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Die Bravehearts: Sie besiegen Körper und Geist

Die Jungs um Oberleutnant Matthias Zinn (3. v. l) stellen sich der Herausforderung

Die Jungs um Oberleutnant Matthias Zinn (3. v. l) stellen sich der Herausforderung (Quelle Bundeswehr/Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen

Bischhofsheim a.d.R./Bayern,, 14.03.2017.
„Die Tore der Hölle sind geöffnet“ – peitscht eine Stimme aus dem Off. Sie stimmt die Läuferinnen und Läufer der Startaufstellung auf das ein, was sie gleich erwartet. Kälte und widrige Verhältnisse gehören zum Konzept des Braveheart Battle. Gemeinsam mit rund 2.000 weiteren Bravehearts kämpfen sich auch Soldaten des Ausbildungszentrums Infanterie mitten durch die Hölle von Bischhofsheim.

„Es ist die große Herausforderung, die uns treibt. Erfahren, wie weit wir hier kommen. Wo sind die Grenzen? Das Ding einfach mal durchziehen“, erzählt Stabsgefreiter Christian Uebel. „Durchkommen“ sei das Ziel für diesen sonnigen aber mit 7 Grad Celsius recht kühlen Tag in der Rhön, so der 32-Jährige. Der Braveheart Battle scheint wie geschaffen dafür. Eine anspruchsvolle Naturstrecke mit ungefähr 24 Kilometern Distanz, einem Auf und Ab von 1.400 Höhenmetern, dazu 30 natürliche und teils künstliche Hindernisse verlangen allen alles ab.

„Sie trotzen Feuer, Wasser, Schlamm“

Joachim von Hippel, selbst ehemaliger Soldat, organisiert das Rennen

Joachim von Hippel, selbst ehemaliger Soldat, organisiert das Rennen (Quelle: Bundeswehr/Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen

Joachim von Hippel, Masterchief der Veranstaltung, organisiert diesen Cross-Hindernis-Lauf bereits zum achten Mal. „Der Lauf ist für all‘ die gemacht, die ihre Grenzen erfahren wollen. Und mehr noch, für alle, die im Teamspirit noch ein Stück über diese Grenzen hinaus wollen.“ Er und sein Team ermöglichen das Erfahren von Grenzerlebnissen. „Pathos und Rituale gehören dazu“, schwört von Hippel alle Teilnehmer gemeinschaftlich in der Startaufstellung mit dem „Braveheart Gebet“ ein.

Direkt nach dem Start geht es steil bergauf. Der Wille treibt alle nach oben

Direkt nach dem Start geht es steil bergauf. Der Wille treibt alle nach oben (Quelle: Bundeswehr /Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen

„Auf den Knien lege ich mein Schwert in eure Hände, auf dass meine ganze Kraft nur eurem Willen zur Verfügung steht. Ich werde nicht eher aufhören, bis ihr mich aus diesem Verhältnis entlasst oder ich im Kampf gegen die 24 Masterchief-Kilometer zu Boden gehen werde. All meine Kraft werde ich aufbringen, auf dass man noch Jahre später von diesem Lauf reden wird und den Helden, die ihn bestritten!"

Einmal Rhön bitte – von ganz oben nach ganz unten

Massenstart: Knapp 2.000 Läuferinne und Läufer gehen gleichzeitig auf die Strecke

Massenstart: Knapp 2.000 Läuferinne und Läufer gehen gleichzeitig auf die Strecke (Quelle: Bundeswehr /Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen

Keinen Meter geradeaus. Von der Talstation der Arnsberglifte ging es direkt nach dem Massenstart steil bergauf in Richtung Kreuzberg. Extrem steil, glitschig und aufgeweicht zeigten sich die ersten hundert Meter der 24 Masterchief-Kilometer. Für alle Läufer galt es nun, die Strecke in einer Maximalzeit von fünf Stunden zu bewältigen.

