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British Army und Bundeswehr schlagen Schwimmbrücke über die Elbe

Oberleutnant Vladimir Antonov (r.) und ein britischer Zugführer sind für das Gelingen des gemeinsamen Brückenschlages verantwortlich
Oberleutnant Vladimir Antonov (r.) und ein britischer Zugführer sind für das Gelingen des gemeinsamen Brückenschlages verantwortlich (Quelle: Bundeswehr/Elisabeth Rabe)Größere Abbildung anzeigen
Artlenburg/Niedersachsen, 05.12.2017.

An der Elbe bei Artlenburg in Niedersachsen: Der Strom fließt hier mit etwa 1,3 Metern pro Sekunde von Ost nach West an der kleinen Ortschaft entlang. Einige Motorboote deutscher und britischer Pioniere kreuzen im kalten Novemberdunst auf dem Fluss. Da taucht auf dem Deich die Silhouette von etwas Großem auf. Es ist die erste der Amphibien M3, mit denen jetzt der Brückenschlag über die Elbe beginnt.

Auf ihrem Vormarsch nach Osten zum Ende des Zweiten Weltkrieges überquerten am 29. April 1945 erstmalig britische Schwimmpanzer bei Artlenburg die Elbe. Vor diesem historischen Hintergrund wurde im Jahr 1972 die Kooperation zwischen dem amphibischen Pionierbataillon 130 und dem 28th Amphibious Engineer Regiment mit dem Ziel einer besseren Zusammenarbeit und Ausbildung vereinbart und etabliert.

Um dieser Zusammenarbeit die notwendige Symbolkraft zu verleihen, fanden in der Nacht vom 30. November auf den 1. Dezember genau an dieser Übergangstelle in den Jahren 1977 und 1997 die gemeinsamen Übungen „Neptune's Trident“ und „Partnership 97“ statt. Mit der Übung „Full Throttle“ am 30. November 2017 jährt sich diese Kooperation zum 40. Mal.

Feinde von damals sind Partner von heute

Generalleutnant Carsten Jacobson (l.), Major General Nicholas Borton (2. v. r.) und der deutsche und britische Kommandeur der Pioniere weisen die Gäste und Zuschauer in den bevorstehenden Brückenschlag ein
Generalleutnant Carsten Jacobson (l.), Major General Nicholas Borton (2. v. r.) und der deutsche und britische Kommandeur der Pioniere weisen die Gäste und Zuschauer in den bevorstehenden Brückenschlag ein (Quelle: Bundeswehr/Elisabeth Rabe)Größere Abbildung anzeigen

Generalleutnant Carsten Jacobson, Kommandeur Einsatz beim Kommando Heer und stellvertretender Inspekteur des Heeres, gab den geladenen Gästen auf der Tribüne und den zahlreichen Schaulustigen einen kurzen geschichtlichen Hintergrund des deutsch-britischen Brückenschlages an dieser Stelle. Er erklärte, dass der damalige britische Field Marshal Bernard Law Montgomery seine Truppen an dieser Stelle über die Elbe übersetzen ließ, um so die deutschen Ostseezugänge vor der anrückenden Roten Armee der Sowjetunion zu erreichen.

In den frühen Morgenstunden des 29. April 1945, einem Sonntag, setzten die britischen Truppen nach heftigem Artilleriebeschuss mit gepanzerten Fähren und Schwimmpanzern bei Artlenburg und am Glüsinger Grund über die Elbe und bildeten einen Brückenkopf. Nicht nur unter den beteiligten Einheiten, sondern auch unter der Zivilbevölkerung gab es bei dieser „Operation Enterprise“ zahlreiche Opfer.

Zur Kooperation zwischen den deutschen und britischen Pionieren betonten sowohl Jacobson als auch der Divisionskommandeur der 3rd (United Kingdom) Division, Major General Nicholas Borton, dass die Fähigkeit, Kriegsbrücken mit amphibischen Fahrzeugen schlagen zu können, in Europa einzigartig sei und von den NATO-Partnern immer stärker nachgefragt werde. Beide Generale äußerten den Wunsch, die bestehende Kooperation weiter auszubauen.

Professionell, ja – Routine, nein

Oberleutnant Vladimir Antonov (l.) ist zufrieden mit der Leistung seiner Besatzungen der Amphibien M3
Oberleutnant Vladimir Antonov (l.) ist zufrieden mit der Leistung seiner Besatzungen der Amphibien M3 (Quelle: Bundeswehr/Elisabeth Rabe)Größere Abbildung anzeigen

Oberleutnant Vladimir Antonov, Zugführer des I. Amphibischen Brückenzuges der 4. Kompanie des schweren Pionierbataillons 901, hat vom Ufer aus die Strömung der Elbe, die Motorboote auf dem Fluss und die Soldaten auf den Amphibien M3 ständig im Blick. Über Funk könnte er jederzeit in den Brückenschlag eingreifen, doch die deutschen und die britischen Pioniere arbeiten so gut zusammen wie die Zahnräder in einem Uhrwerk.

Fast fertig: In der Mitte der Brücke werden die letzten Verbindungen geschlossen
Fast fertig: In der Mitte der Brücke werden die letzten Verbindungen geschlossen (Quelle: Bundeswehr/Elisabeth Rabe)Größere Abbildung anzeigen

Die Soldatinnen und Soldaten beider Nationen bilden ein eingespieltes Team. In den letzten zwei Jahren haben sie gemeinsam bei einer Vielzahl von Übungen im In- und Ausland ihr Können bewiesen. „Wir arbeiten sehr professionell zusammen, aber Routine ist es nie. Jedes Gewässer ist anders. In der Uferbeschaffenheit, der Strömungsgeschwindigkeit und dem Untergrund im Flussbett unterscheidet sich jedes fließende Gewässer. Hier müssen wir jedes Mal gewissenhaft erkunden, um die Sicherheit der Brücke gewährleisten zu können“, sagt Antonov.

