Oberfeldwebel Steffen Knoska rettet unter Feindfeuer schwer verletzten Soldaten
Koblenz, 22.01.2010.
Tapferkeit und Mut sind Tugenden, die sich häufig erst im Einsatz beweisen. Gefährliche Situationen werden oft geübt, doch kein Soldat weiß vor dem ersten Mal, wie er handelt, wenn er in eine lebensbedrohliche Situation gerät.
Ohne Rücksicht auf sein eigenes Leben bewies der 29-jährige Oberfeldwebel Steffen Knoska in einem Feuergefecht mit Aufständischen in Afghanistan Umsicht, Mut und Tapferkeit.
Er rettete einem schwer verletzten Kameraden das Leben und spornte selbst unter massivem Feindfeuer andere Soldaten an. Für sein mutiges und professionelles Verhalten wurde er am 22. Januar von Verteidigungsminister zu Guttenberg persönlich mit der Tapferkeitsmedaille der Bundeswehr ausgezeichnet.

Es ist im Raum Kunduz entlang der Marschstraße „Little Pluto“, als am 7. Juni 2009 plötzlich der A-Zug der Schutzkompanie mit Panzerfäusten und Kalaschnikows beschossen wird. Wie aus dem Nichts wird auf die Soldaten das Feuer eröffnet. Ein Gefechtsfahrzeug vom Typ Dingo wird dabei so stark beschädigt, dass es die Straße blockiert. Die Gruppe ist damit vom Rest des Zuges abgeschnitten. Schnelle Hilfe ist gefordert! „Wir, die als Reservekräfte in einer Polizeistation unweit des Anschlagsortes stationiert waren, bekamen den Befehl, sofort zur Anschlagsstelle zu fahren, um dort schnellstmöglich der Gruppe zu helfen“,
berichtet Oberfeldwebel Knoska, der die Gruppe führte.
Als er mit seinen Soldaten bei dem liegengebliebenen Dingo ankommt, beziehen sie sofort die Stellungen. Doch der Gegner eröffnet genau jetzt wieder das Feuer. Die Heftigkeit der Angriffe nimmt zu und ein Soldat wird getroffen. Er wird so schwer verletzt, dass er sich nicht mehr aus eigener Kraft in Sicherheit bringen kann.

Beherztes Eingreifen
Oberfeldwebel Knoska behält die Nerven und eilt ohne Rücksicht auf sein eigenes Leben dem verletzten Kameraden zu Hilfe. Der verwundete Hauptgefreite hat einen Treffer in den Unterleib bekommen. Oberfeldwebel Knoska sichert ihn gegen die Angriffe der Feinde und versucht, den Kameraden im Alleingang zu bergen. Das massive Feindfeuer und die schlechte Lage des angeschossenen Kameraden lässt das aber nicht zu.
Mit aller Entschlossenheit bekämpft Oberfeldwebel Knoska mit seinen Soldaten die Aufständischen. Der Trupp erreicht die Feuerüberlegenheit. Jetzt kann der schwer verletzte Kamerad in einem zweiten Versuch in Sicherheit gebracht werden.
Durch sein beispielhaftes und tapferes Verhalten spornt Oberfeldwebel Knoska andere Soldaten des Zuges an, ebenfalls zu helfen. Während der Rettung wird ein weiterer Soldat verletzt, Knoska selbst von einem Geschoss am Gefechtshelm getroffen.
Die Aufständischen erkennen bald, dass sie das Feuergefecht verlieren und ziehen sich rasch zurück. Oberfeldwebel Knoska und seine Kameraden sind froh, dass es auf ihrer Seite ohne tödliche Verluste endet und alle verletzten Kameraden zügig und gut versorgt werden.

„Angst ums eigene Leben“
„Angst ums eigene Leben“
Sein eigenes Handeln an diesem Tag sieht er der 29-jährige Zeitsoldat aus Markkleeberg/Leipzig selbst sehr bescheiden und nimmt die Auszeichnung stellvertretend für die beteiligten Kameraden entgegen. Doch die Erinnerungen werden bleiben und machen ihn auch heute noch sehr betroffen. Sachlich und offen stellt er fest: „Es ist kein schönes Gefühl in einem Gefecht zu sein. Natürlich hatte ich Angst, aber ich denke, das ist verständlich und ich bin froh, dass ich dort so unbeschadet rausgekommen bin.“
Sein entschlossenes und mutiges Handeln an jenem Tag will er nicht überbewertet wissen, es ist für ihn eine Selbstverständlichkeit und gehört zu gelebter Kameradschaft. „Schwerpunkt während des Feuerkampfes war es, unseren Kameraden in Sicherheit zu bringen. Ich erwarte genauso, dass mir geholfen wird, wenn ich da liege. Wer das nicht erlebt hat, kann mit dem Wort „Angst um sein Leben“ nichts anfangen. Und dann noch die Angst zu überwinden, um das zu tun was wir getan haben, ist für Außenstehende nur schwer nachvollziehbar“,
sagt Knoska sehr nachdenklich.
