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Anakonda 16: Kriegsbrückenschlag über die Weichsel gelungen

Über Nationen hinweg sitzt jeder Handgriff
Über Nationen hinweg sitzt jeder Handgriff (Quelle: Bundeswehr/Mario Bähr)Größere Abbildung anzeigen
Chelmno/Polen, 15.06.2016.

Polnische und U.S. amerikanische Kampfhubschrauber kreisen im Luftraum über der polnischen Kleinstadt Chelmno. Unter ihnen die Weichsel. Als längster und größter Fluss Polens verlangt sie den Soldatinnen und Soldaten des multinationalen Pionierverbandes einiges ab – ihr Auftrag: der Brückenschlag. In kürzester Zeit gilt es, für Kampfpanzer und schwere Radfahrzeuge einen Übergang über den fast vierhundert Meter breiten Flusslauf sicherzustellen.

Gut sechshundert deutsche, britische, niederländische und amerikanische Pioniere bauen Kriegsbrücken über die Weichsel. Zwei unterschiedliche Systeme, ein amphibisches sowie ein Faltschwimmbrückensystem bringt der gemischte Pionierverband dabei zum Einsatz.

Von Weser und Elbe an die Weichsel

„Multinationalität bringt uns alle nach vorn“, sagt der Kommandeur des Pionierverbandes, Oberstleutnant Thorsten Schwiering
„Multinationalität bringt uns alle nach vorn“, sagt der Kommandeur des Pionierverbandes, Oberstleutnant Thorsten Schwiering (Quelle: Bundeswehr/Mario Bähr)Größere Abbildung anzeigen

Sie alle sind unter der Führung des Kommandeurs des Panzerpionierbataillons 130, Oberstleutnant Thorsten Schwiering ein Teil der polnischen Übung Anakonda 2016. „Mit den Brückensystemen aus Minden und Havelberg gewährleisten wir bis zu 250 Fahrzeugen pro Stunde die Überfahrt. Ein amerikanisches Kavallerieregiment und ein polnisches mechanisiertes Infanteriebataillon werden unsere Brücken während der Übung nutzen“, so Schwiering. Die Bedingungen seien ideal. Die minimale Wassertiefe von einem Meter und die maximale Strömungsgeschwindigkeit von zwei Metern pro Sekunde stellen für die Brückenbauer keine Probleme dar.

Multinationaler Pionierverband: Mit Amphibien und Faltschwimmbrücken ermöglichen die Pioniere der der Truppe den Flussübergang
Multinationaler Pionierverband: Mit Amphibien und Faltschwimmbrücken ermöglichen die Pioniere der der Truppe den Flussübergang (Quelle: Bundeswehr/Mario Bähr)Größere Abbildung anzeigen

Anakonda 16 ist ein groß angelegtes polnisches Manöver mit der Beteiligung von 31.000 Soldaten aus 24 Nationen. Nicht nur NATO-Staaten, auch befreundete Nationen wie etwa Finnland oder Mazedonien, sind mit dabei. Land-, Luft- und Seestreitkräfte kommen neben Spezialeinheiten zum Einsatz. Das Gastgeberland Polen stellt 12.000 die USA 14.000 Männer und Frauen. Die 350 deutschen Soldaten des multinationalen Pionierverbandes sind in den Standorten Minden und Havelberg beheimatet.

350 Meter Amphibienbrücke in Rekordzeit

Mit 30 Amphibien wird die Weichsel überbrückt
Mit 30 Amphibien wird die Weichsel überbrückt (Quelle: Bundeswehr/Mario Bähr)Größere Abbildung anzeigen

Nicht nur die Flusslänge der Weichsel ist mit über 1.000 Kilometern enorm. Hier in Chelmno, etwa 400 Kilometer hinter der deutsch-polnischen Grenze, ist sie stattliche 350 Meter breit.

„Der genaue Abstand zwischen den Ufern ist enorm wichtig und muss von uns exakt festgestellt werden. Er bestimmt die Anzahl der Amphibien und die Bauweise der Brücke. Außerdem müssen wir uns den wechselnden Pegelständen des Wassers anpassen“, sagt Oberfähnrich Christian Bäumer. Er ist verantwortlich für den Bau der amphibischen Brücke. Deutsche und britische Pioniere arbeiten dabei Hand in Hand. „Wir profitieren von der gemeinsamen Stationierung im nordrhein-westfälischen Minden, wir nutzen dort das gleiche Gerät und können auch am gleichen Standort ausbilden.“

Nach gut einer halben Stunde wird die Brücke befahrbar sein
Nach gut einer halben Stunde wird die Brücke befahrbar sein (Quelle: Bundeswehr/Mario Bähr)Größere Abbildung anzeigen

Die Herausforderung während der Übung Anakonda 16 sei die enorme Länge der Brücke. „Wir wollen sicher und schnell sein“, erklärt Bäumer. Den ruhigen Wasserspiegel der Weichsel durchbrechen die enormen Bugwellen der einfahrenden Amphibien.

