte Reservistendienst Leistende sind unverzichtbar“

Generalleutnant Carsten Jacobson begrüßt die Teilnehmer der Arbeitstagung der Reserve des Heeres
Generalleutnant Carsten Jacobson begrüßt die Teilnehmer der Arbeitstagung der Reserve des Heeres (Quelle: Bundeswehr/Patrik Böhmer)Größere Abbildung anzeigen
Hammelburg/Bayern, 23.11.2017.

Am 10. und 11. November hat im Ausbildungszentrum Infanterie in Hammelburg unter der Leitung von Generalleutnant Carsten Jacobson, Kommandeur Einsatz und Stellvertreter des Inspekteurs des Heeres, die Arbeitstagung Reserve des Heeres stattgefunden. Das Besondere in diesem Jahr: Am ersten Tag trafen sich das Führungspersonal der Bataillons- und Regimentsebene, in deren Zuständigkeit das Thema „Reserve“ fällt, und die Unteroffiziere der Reserve mit Spitzendienstgraden. Am folgenden Tag begrüßte der General die in Führungsverwendung beorderten Reserveoffiziere.

Insgesamt waren mehr als 200 Soldaten der Einladung des Generals gefolgt. Die meisten von Ihnen waren Reserveoffiziere in den Spitzendienstgraden Oberstleutnant und Oberst. Entgegen dem üblichen Programm der jährlichen Tagung wurde die Veranstaltung erstmals in zwei Teilen für verschiedene Zielgruppen durchgeführt und somit auf ein breiteres Fundament gestellt. Generalleutnant Carsten Jacobson, der auch der Beauftragte für Reservistenangelegenheiten des Heeres ist, war es wichtig, die Teilnehmer über die aktuelle Lage und tiefgreifende Entwicklungen im Heer umfassend zu informieren.

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Standortbestimmung mit Blick nach vorne

Information und gegenseitiger Austausch stehen bei der Arbeitstagung der Reserve des Heeres im Fokus
Information und gegenseitiger Austausch stehen bei der Arbeitstagung der Reserve des Heeres im Fokus (Quelle: Bundeswehr/Patrik Böhmer)Größere Abbildung anzeigen

In seinem Vortrag ging der Stellvertreter des Inspekteurs des Heeres auf die Herausforderungen ein, denen sich das Deutsche Heer derzeit stellt. Die Trendwenden Material und Personal sind angelaufen und in vielen Bereichen zeigen sich schon deutlich positive Tendenzen. „Es geht in die richtige Richtung, aber der Weg ist noch weit“, stellte er klar. Diese Entwicklung bestätigte auch Vizeadmiral Joachim Georg Rühle, Stellvertreter des Generalinspekteurs der Bundeswehr und Beauftragter für Reservistenangelegenheiten, der am zweiten Tag an der Tagung teilnahm: „Die Trendwende Material läuft, aber es dauert teils länger, bis das Gerät wirklich in der Truppe ankommt. Die Trendwende Personal ist ebenfalls auf einem guten Weg, wobei hier der Faktor der Demografie das schlagende Argument für einen raschen Aufwuchs ist.“

Weitaus mehr als bei den aktiven Soldaten, sei die Zahl der Reservistendienst Leistenden ausbaufähig. Mit Blick auf die Lage in der gesamten Bundeswehr, seien derzeit bei 60.000 Stellen nur 28.000 besetzt, führte Oberst im Generalstabsdienst (i. G.) Peter Haupt, Referatsleiter im Referat für Reservisten- und Veteranenangelegenheiten, aus. Die Beorderungszahlen seien 2011 runtergegangen, nun gebe es einen kleinen Fortschritt. Da müsse man weiter ansetzen. „Wir können es uns nicht leisten, qualifizierte und interessierte Reservistendienst Leistende, ausscheidende Freiwillig Wehrdienstleistende sowie Zeitsoldaten zu verlieren“, betonte Generalleutnant Jacobson. Dies gelte auch im Hinblick auf die Bündnisverpflichtungen, denen das Deutsche Heer nachkommt. „In den Einsatzgebieten sind wir insgesamt mit rund 3.700 Soldatinnen und Soldaten präsent.“ Es gebe im Heer keinen Verband, der hinsichtlich der Einsätze und einsatzgleicher Verpflichtungen weniger als zwei Aufträge habe, sagte der General und betonte gleichzeitig: „Überall stehen Reservistendienst Leistende im Einsatz sowie in einsatzgleichen Verpflichtungen. Sie tragen dazu bei, dass das Deutsche Heer seinen Auftrag erfüllen kann – hierfür meinen Dank!“

