Startseite Bundeswehr

Sie sind hier: Startseite > Aktuelles > Nachrichten und Berichte > Jahr 2010 > April 2010 > OMLT  mit afghanischen Soldaten draußen unterwegs

OMLT – mit afghanischen Soldaten draußen unterwegs

Koblenz, 16.04.2010.
Erneut sind bei schweren Kämpfen deutsche Soldaten in Afghanistan gefallen und verwundet worden. Die Männer waren in einem „Operational Mentoring and Liaison-Team“ (OMLT) eingesetzt. Diese Soldaten sind als Ausbilder und Betreuer afghanischer Streitkräfte eingesetzt und begleiten und beraten die afghanischen Soldaten bei ihren gefährlichen Einsätzen gegen Aufständische. Zwei Heeressoldaten schildern, was sie als OMLT-Soldaten im vergangenen Jahr erlebt haben.

Mehr Verantwortung übertragen (Quelle: Heer)Größere Abbildung anzeigen

Die neue politische Afghanistan-Strategie der NATO ist eindeutig: Neben der afghanischen Polizei soll in den kommenden Monaten der Afghan National Army (ANA) mehr und mehr Verantwortung übertragen werden. Der Aufbau der afghanischen Streitkräfte schreitet voran und wird weiter intensiviert. Dazu müssen die OMLT-Soldaten der Bundeswehr im Norden Afghanistans in kleinen Gruppen eng mit den afghanischen Verbündeten zusammenarbeiten – und das auch fernab der deutschen Feldlager.

nach oben

Kompaniechef, Mentor und Sprachmittler bei Einweisung (Quelle: Heer/PIZ)Größere Abbildung anzeigen

Gefechte um Leben und Tod

Im vergangenen Jahr hat die Panzergrenadierbrigade 37 aus Frankenberg, als Truppensteller über zwölf Monate unter anderem diese herausfordernde Aufgabe wahrgenommen. Zwei Heeressoldaten berichten über ihre Erfahrungen aus dem Einsatz. Im Gefecht mit den Aufständischen ging es um Leben und Tod.

Hauptmann Gerald Rabe, Kompaniechef der 4. Kompanie im Panzergrenadierbataillon 371 in Marienberg, war von Januar bis Juli 2009 im Einsatz. In dieser Zeit war der 30-Jährige Offizier als Mentor, zusammen mit weiteren 30 Heeressoldaten, im Rahmen der Operational Mentoring and Liaison-Teams eingesetzt. Das OMLT ist ein zentrales Ausbildungselement, um eine fundierte und erfolgreiche Ausbildung der Afghan National Army – im Rahmen der internationalen Aufbauarbeit für Afghanistan – zu gewährleisten.

„Meine Aufgabe war es, den Afghanischen Kompaniechef der 3. Kompanie auszubilden, anzuleiten, also deutsche Taktiken und Arbeitsweisen nahezubringen“, sagt Rabe. So habe er quasi 24 Stunden den Chef begleitet. Dazu stand ihm ein Sprachmittler zur Verfügung, dieser übersetzte vom Englischen in die Afghanischen Sprachen Dari und Paschtu. Die ersten zwei Monate seien schwierig gewesen, zunächst sei eine Findungsphase vorausgegangen, ein Vertrauen musste erst aufgebaut werden. Nach der ersten größeren Operation sei dies aber gelungen. „Ein ganz gutes Anzeichen ist, wenn der Afghanische Partner deine Hand nimmt und sozusagen Händchen haltend mit dir durch die Gegend läuft, dann kann man sagen: O.K., jetzt hab ich sein Vertrauen gewonnen“, schmunzelt Hauptmann Rabe.

nach oben

Gespräch beim lokalen Polizeichef (Quelle: Heer/PIZ)Größere Abbildung anzeigen

Ausbildung in gefährlichen Operationen

Die Afghanische Kompanie erhielt ihre Einsatzaufträge und Rabe begleitete diese als Berater. „Das begann jeweils mit der Einsatzplanung. Was muss ich alles beachten, was muss ich mitnehmen - bis hin zur Versorgung während der Operationen. Das waren die größten Schwachstellen der ANA“, erinnert sich Rabe. In den Operationen, vor allem in Gefechtssituationen, stand der deutsche Kompaniechef ebenfalls mit Rat und Tat zur Seite. Dazu gehörten Patrouillen und Aufklärungseinsätze zur Informationsgewinnung bis hin zu Zugriffsoperationen. „Mein Einsatz hat sich von einfachen zu schweren Operationen gesteigert. Tief betroffen waren wir vom Verlust eines afghanischen Kameraden. Auch wurden mehrere Soldaten in einem Hinterhalt verwundet“, blickt Rabe nachdenklich auf seinen Einsatz zurück.