Los geht’s

Bäumer gibt das „Go!“ für den Bau der Brücke. Im Wasser kreisen bereits kleine Schlauchboote mit Rettungsschwimmern für den „Fall der Fälle“. Schwere, 300 PS starke Motorboote halten sich bereit, um etwa manövrierunfähige Amphibien sicher wieder an Land zu drücken. Aus 30 Fahrzeugen – deutschen und britischen Amphibien M3 – wird sich die spätere Kriegsbrücke zusammensetzen. „Die breite Weichsel wird dabei für uns ganz schön eng, aber wir haben das vorher durchgesprochen“, erklärt ein Fährenführer. „Im Wasser koppeln wir aus bis zu acht einzelnen Amphibien größere Brückenabschnitte zusammen, die dann wiederum zur gesamten amphibischen Brücke zusammengekoppelt werden.“

Genau 34 Minuten nachdem die erste Amphibie im Wasser war überquert der Bergepanzer als schwerstes Fahrzeug die Brücke. Nach dieser Belastungsprobe gibt Bäumer die Brücke frei. „Stark, was die Jungs und Mädels geleistet haben“, so der Oberfähnrich.

Die Faltschwimmbrücke: Drei Nationen – ein Übergang

Mit dem Slippen – dem zu Wasser lassen – der Brückenteile beginnt der Bau der Faltschwimmbrücke
Mit dem Slippen – dem zu Wasser lassen – der Brückenteile beginnt der Bau der Faltschwimmbrücke (Quelle: Bundeswehr/Mario Bähr)Größere Abbildung anzeigen

Gemeinsam mit ihren amerikanischen und niederländischen Kameraden stellen die Pioniere aus Havelberg den zweiten Weichselübergang sicher. Mit Brückenteilen für zweihundert Meter stellen die Amerikaner den größten Anteil der Bauteile. Deutsche und niederländische Pioniere verfügen jeweils über einhundert Meter Faltschwimmbrückenkapazität.

Unmittelbar nach dem Slippen entfalten sich die Brückenteile im Wasser
Unmittelbar nach dem Slippen entfalten sich die Brückenteile im Wasser (Quelle: Bundeswehr/Frank Tuschmo)Größere Abbildung anzeigen

Fabian Beutz ist Entlade-Truppführer. Unter seinen Augen beginnen die ersten Arbeiten. „Wir müssen zuerst die Boote – Rettungs-, Rampen- und Arbeitsboote – ins Wasser lassen. Nach dem Slippen dürfen die Brückenteile nicht unkontrolliert in der Strömung umhertreiben“, erklärt Beutz weiter. Auf jedem LKW ist ein Segment der Brücke verladen. Der Kraftfahrer fährt mit seinem Laster rückwärts ins Wasser und setzt – „slipt“ – das Brückenteil direkt in die Weichsel.

Nach dem automatischen Aufklappen des Brückenteiles wird dieses sofort von Motorboten „eingefangen“. Arbeitsboote manövrieren die Teilstücke zusammen. So werden Stück für Stück die größeren Brückenteile zusammengesetzt. Diese gekoppelten Brückensegmente können – mit Rampenteilen und Motorboot versehen – auch als Fähren eingesetzt werden. Hier an der Weichsel werden über 50 Segmente schließlich zu einer Brücke miteinander verkoppelt.

„Wir arbeiten Hand in Hand. Auf dem Wasser gibt es keine Unterschiede“
„Wir arbeiten Hand in Hand. Auf dem Wasser gibt es keine Unterschiede“ (Quelle: Bundeswehr/Mario Bähr)Größere Abbildung anzeigen

„Auf dem Wasser verschmelzen Nationalitäten“, sagt Major Matthias Bucke. Er ist der Kompaniechef der 3. Kompanie des schweren Pionierbataillons 901 aus Havelberg und verantwortlich für den Bau der Faltschwimmbrücke. Aus 50 Brücken- und zwei Rampensegmenten bauen Niederländer, Amerikaner und Deutsche die Brücke über die Weichsel. „Wir profitieren alle von der gleichen Ausstattung der Nationen. Unsere Technik hat sich hundertfach bewährt. Das gemeinsame Arbeiten auf solchen Übungen erweitert das Verständnis für den jeweils Anderen und schafft Vertrauen. Das ist für das Arbeiten bei solch großen Brückenschlägen – die nur gemeinsam zu bewerkstelligen sind – auch nötig.“

Pionierfähigkeiten – ein Teil von Anakonda 16

Generalleutnant Carsten Jacobson, Lieutenant General Ben Hodges und Polens Präsident Andrzej Duda (v.l.n.r.) sind beim Brückenschlag in Chelmno dabei
Generalleutnant Carsten Jacobson, Lieutenant General Ben Hodges und Polens Präsident Andrzej Duda (v.l.n.r.) sind beim Brückenschlag in Chelmno dabei (Quelle: Bundeswehr/Mario Bähr)Größere Abbildung anzeigen

Der polnische Präsident Andrzej Duda, der stellvertretenden Inspekteur des Heeres und Kommandeur Einsatz, Generalleutnant Carsten Jacobson, sowie der Kommandeur der U.S. Armee in Europa, Lieutenant General Ben Hodges überzeugten sich in Chelmno persönlich von der Leistungsfähigkeit des multinationalen Pionierverbandes.

Die Brückenschläge zeigten einen neuen Level in der internationalen Zusammenarbeit. Sie dienten der Steigerung der Interoperabilität unter den Streitkräften und festigten die partnerschaftlichen Beziehungen zu den polnischen Streitkräften. Die gezeigten Fähigkeiten seien auch Ergebnisse der bisher geleisteten gemeinsamen Arbeit und Ausbildung, so das gemeinsame Fazit.


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Stand vom: 30.11.17 | Autor: René Hinz


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