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Politische Entwicklungen bestimmen das Handeln

Aufmerksam folgen die Teilnehmer den Ausführungen von Generalleutnant Carsten Jacobson
Aufmerksam folgen die Teilnehmer den Ausführungen von Generalleutnant Carsten Jacobson (Quelle: Bundeswehr/Patrik Böhmer)Größere Abbildung anzeigen

Wie rasant sich politische Stimmungen ändern und neue Krisen nahezu unbemerkt plötzlich auftauchen, zeige ein Blick auf die Welt, wie sie vor vier Jahren aussah, erklärte Vizeadmiral Rühle: „IS, Peschmerga, Krim, Ukraine oder Mali. Daran dachte damals noch niemand.“ Was nun diese neuen Herausforderungen mit all ihren Konsequenzen für das Heer mit sich bringen, machte Generalleutnant Jacobson sehr deutlich. Er erinnerte an die beiden Kameraden, die im Juli bei einem Hubschrauberabsturz in Mali ums Leben kamen. Diese Schicksale zeigen, dass die Einsätze von den Soldatinnen und Soldaten alles abverlangen.

Auch in Europa ist das Deutsche Heer an friedenssichernden Missionen beteiligt. Deutschland engagiert sich bei der einsatzgleichen Verpflichtung Enhanced Forward Presence (EFP) als Rahmennation in Litauen und stellt den Kern der dort eingesetzten multinationalen Kräfte. „Die Veränderungen der politischen Lage haben zu Reaktionen geführt. Wir müssen nicht in 2030 abschrecken, sondern jetzt“, brachte der General den Auftrag des Deutschen Heeres in Litauen auf den Punkt.

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Attraktivität steigern – Reservisten erreichen

Jede Frage bekommt eine Antwort. In den Aussprachen war das offene Wort erwünscht
Jede Frage bekommt eine Antwort. In den Aussprachen war das offene Wort erwünscht (Quelle: Bundeswehr/Patrik Böhmer)Größere Abbildung anzeigen

Verschiedene Referenten trugen zu aktuellen Handlungsfeldern im Bereich der Reserve vor. Oft kam dabei die Anzahl an geeigneten und willigen Reservistendienst Leistenden zur Sprache. Auch wenn diese Anzahl derzeit noch viel Luft nach oben habe, sei eine positive Tendenz erkennbar. „Wir haben uns konsolidiert. Die Zahlen steigen langsam, aber kontinuierlich“, erklärte Oberst Bernd Holthusen, Inspizient für Reservistenangelegenheiten im Heer. Für diese Entwicklung seien verschiedene Faktoren mitentscheidend gewesen. Das Unterhaltssicherungsgesetz etwa sei ein voller Erfolg, aber auch die Neuordnung der ärztlichen Begutachtung der Reservedienst Leistenden habe zur Attraktivität und Flexibilität beigetragen. „Wir müssen die Wünsche der Reserve mit unseren Bedürfnissen in Einklang bringen“, versprach Vizeadmiral Rühle. Zur Steigerung der Attraktivität seien weitere Änderungen derzeit in Planung. Ein Thema, was eine hohe Aufmerksamkeit der Zuhörer auf sich zog, war die Anpassung der Rente für Reservistendienst Leistende. Hier versprach der Stellvertreter des Generalinspekteurs, dass das Thema in den Planungen ganz oben stehe.

Um künftig auch die Soldaten für einen möglichen Dienst in der Reserve erreichen zu können, die erst kurz ihren aktiven Dienst beendet haben, werde man neue Verfahren anwenden. Spätestens mit der letzten Beurteilung des aktiven Soldaten müssen auch Vorschläge für weitere Verwendungen im Reservistendienst gemacht werden. Natürlich gelte auch hier weiterhin das Freiwilligkeitsprinzip.

