Die Pionierfamilie wird kleiner
Volkach, 10.02.2006.
Feierlicher Außerdienststellungsappell
Zum 31.März 2006 meldet sich das schwere Pionierbataillon 12 aus dem Kreise der Pioniere des deutschen Heeres ab. Zu diesem Anlass fand am 10. Februar 2006 ein feierlicher Außerdienststellungsappell statt.An diesem winterlichen Freitag mit zunächst heftigem Schneetreiben und eisigem Wind hatte der Wettergott dann doch noch ein Einsehen und schickte zumindest für die Dauer des Appells trockene Witterung. Nahezu 400 Gäste aus dem öffentlichen Leben mit einer großen Anzahl von Ehemaligen und Freunden des stolzen Bataillons hatten den Weg in die Volkacher Mainfrankenkaserne gefunden, um der Zeremonie beizuwohnen. Angelegt war der Appell als Großveranstaltung der Pionierbrigade 100, deren Truppenteile als Abordnungen mit angetreten waren, denn zusätzlich war auch das schwere Pionierbataillon 861, ein teilaktiver Verband, außer Dienst zu stellen. Für die musikalische Umrahmung sorgte das Heeresmusikkorps 12 aus Veitshöchheim.
Der Appell begann mit der Begrüßung der Gäste durch den Kommandeur, Oberstleutnant Egbert Wagner. Er fügte einige kurze Gedanken zur bevorstehenden Auflösung mit an. Nachdem der Bataillonsmarsch, der Von-der-Tann-Marsch, gespielt wurde, sprach der Bürgermeister der Stadt Volkach, Peter Kornell, zu den Gästen und der angetretenen Formation. Er brachte sein Bedauern zur militärisch begründeten Auflösung des Bataillons zum Ausdruck und betonte das stets gute Verhältnis der Stadt Volkach zu „seinen Pionieren“. „ Die Pioniere der Mainfrankenkaserne in Volkach, Sie alle bleiben uns in der besten Erinnerung. Allen Soldatinnen und Soldaten wünsche ich für ihre Familien und den persönlichen Lebensweg alles Gute. Behalten Sie uns auch in guter Erinnerung!“ so Kornell.
Stets bewährt
Der Kommandeur der Pionierbrigade 100 aus Minden, Oberst Henning Dahmen, bemerkte in seiner Ansprache, dass durch die erneute Verkleinerung der Pioniertruppe die in der Region Volkach gewachsenen mitmenschlichen Beziehungen und sozialen Bindungen auf eine harte Probe gestellt werden. Es komme nun darauf an das Beste daraus zu machen.In einem Rückblick auf die Geschichte des Bataillons würdigte er die Leistungen des Verbandes, indem er auf die vielen Einsätze im Rahmen der Not- und Katastrophenhilfe hinwies, aber auch die Tatsache betonte, dass das Bataillen von Anfang an bei vielen Auslandseinsätzen erfolgreich beteiligt war und sich dabei hervorragend bewährt hat.
Mit den Worten: „Es werde in Zukunft keine teil- oder nichtaktiven Bataillone mehr geben“, wandte er sich dem schweren Pionierbataillon 861 zu. Dessen Leistungen als „Reservistenbataillon“ seien seit der Aufstellung 1984 beachtlich gewesen, was sich an der einer großen Anzahl an Wehrübungen und sonstigen Aktivitäten messen lässt. Ähnlich würdigte er das Pionierbrückenbataillon 704, das zum Januar 2006 aus dem Brigadebereich hinaus dem Panzerpionierbataillon 4 in Bogen unterstellt wurde.
Die Truppenfahnen werden eingerollt
Nach dieser Ansprache wurde es ernst. Die Truppenfahnen traten aus der geschlossenen Formation in die Mitte des Appellplatzes und die abgesenkten Truppenfahnen wurden durch die beiden Kommandeure langsam eingerollt. Durch diesen symbolträchtigen Akt war jetzt klar, dass die Geschichte der beiden Bataillone nun auch offiziell beendet war. Zusätzlich endete auch die Ära der Pioniere an der Mainschleife in Volkach.
Beim anschließenden Empfang richtete der aus Berlin angereiste Parlamentarische Staatsekretär Christian Schmidt seine Worte an die Gäste. Auch wenn die Pioniere nun nicht mehr in der Region seien, werde die militärische Tradition in der Garnison Volkach mit der Anwesenheit zweier Bataillone der Streitkräftebasis weiter fortgesetzt. Mit dem schweren Pionierbataillon 12 verabschiede sich ein „leistungsstarker Verband“.
Wechselvolle Geschichte
Fast 49 Jahre bestand das schweren Pionierbataillon 12. Im Jahr 1957 wurde in München die Luftladepionierkompanie 9 aufgestellt, die über Kempten und Bruchsal – dann bereits Luftlandepionierbataillon 9 - 1963 nach Speyer kam. Dort wurde mit späterer Unterstellung zur 12. Panzerdivision aus dem Luftlandepionierbataillon 9 das Pionierbataillon 12. Der Fallschirm im Wappen weist auf die Herkunft aus einem Luftlandeverband hin. 1986 erfolgte die Verlegung nach Volkach in die neu erbaute Mainfrankenkaserne.In Somalia sahen sich 1993 erstmals Soldaten des Verbandes im Auslandseinsatz. Im gleichen Jahr erfolgte der Unterstellungswechsel zur Pionierbrigade 50. Seit 2002 gehört das Bataillon zur Pionierbrigade 100 und damit zum Heerestruppenkommando. Zum 31. März 2006 endet die Geschichte eines stolzen und leistungsfähigen Verbandes.










