Der Dachs, ein Kraftprotz der durch Vielseitigkeit überzeugt
Der Name „Dachs“ wurde dem Pionierpanzer bei seiner Einführung 1989 in die Truppe gegeben. Das Tier gehört zur Familie der Marder. Mit seinen starken Vorderbeinen gräbt er sich im Waldboden seinen Bau. Der Name steht dem Panzer gut. Mit 830 PS wühlt sich der Kraftprotz durch den Boden.
Augustdorf in Westfalen. Hier ist die schwere Panzerpionierkompanie 200 beheimatet. Der Standortübungsplatz ist der Ort für die heutige Ausbildung. „Ich unterstütze mit meiner Kompanie die Brigade“, sagt Major Jan Radloff (33). „Wir fördern die Bewegungen der eigenen Kampftruppe und hemmen die des Gegners durch das Anlegen von Sperren“, führt der Chef weiter aus. Für diesen Auftrag stehen unter anderem drei Pionierpanzer Dachs im schweren Pioniermaschinenzug der Kompanie zur Verfügung.
Gute Ausbildung schafft gute Resultate
„Das Bedienpersonal der mächtigen Panzer, die auf dem Leopard 1 Fahrgestell basieren, muss gut ausgebildet sein. Nur so kann die Arbeitsleistung des Gerätes zur vollen Wirkung gebracht werden“, gibt der Zugführer des schweren Pioniermaschinenzuges Auskunft. Oberfeldwebel Michael Winkler (31) führt seit fast einem Jahr diesen Zug mit 37 Soldaten. Neben den Dachsen gehören vier Brückenlegepanzer Biber und eine Fülle von weiteren Pionierkleingeräten zum Zug. „Die Ausbildung der Soldaten dauert sechs Wochen. Den Panzerführerschein haben sie bereits erworben. Es schließt sich nun die theoretische Ausbildung am Gerät an, die in die praktische Ausbildung im Gelände mündet“, beschreibt Winkler den Ausbildungsablauf.
Mit 830 PS Kampfstände für die Kampfpanzer schieben
Wie die Arbeit mit dem Dachs funktioniert zeigt zunächst Oberfeldwebel Mike Östreich (31). Er ist als Pioniermaschinenfeldwebel im schweren Pioniermaschinenzug eingesetzt und führt die Ausbildung der Mannschaftssoldaten am Dachs durch. Östreich hat auf dem Platz des Kraftfahrers und Bedieners Stellung bezogen. Nach dem Starten des Motors hat der Zuschauer schon eine Vorahnung von der gewaltigen Kraft, die in dem Pionierpanzer steckt. Die 830 PS dröhnen, der Boden vibriert. Eine wilde Fahrt beginnt. 45 Tonnen Stahl setzen sich unaufhaltsam in Bewegung, der Sandboden wirbelt auf. Vor dem Räumschild türmt sich der Sand zu Bergen. Schnell entsteht ein Graben, der Dachs ist kaum noch zu sehen.
Bis zu 270 Kubikmeter Erdreich pro Stunde kann das 3,25 Meter breite Räumschild bewegen. In rund 15 Minuten kann ein Kampfstand für einen Kampfpanzer geschoben werden. Auch Panzerabwehrgräben können die Dachse schieben und natürlich Wege und Straßen für die eigene Truppe. Eine der speziellen Aufgaben stellt die Arbeit an Gewässerübergängen dar. Die Besatzung schafft nicht nur die Zu- und Abfahrten, sondern ist auch befähigt mit dem Dachs bis zu vier Meter tief unter Wasser zu arbeiten.
Die Pioniere sind vom Dachs überzeugt
Im zweiten Teil der Vorführung kommt die wohl auffälligste Pioniertechnik des Dachses zum Einsatz. Die Baggeranlage. Sie stellt die Leistungsfähigkeit in der Zusammenarbeit von Mensch und Maschine unter Beweis. Mit einer Reichweite von 9,17 Metern kann der Teleskopbaggerarm mit seiner riesigen Schaufel bis zu 140 Kubikmeter Erdreich pro Stunde bewegen. Viel Geschick fordert die Bedienung der Anlage dem Kraftfahrer ab. Nach der Ausbildung ist er in der Lage, Schützengräben und Deckungslöcher in kürzester Zeit auszuheben. Der Baggerarm kann auch zum Eindrücken und Einreißen von Gebäuden oder Sperren genutzt werden.
„Der Pionierpanzer Dachs ist wirklich sehr vielseitig einsetzbar“, sagt Oberfeldwebel Östreich. „Wir können zusätzlich zu den Erdbauarbeiten aller Art mit einer Seilwinde bis zu 70 Tonnen abschleppen. Der dritte Soldat auf dem Dachs hat eine Schneid- und Schweißausrüstung zum Bearbeiten von Eisen an Bord. So können wir einiges an Aufträgen zur Unterstützung übernehmen.“ Der Oberfeldwebel weiß wovon er redet, denn er ist vom Fach. Als gelernter Straßenbauer kam er 1999 zu den Pionieren. Er wurde zum Feldwebel und Straßenbaumeister ausgebildet. „Ich habe schon einiges an Baumaschinen gefahren, natürlich nicht so große wie den Dachs“, scherzt er.
Die Faszination die von diesem beeindruckenden Gerät ausgeht kann Stabsunteroffizier Thomas Eymeß (24) nur bestätigen. „Ein Kraftprotz, vielseitig und flexibel“, schildert er seine Erfahrung. Die Ausbildung auf dem Dachs hat er bereits abgeschlossen. Angefangen hat alles vor fünf Jahren. Als freiwillig Wehrdienstleistender auf 23 Monate kam er zu den Pionieren. In 21 Monaten wurde Eymeß an der Pionierschule in München zum Stahlbetonbauer ausgebildet. Stahlbetonbauer ist der Regelumschulungsberuf für angehende Pionierunteroffiziere die keinen Baueingangsberuf haben.
Unterstützung für die Eingreifdivision
Der Boden vibriert, der Motor brüllt auf. Die Ausbildung geht den ganzen Tag und auch in der Nacht weiter. Die Soldaten müssen üben. Tonne um Tonne Sand wird bewegt. Mit jeder Stunde gewinnen die Soldaten mehr Gefühl für die Arbeit mit dem Kraftprotz. Künftig wird die schwere Panzerpionierkompanie 200 der Panzerbrigade 21 und somit der 1. Panzerdivision unterstellt sein. Die Dachse leisten dann ihren Unterstützungsdienst für die Eingreifdivision des deutschen Heeres.Bilder
Der Dachs wühlt sich durch die Erde (Quelle: Online-Redaktion Heer)
Größere Abbildung anzeigen15 Minuten für eine Stellung (Quelle: Online-Redaktion Heer)
Größere Abbildung anzeigenDer Dachs in seinem Element (Quelle: Online-Redaktion Heer)
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