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„Drei, zwei, eins – Zündung!“

Das Sprengen ist nur eine Aufgabe im weiten Leistungsspektrum der Pioniere

Das Sprengen ist nur eine Aufgabe im weiten Leistungsspektrum der Pioniere (Quelle Heer/Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen

Übungsplatz Oberlausitz, 18.02.2016.
Es ist still – der Countdown läuft. Mit einer deutlich im Körper spürbaren Druckwelle und einem grellen Feuerball zerreißt es den Flandernzaun, der zum Schutz von Stellungssystemen aufgebaut wurde. Beim Belehrungssprengen zeigen die Pioniere des Panzerpionierbataillons 130 aus Minden den Grenadieren des Panzergrenadierlehrbataillons 92 ihr Können.

Es ist eine Übung, die es in sich hat. Oberleutnant Johannes Wendroth ist der „Sprengmeister“ vor Ort. Mit beeindruckenden Szenarien gibt er einen Einblick in die Thematik Sprengen und Sperren. „Es ist wichtig, dass Grenadiere und Pioniere die Fähigkeiten des Anderen kennenlernen. So können sie sich im Gefecht bestmöglich unterstützen. Wir Pioniere folgen Grenadieren im Gefecht unmittelbar. Treffen sie auf Hindernisse, ist unser Können gefragt“, erklärt Wendroth. Mit dem Belehrungssprengen wolle man deshalb zeigen, wie zeitintensiv das Sprengen ist, wie viele Soldaten und was für Material an den Sprengstellen zum Einsatz kommen. Nicht zuletzt aber auch die Wirkung der Sprengmittel an Beispielen darstellen.

Pioniere immer vorn mit dabei

Grenadiere und Pioniere üben den Angriff. Treffen sie auf Hindernisse oder Sperren, ist der Pionier gefragt

Grenadiere und Pioniere üben den Angriff. Treffen sie auf Hindernisse oder Sperren, ist der Pionier gefragt (Quelle: Heer/Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen

Bei der Gefechtsübung der Munsteraner Grenadiere sind sie nicht allein. Kampfpanzer des Typs Leopard 2 und Pioniere unterstützen sie dabei. Gemeinsam stehen die Pioniere mit den Grenadieren dicht an dicht an der Spitze des Angriffs. Kommen die Grenadiere nicht weiter, ist ihnen der Weg für den Angriff versperrt, arbeiten sie eng mit den Pionieren zusammen.

Das Unmögliche möglich machen, nach neuen Wegen suchen – das ist das Wesen der Pioniertruppe. Sie verfügen über ein breites Repertoire an technischer Ausrüstung und handwerklichem Knowhow. Wie etwa dem Pionierpanzer Dachs. Mit seinem Baggerarm können schwere Lasten gehoben und mit seinem Schiebeschild große Erdmassen bewegt werden. Eine ihrer prägnantesten Fähigkeiten ist aber das Sprengen.

Oberleutnant Johannes Wendroth erklärt das Öffnen gegnerischer Drahtsperren

Oberleutnant Johannes Wendroth erklärt das Öffnen gegnerischer Drahtsperren (Quelle: Heer/Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen

Kommt ein Angriff durch Drahtsperren zum Erliegen, muss schnell gehandelt werden. Sperren verfolgen stets die gleichen Ziele: Die gegnerische Truppe aufhalten, um sie in eine bestimmte Richtung zu lenken oder Gegenangriffe zu starten. Müssen solche Sperren entfernt oder errichtet werden, schlägt die Stunde der Pioniere.

Schneller als jeder Bolzenschneider: Das Sprengrohr zerreißt die Drahtsperre förmlich

Schneller als jeder Bolzenschneider: Das Sprengrohr zerreißt die Drahtsperre förmlich (Quelle: Heer/Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen

Um schnell eine Sperre zu errichten, wird in den meisten Fällen Draht verwendet. Ob als vorgefertigte Stacheldrahtrolle (S-Draht) oder Bandstacheldraht vom laufenden Meter – Wege, Zufahrten oder ganze Waldschneisen können auf diese Weise effektiv gesperrt werden. Großflächig verlegt, stellen solche Hindernisse eine echte Gefahr dar. Nicht nur für Soldaten zu Fuß. Selbst modernste Panzerfahrwerke sind machtlos, wenn sich der Draht in die Laufwerke hineinzieht und in den Kettengliedern und Laufrollen festsetzt.

Soll ein Hindernis zerstört werden, sichern sich die Pioniere selbst ab

Soll ein Hindernis zerstört werden, sichern sich die Pioniere selbst ab (Quelle: Heer/Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen

Um das zu verhindern, nutzen die Pioniere Sprengrohre, die sie unter die Drahtsperren schieben. Solche vorgefertigten, gut vier Zentimeter dicken Rohre enthalten rund 800 Gramm Sprengstoff. Je nach erforderlicher Sprengkraft können mehrere Rohre miteinander verbunden werden. Eine Zündkapsel bringt die Sprengrohre dann mittels eines elektrischen Impulses zur Detonation.

Baum fällt – „Baumsperre angelegt“

Formbarer Sprengstoff des Typs Pentaerythrityltetranitrat (PETN) bringt die Baumstämme zu Fall

Formbarer Sprengstoff des Typs Pentaerythrityltetranitrat (PETN) bringt die Baumstämme zu Fall (Quelle: Heer/Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen

„Baumsperren sind dagegen sehr aufwendig. Von der Vorbereitung bis hin zum Anbringen der einzelnen Ladungen an den Bäumen ist die Zeit, die vergeht, beträchtlich“, sagt Wendroth. Es komme nämlich darauf an, die Bäume zielgerichtet – also in eine bestimmte Richtung – zum Fallen zu bringen. Nur so werde eine hohe Sperrwirkung etwa bei Wegen und Zufahrten in dicht bewachsenen Wäldern erreicht. Um solche Sperren wieder zu öffnen, muss der Gegner viel Zeit und Technik investieren. „Es braucht eine Menge Knowhow, die großen Baumstämme nacheinander wieder aus dem Weg zu schaffen“, so der Oberleutnant.

Nach dem Sprengen ist der Weg nicht mehr befahrbar

Nach dem Sprengen ist der Weg nicht mehr befahrbar (Quelle: Heer/Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen

Der Sprengerfolg beim Belehrungssprengen bestätigt die Leistungen der Pioniere. Oberleutnant Wendroth resümiert: „Die Unterstützungsleistungen der Pioniere sind vielfältig, sei es beim Anlegen wie auch beim Öffnen von Sperren. Die gewonnen Erfahrungen aus der Weiterbildung stärken das gegenseitige Verständnis zwischen Grenadieren und Pionieren. Unser Ziel ist es, gemeinsam im Einsatz bestehen zu können.“

Weitere Bilder des Sprengens

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Stand vom: 19.02.16 | Autor: Rene Hinz


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