Über 200 Meter in unter 30 Minuten überbrückt

Nach dem Verbinden der letzten Elemente der Schwimmbrücke setzen die Besatzungen die Nationalflaggen ihrer Länder auf den einzelnen Amphibien
Nach dem Verbinden der letzten Elemente der Schwimmbrücke setzen die Besatzungen die Nationalflaggen ihrer Länder auf den einzelnen Amphibien (Quelle: Bundeswehr/Elisabeth Rabe)Größere Abbildung anzeigen

Aus 24 Amphibien errichteten die Pioniere innerhalb weniger Minuten eine über 240 Meter breite Brücke von Ufer zu Ufer. Am Deich in Artlenburg fuhren die Fahrzeuge ins Wasser, jeweils vier oder fünf schlossen sich dann zu Fähren zusammen. Diese Fähren wurden aneinandergekoppelt und zu einer Brücke verbunden. Für die Schifffahrt war der Fluss währenddessen gesperrt.

„Unsere Brücke bietet die höchste Lastenklasse, sie kann mit unserem schwersten Panzer, dem Leopard 2 A7 mit seinen 70 Tonnen, befahren werden“, sagt Oberleutnant Antonov. Während der Übung „Anakonda 2016“ haben viele NATO-Verbände unsere Brücken über die Weichsel und andere Flüsse in Osteuropa genutzt.“ Damals haben die Mindener Pioniere in Weltrekordzeit die längste amphibische Brücke geschlagen, die von etwa 1.000 Fahrzeugen passiert wurde.

Elbe-Übergang in Erinnerung an 1977

In historischen Bundeswehrfahrzeugen überqueren die Divisionskommandeure, Generalmajor Markus Laubenthal (2. v. r.) und Major General Nicholas Borton (3. v. r.), die Schwimmbrücke
In historischen Bundeswehrfahrzeugen überqueren die Divisionskommandeure, Generalmajor Markus Laubenthal (2. v. r.) und Major General Nicholas Borton (3. v. r.), die Schwimmbrücke (Quelle: Bundeswehr/Elisabeth Rabe)Größere Abbildung anzeigen

186 Soldaten, darunter 35 britische Pioniere, zeigten in Artlenburg ihr Können. Auch zahlreiche Schaulustige beobachteten von beiden Ufern aus das Ereignis. Nach der Freigabe überquerten der Kommandeur der 1. Panzerdivision, Generalmajor Markus Laubenthal, und der Kommandeur der 3rd (United Kingdom) Division, Major General Nicholas Borton, in historischen Bundeswehrfahrzeugen die Brücke über den zweitgrößten Fluss Deutschlands.

Geschafft: Die deutschen und britischen Kommandeure gratulieren sich zum gelungenen Brückenschlag
Geschafft: Die deutschen und britischen Kommandeure gratulieren sich zum gelungenen Brückenschlag (Quelle: Bundeswehr/Elisabeth Rabe)Größere Abbildung anzeigen

Sie erinnerten damit an den Beginn der Kooperation beider Landstreitkräfte im Pionierwesen vor 40 Jahren. Die Bundeswehr und die British Army sind die einzigen Landstreitkräfte in Europa, die die Fähigkeit des amphibischen Brückenschlages besitzen.

Die Bevölkerung zeigt sich sehr interessiert am Können der deutschen und britischen Pioniere
Die Bevölkerung zeigt sich sehr interessiert am Können der deutschen und britischen Pioniere (Quelle: Bundeswehr/Bernd Schwendel)Größere Abbildung anzeigen

Anschließend hatte die Bevölkerung Gelegenheit die Brücke hautnah in Augenschein zu nehmen. Dabei kamen die Leute auch mit den Soldaten beider Länder ins Gespräch und bewunderten vielfach die Leistung der Pioniere.

Zwei Nationen, gleiches Gerät

Die Amphibie M3 klappt die Schwimmkörper bereits vor der Einfahrt ins Wasser aus
Die Amphibie M3 klappt die Schwimmkörper bereits vor der Einfahrt ins Wasser aus (Quelle: Bundeswehr/Elisabeth Rabe)Größere Abbildung anzeigen

Die Amphibie M3 wiegt 26 Tonnen. Sie fährt an Land und schwimmt im Wasser. Drei Mann Besatzung sind an Bord – der Landfahrer für die Fahrt auf Rädern, der Wasserfahrer am Ruder und der Rüstmann, der für die Verbindung der einzelnen Amphibien mit weiteren Fahrzeugen sorgt.
Die deutsche und die britische Amphibie M3 sind baugleich. Sie unterscheiden sich lediglich ein wenig im Farbton des Anstrichs.

Überraschung beim Empfang

The Band of the Royal Regiment of Scotland spielt beim Empfang für die Soldaten und Gäste
The Band of the Royal Regiment of Scotland spielt beim Empfang für die Soldaten und Gäste (Quelle: Bundeswehr/Elisabeth Rabe)Größere Abbildung anzeigen

Beim abschließenden kleinen Empfang tauschten die Kommandeure der deutschen und britischen Pionierverbände Urkunden zum Zeichen der Bekräftigung und Fortführung der bestehenden Kooperation aus. Zur Überraschung für die Soldaten und Gäste spielte die Band of the Royal Regiment of Scotland einige Märsche und bekannte Musikstücke aus ihrem Repertoire.

Bildergalerie:

Die Schwimmbrücke entsteht, historische Bundeswehrfahrzeuge und die Bevölkerung überqueren darauf den Fluss


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Stand vom: 21.12.17 | Autor: Bernd Schwendel


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