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Gebirgsjäger können auch Fallschirmspringen

Im Gleitflug steuern die Springer die markierte Landezone an
Im Gleitflug steuern die Springer die markierte Landezone an (Quelle: Bundeswehr/Christian Giehl)Größere Abbildung anzeigen
Bad Reichenhall/Bayern, 22.12.2017.

Bei einer Ausbildungswoche im Gleitfallschirmspringen haben Soldaten der Gebirgsjägerbrigade 23 jüngst das Anlanden aus der Luft auf dem Militärflugplatz Lager Lechfeld geübt. Zusätzlich erprobten sie erstmalig das Abspringen aus einem zivilen Propellerflugzeug vom Typ SC-7 Skyvan.

Was für den Einsatz von Gebirgsjägern erst einmal untypisch klingt, macht bei näherer Betrachtung durchaus Sinn: Spezialisten müssen schnell in ihren Einsatzraum gelangen – und das geht am besten aus der Luft. „Um die Wirkung von Spezialeinheiten in einer Operation zu steigern, ist die direkte taktische Unterstützung durch weitere spezialisierte Einheiten des Heeres sinnvoll – das nennt die Bundeswehr den Einsatzverbund Spezialkräfte“, erklärt Oberstabsfeldwebel Jürgen Brandhuber, Fallschirmsprungbeauftragter des Gebirgsjägerbataillons 231 aus Bad Reichenhall.

Übung ist enorm wichtig

In einer Trockenausbildung im Hangar werden die Abläufe beim Sprung nochmals eingeübt
In einer Trockenausbildung im Hangar werden die Abläufe beim Sprung nochmals eingeübt (Quelle: Bundeswehr/Christian Giehl)Größere Abbildung anzeigen

Diese Einsatzverfahren müssen geübt und verbessert werden. Die Gebirgsjägerbrigade 23 bildet hierzu Gleitfallschirmspringer aus. Auch bei eigenen Operationen der Gebirgsjäger im Hochgebirge kann mit dem gezielten Einsatz von Fallschirmspringern Schlüsselgelände schneller genommen werden. Ein möglicher Auftrag nach der Landung könnte beispielsweise der Aufbau eines Seilgeländers für die nachfolgende Truppe sein, die das Gelände somit schneller überwinden kann.

Auch eingeschlossene Kräfte oder Einheiten, die weit entfernt eingesetzt sind, können durch einen Fallschirmsprung-Einsatz über große Entfernungen mit Material, Ausrüstung oder Spezialisten für Steilfeuerunterstützung, Kampfmittelräumung, Scharfschützen oder Hundeführern schnell und unbemerkt unterstützt werden.

Immer mehr Gebirgsjäger können jetzt Gleitschirmspringen

Dieses Potential hinsichtlich der unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten des militärischen Gleitfallschirmspringens, insbesondere für den Einsatz im Hochgebirge, hat die Gebirgsjägerbrigade 23 für sich erkannt. Waren bis vor etwa zwei Jahren nur einzelne Heeresbergführer im Sprungdienst ausgebildet, so können mittlerweile ausgewählte Soldaten nahezu aller Verbände der Brigade die Ausbildung absolvieren. „Der Schwerpunkt liegt derzeit auf der Ausbildung der Hochgebirgsjägerzüge und des Hochgebirgsspähzuges, da diese naturgemäß den Auftrag haben, den Kampfkompanien als Vorauskräfte den Weg zu bereiten“, sagt Oberst Jared Sembritzki, Kommandeur der Gebirgsjägerbrigade 23.

Besonderheiten für das Gleitfallschirmspringen im Hochgebirge
 

Sie haben mal keinen festen Grund unter den Füßen, sondern sind im freien Fall – Gebirgsjäger in der Luft
Sie haben mal keinen festen Grund unter den Füßen, sondern sind im freien Fall – Gebirgsjäger in der Luft (Quelle: Bundeswehr/René Schäffler)Größere Abbildung anzeigen

Das Fallschirmspringen im Hochgebirge birgt einige Besonderheiten: Da die Umgebung durch das Höhenprofil der Gebirgsketten höher liegt, muss auch die Absetzhöhe größer sein. Im Flachland wird aus einer Höhe von 4.000 Metern über dem Boden abgesprungen. Im Hochgebirge der Alpen, mit Gipfeln von bis zu 3.000 Metern, beträgt die Absetzhöhe schon  7.000 Meter. Deswegen kommen Sauerstoffgeräte zum Einsatz. Auch die Temperaturen nehmen in diesen Höhen rapide ab: Bei Fünf Grad Plus in der Landezone, können in einer Absetzhöhe von 10.000 Metern Temperaturen von rund Minus 50 Grad Celsius angenommen werden.

Eine weitere Herausforderung stellen die kleinen Landezonen in schwierigem bis extremen Gelände dar. Die Fallschirmspringer müssen in der Lage sein, im unübersichtlichen, alpinen Gelände ihre Landezone zu erkennen und dann punktgenau landen. Bei der Auswahl der Landezone muss zudem auf den Untergrund geachtet werden. Latschen- und Geröllfelder eignen sich nicht für eine Landung. Auch die Hangneigung und unerwartete lokale Winde müssen beachtet werden.

Multinationale Ausbildung mit Österreichern und Schweizern

Üben auch für die multinationale Zusammenarbeit – im Tandemverfahren wird aus 4.000 Metern gesprungen
Üben auch für die multinationale Zusammenarbeit – im Tandemverfahren wird aus 4.000 Metern gesprungen (Quelle: Bundeswehr/René Schäffler)Größere Abbildung anzeigen

Schon jetzt arbeiten die Gebirgsjäger auch bei der Sprungausbildung mit Österreich und der Schweiz zusammen. Die Kooperation reicht von gemeinsamen Aus- und Weiterbildungen, wie im Frühjahr mit dem österreichischen Jagdkommando, bis hin zum Angebot von Lehrgangsplätzen durch die Schweiz. Auf die Expertise der beiden Alpenländer bei Operationen im Hochgebirge greifen die heimischen Gebirgsjäger dabei gern zurück. In Zukunft soll die multinationale Kooperation weiter intensiviert werden.

Die Gebirgsjägerbrigade 23 möchte dazu ihre Ausbildungsplätze wie auf dem Gebirgsübungsplatz Reiteralpe zukünftig verstärkt für den Sprungdienst nutzen und auch den multinationalen Partnern zur Verfügung stellen. Zudem sollen die Gleitfallschirmspringer im taktischen Einsatz zukünftig auch verstärkt in den Übungen der Brigade eingebunden werden, so zum Beispiel bei der freilaufenden Übung Berglöwe im Juni 2018.


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Stand vom: 22.12.17 | Autor: Christian Giehl


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