VN-Beobachter: Diplomaten in Uniform
Heimenkirch, 28.07.2010.
Fortsetzung der Abschlussübung der VN-Beobachter: Heute erwarten sie hohen Besuch in ihrer Basis in Heimenkirch. Der Anführer der Centland National Army (CNA), Colonel Getsim, folgt der Einladung der Blauhelme, um mit ihnen Gespräche über ihre Ziele und Absichten in seinem Land zu führen.

Eine Fahrzeugkolonne bestehend aus LKWs, Pkws und Panzerfahrzeugen rast vor die UN-Basis. Mehr als zehn bewaffnete Soldaten springen von den Fahrzeugen und gehen rund um das Gebäude in Stellung. Ein Jeep fährt direkt vor das Quartier der VN-Beobachter. Ein vermummter Mann steigt aus, stellt sich als Adjutant des Kommandeurs der CNA vor und darauf besteht, dass ihm die VN-Beobachter einen Einblick in ihre Funktionszentrale gestatteten: „Ich muss das Gebäude zur Sicherheit überprüfen.“ Das UN-Team will das aber nur zulassen, wenn die Soldaten vorher ihre Waffen ablegen. Dazu sind diese nicht bereit. Explosive Stimmung ist die Folge. Nach langen Diskussionen geben die Blauhelme nach und lassen die bewaffneten Männer ihre Basis betreten. Als Colonel Getsim vorfährt, stehen seine Soldaten stramm. In beeindruckender Uniform mit polierten Stiefeln und großer, tiefschwarzer Sonnebrille steigt der Anführer der CNA aus dem Fahrzeug. Nach einem kurzen Gruß informiert ihn sein Adjutant sofort über die Geschehnisse. Die UN-Beobachter nehmen den Kommandeur respektvoll in Empfang. Sofort klärt sich die vieldiskutierte Waffenfrage. „Wir nehmen die Waffen mit, oder ich gehe!“ Getsim verdeutlicht den Militärbeobachtern, dass sie sich in seinem Land befinden und sich an seine Regeln zu halten haben.

Ein explosives Meeting
Im Besprechungsraum sitzen sich nun beide Parteien gegenüber. Unter den Blicken des Leitungspersonals eröffnet Basisleiter Hauptmann Florian Raebel (36) das Gespräch mit höflichen Begrüßungsworten. Diese stoßen allerdings in keiner Weise auf Gehör bei Colonel Getsim. Er fällt Raebel ins Wort und beschuldigte die UN-Beobachter wutentbrannt, sie würden ihren Helikopter zur Erkundung nutzen, um dann die so gesammelten Informationen an seine Feinde, die Liberation Army of Centland (LAC), zu geben. Als Hauptmann Raebel versucht, sich zu rechtfertigen, eskalierte die Situation beinahe. Der Adjutant des Colonels hat bereits die Hand an der Pistole, die vor ihm auf dem Tisch liegt. Doch der 36-jährige VN-Beobachter kann den tobenden Colonel und seine Soldaten beruhigen. Er leitet das Gespräch immer sicherer und überzeugt Getsim von den guten Absichten der Blauhelme. Nachdem alle weiteren Punkte und Diskussionsthemen abgearbeitet sind, macht Getsim sogar den Vorschlag, sich am Folgetag ein weiteres Mal mit den UN-Beobachtern zu treffen. Er möchte weitere Gespräche mit ihnen führen und den Beobachtern während ihrer Arbeit über die Schulter schauen. Mit einem Handschlag verabschiedet sich der vorher so erboste Colonel Getsim von Hauptmann Raebel. Er hat das Gespräch erfolgreich beendet. Die Übung 4-PCE für UN-Militärbeobachter setzt hohe Anforderungen an die Teilnehmer. Werden es die UN-Beobachter in den kommenden Tagen schaffen, Getsims Vertrauen zu gewinnen? Mehr dazu im dritten Teil unserer Serie…
Bilder
Ein CNA Kämpfer vor einem UN-Stützpunkt (Quelle: Heer/Martin Kirster)
Größere Abbildung anzeigenEmpfang eines Warlords im VN-Stützpunkt (Quelle: Heer/Martin Kirster)
Größere Abbildung anzeigen