nach oben

Bei der gemeinsamen Befehlsausgabe (Quelle: Heer/PIZ)Größere Abbildung anzeigen

Angriff aus dem Hinterhalt

Oberfeldwebel Rico Fritsch (29) leistet seinen Dienst im Stab der Panzergrenadierbrigade 37 in Frankenberg. Sein Einsatzzeitraum in Afghanistan war von August bis Dezember 2009. Fritsch war ebenfalls im OMLT-Team als Mentor eingesetzt. Fritsch hatte ein nachhaltiges Erlebnis während seines Einsatzes, das zeigt, dass die Soldaten der Bundeswehr im OMLT-Einsatz hohe Risiken eingehen müssen, um die politisch geforderte Ausbildung der afghanischen Streitkräfte voranzutreiben: Die Afghanischen Infanteriekräfte machten sich zu einer riskanten Operation auf den Weg. Unter Sicherung einer Schutzkompanie folgte Oberfeldwebel Frisch einige Stunden später mit dem 15 Mann starken OMLT-Team. Dieses sollte während der Operation als Mentor beratend zur Seite stehen.

Rund 32 Fahrzeuge schlängelten sich dem Einsatzraum entgegen. „Das erstes Zeichen waren leere Straßen, kein Verkehr, keine Menschen, das ist schon immer sehr verdächtig, dann ging alles sehr schnell, ein Funkspruch ging von der Spitze der Kolonne ein: Beschuss durch Panzerfaust. Wir gerieten nördlich von Kunduz in einen massiven Hinterhalt. Bis heute können wir nicht sagen wie viele Aufständische uns über vier bis fünf Stunden aus allen Richtungen beschossen hatten. Es gab auch Schwerverletzte. Wir haben uns dem Kampf gestellt, denn ein Durchstoßen des Hinterhaltes war nicht mehr möglich. Mein Kompliment gilt den Heeresfliegern, die trotz feindlicher Waffenwirkung die Sanitäter zur Rettung der Verletzten einflogen“, erinnert sich Fritsch.

nach oben

Oft lauern hinterhältige Gefahren (Quelle: Heer/)Größere Abbildung anzeigen

Eine neue Qualität der Gefahr

Nach Auswertung des Geschehens war dies bis dahin einer der massivsten und am besten geplanten Hinterhalte. „Wir haben festgestellt, dass es unter den Aufständischen eine Führung gab. Es kämpfte also nicht jeder allein wie in der Vergangenheit, das war schon eine andere Qualität“. Selbst von den angeforderten Strahlflugzeugen F 16 die, weil keine klaren Ziele zu erkennen waren, Show of Force flogen, ließen sich die Aufständischen nicht beeindrucken. Erst mit der zur Hilfe eilenden Quick Reaction Force (schnelle Eingreifkräfte) konnte ein Lösen und Ausweichen vom Angreifer erreicht werden. „Was bei uns im Nachhinein sehr gut ankam waren die Meldungen, dass die Verletzten gut abtransportiert und sehr gut von den Ärzten versorgt wurden. Nach meinem Wissen wurden sie dann nach Deutschland in Spezialkliniken verlegt“, sagt Fritsch. „Wir alle hatten an diesem Tag sehr, sehr viel Glück, das Feuer und die Explosionen waren sehr nahe an uns dran“.

nach oben


Fußzeile

nach oben

Stand vom: 01.04.14 | Autor: Peter Messner/Volker Jung


http://www.deutschesheer.de/portal/poc/heer?uri=ci%3Abw.heer.aktuell.nachrichten.jahr2010.april2010&de.conet.contentintegrator.portlet.current.id=01DB050000000001%7C84KCV8528INFO