Mit der anzunehmenden Steigerung von Reservistendienst Leistenden steigen auch die Stellen für das Jahr 2018. Es werde 3.700 Stellen geben, davon 1.092 für das Heer. Das bedeute, dass insgesamt 3.700 mal 365 Tage für Reservistendienst Leistende zur Verfügung stehen, erklärte Oberst i. G. Benedict Freiherr von Andrian-Werburg, Leiter des Kompetenzzentrums für Reservistenangelegenheiten der Bundeswehr.

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Aufnehmen, was Sie bewegt

Gut gelaunt und den Blick auf die Reserve gerichtet: Generalleutnant Carsten Jacobson (l.), Stellvertreter des Inspekteurs des Heeres, Vizeadmiral Joachim Georg Rühle (M.), Stellvertreter des Generalinspekteurs der Bundeswehr und Armin Komander (r.), Stellvertreter des Vorsitzenden Ehemalige, Reservisten und Hinterbliebene (ERH) des Deutschen Bundeswehrverbands
Gut gelaunt und den Blick auf die Reserve gerichtet: Generalleutnant Carsten Jacobson (l.), Stellvertreter des Inspekteurs des Heeres, Vizeadmiral Joachim Georg Rühle (M.), Stellvertreter des Generalinspekteurs der Bundeswehr und Armin Komander (r.), Stellvertreter des Vorsitzenden Ehemalige, Reservisten und Hinterbliebene (ERH) des Deutschen Bundeswehrverbands (Quelle: Bundeswehr/Patrik Böhmer)Größere Abbildung anzeigen

Alle Referenten waren sich einig: Ohne eine gute Reserve geht es nicht. Sie bewährt sich in den Einsätzen, entlastet die aktive Truppe beim Aufwuchs und füllt Vakanzen. Daneben darf man einen ganz wichtigen Aspekt nicht vergessen, erinnerte Oberst von Andrian-Werburg: „Reservistendienst ist auch eine gesellschaftliche Aufgabe. Der Reservistendienst Leistende trägt nach außen, was es heißt, Soldat zu sein.“

Ein wichtiges Ziel der Arbeitstagung der Reserve des Heeres war neben der Information der Teilnehmer vor allem der gegenseitige Austausch. „Ich will aufnehmen, was Sie bewegt“, hatte Vizeadmiral Rühle am Anfang der Tagung deutlich gemacht. Die Diskussionsrunden, die sich an die Vorträge anschlossen, aber auch die Pausengespräche gaben hierfür reichlich Raum. Das neue Konzept der Tagung der Reserve des Heeres, zwei Tage mit verschiedenen Zielgruppen, ist aufgegangen. „Es ist gut, dass die Bandbreite der Teilnehmer erweitert wurde. Nur so können wir die Informationen und Botschaften wirklich in die Fläche mitnehmen. Es ist wichtig, dass wir als Multiplikatoren alle Soldaten kompetent informieren können“, sagte ein Oberstabsfeldwebel der Reserve, der als beorderter Kompaniefeldwebel viel mit Reservistendienst Leistenden zu tun hat.

Anerkennung für ihre hervorragenden Leistungen: Generalleutnant Carsten Jacobson (l.) zeichnet fünf Reservistendienst Leistende mit dem Ehrenkreuz der Bundeswehr aus
Anerkennung für ihre hervorragenden Leistungen: Generalleutnant Carsten Jacobson (l.) zeichnet fünf Reservistendienst Leistende mit dem Ehrenkreuz der Bundeswehr aus (Quelle: Bundeswehr/Patrik Böhmer)Größere Abbildung anzeigen

Eine angenehme Überraschung und zusätzliche Motivation für ihren nächsten Reservedienst brachte die Tagung fünf Kameraden, die Generalleutnant Jacobson für ihre hervorragenden Leistungen mit dem Ehrenkreuz der Bundeswehr auszeichnete.

Vom 9. bis 10. November 2018 wird die nächste Tagung der Reserve des Heeres stattfinden. Aber nicht nur in diesem geschlossenen Kreis wird das Thema Reserve im kommenden Jahr eine bedeutende Rolle spielen. Auch beim Tag der Bundeswehr, der am 16. Juni 2018 in 16 verschiedenen Standorten stattfindet, wird die Reserve im Fokus stehen und stark vertreten sein.

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Stand vom: 30.11.17 | Autor: Dr. Christian Kahl


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