Aus den Schlammlöchern kommt keiner wieder alleine raus

Aus den Schlammlöchern kommt keiner wieder alleine raus (Quelle: Bundeswehr /Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen

Auf den Höhen der Rhön angekommen ging es für die Läufer auch schon wieder hinab in mannstiefe Schlammlöcher – ohne gegenseitige Hilfe gab es hier kein Weiterkommen. „Einmal losgelaufen gab‘s kein Zurück mehr. Der Zusammenhalt, das Erleben der Kameradschaft, der Teamspirit, macht auf diesem Lauf fast alles möglich“, sagt Oberleutnant Matthias Zinn. Er ist Einsatzoffizier am Ausbildungszentrum Infanterie in Hammelburg. Es ist sein erster Lauf dieser Art. Dass er mit Soldaten seines Zuges hier mitmache sei einer gemeinsamen Idee geschuldet. „Eine verrückte, aber gute Idee, die uns, meine Jungs und mich, schon in der Vorbereitung stets stärker werden ließ“, erzählt Zinn mit einem Lächeln.

Einfach durch – „Das kalte Wasser hatte ich gar nicht so gespürt“

Hauptgefreiter Euclides Joao mit der Startnummer 1770: „Das Adrenalin treibt einen voran“

Hauptgefreiter Euclides Joao mit der Startnummer 1770: „Das Adrenalin treibt einen voran“ (Quelle: Bundeswehr /Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen

Aus den bergigen Wäldern der Rhön erreichten die Läufer den Wasserlauf des Brend bei Bischhofsheim. Mit seinem steinigen und rutschigen Flussbett bahnt er sich seinen Weg durch die Ortschaft. Doch auch das eiskalte Gewässer vermochte nicht den Willen der Bravehearts zu brechen. „Für mich zählte nur weiter, weiter und weiter. Das kalte Wasser hatte ich gar nicht so gespürt. Das Adrenalin und die Zuschauer, die uns anfeuerten, da war kein Platz für Kälte.“ Hauptgefreiter Euclides Joao meint, der Kick einer solchen Veranstaltung sei unbeschreiblich und trage einen immer weiter.

Auf dem Weg zum Braveheart-Finisher

Mitten in der Stadt kämpft sich Stabsgefreiter Christian Uebel durch „unwirkliche“ Hindernisse

Mitten in der Stadt kämpft sich Stabsgefreiter Christian Uebel durch „unwirkliche“ Hindernisse (Quelle: Bundeswehr /Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen

Die Strecke, gespickt mit unzähligen Hindernissen, quer durch die Stadt Bischhofsheim, führte die Kämpfer schließlich in Richtung Ziel. 1.886 Läuferinnen und Läufer erreichten das Ziel in der vorgeschriebenen Maximalzeit.

Stabsfeldwebel Martin Erstling, Karriereberater aus Bamberg, kurz vor dem Ziel

Stabsfeldwebel Martin Erstling, Karriereberater aus Bamberg, kurz vor dem Ziel (Quelle: Bundeswehr /Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen

Schlammgruben, Kriech- und Kletterhindernisse, Wasserdurchquerungen und unwegsame steile Abhänge und Aufstiege forderten nicht nur den Körper. „Der Geist, der Wille zum Durchkommen, trieb uns alle zum Ziel“ versicherten die Kämpfer.

Unmittelbar nach dem Zieleinlauf erhalten alle Kämpfer den Braveheart-Orden

Unmittelbar nach dem Zieleinlauf erhalten alle Kämpfer den Braveheart-Orden (Quelle: Bundeswehr /Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen

Mit Zeiten von etwa vier Stunden erreichten die Soldaten aus Hammelburg das Ziel und den umkämpften Braveheart-Orden. Völlig geschafft, aber am Ende glücklich, sind die Teilnehmer stolz auf ihre Leistungen.
Und der Veranstalter schreibt auf seiner Homepage: „Der Braveheart Battle 2017 ist schon Legende, es lebe der Braveheart Battle 2018!“


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Stand vom: 16.03.17 | Autor: René Hinz


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