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„Sitzt, passt und ist bequem“ - Heeressoldaten mit neuer Bekleidung im Einsatz

Angehörige des Deutschen Einsatzkontingentes Ausbildungsunterstützung Nordirak mit neuer Kampfbekleidung

Angehörige des Deutschen Einsatzkontingentes Ausbildungsunterstützung Nordirak mit neuer Kampfbekleidung (Quelle Bundeswehr/Markus Herholt)Größere Abbildung anzeigen

Die in Deutschen Einsatzkontingenten in Asien und Afrika eingesetzten Heeressoldaten sind mit neuen, komplett überarbeiteten Bekleidungs- und Ausrüstungsgegenständen, dem sogenannten „Kampfbekleidungssatz Streitkräfte“, ausgestattet. Er wurde in enger Zusammenarbeit von Wissenschaftlern und Soldaten entwickelt, unter extremen Bedingungen erprobt und setzt neue Maßstäbe in Sachen Witterungsschutz und Funktionalität. Bei den Angehörigen des 4. Deutschen Einsatzkontingentes Ausbildungsunterstützung Nordirak kommt die neue Bekleidung durchweg gut an.

Nichts „von der Stange“

Schutzweste, Kampfjacke, Kampfhose – Bewegungsfreiheit gewährleistet

Schutzweste, Kampfjacke, Kampfhose – Bewegungsfreiheit gewährleistet (Quelle: Bundeswehr/Markus Herholt)Größere Abbildung anzeigen

Der „Kampfbekleidungssatz Streitkräfte“ setzt sich nicht aus Komponenten „von der Stange“ zusammen. Einige Materialien wurden eigens entwickelt, und jedes Teil der Bekleidung wurde in seiner Wirkungsweise auf die anderen Teile des Gesamtsystems abgestimmt. Getestet wurde die Bekleidung unter anderem im winterlichen Gebirge in Österreich, im arktisch-winterlichen Norden Schwedens, in der texanischen Wüste und im feucht-heißen Französisch-Guayana. Alle dabei gewonnen Erkenntnisse flossen in den „letzten Schliff“ für die Prototypen ein. Flammschutz, Tarnung, elektrische Ableitfähigkeit, Vektorenschutz, Kälte- und Nässeschutz, ergonomische Passform und funktionelles Design stellen die wesentlichen Hauptfunktionen des Bekleidungssystems dar. 36 Konfektionsgrößen für den als Außenschicht getragenen Kampfanzug, 23 teilweise geschlechtsspezifische Unterwäschegrößen sowie jeweils sieben Größen für die untergezogenen Kälte- und Nässeschutzartikel sorgen für höchstmöglichen Tragekomfort und optimale Passform bei den Soldaten. Diese Größen werden gleichermaßen an die Soldatinnen und die Soldaten ausgegeben.
2015 wurden 6.000 Sätze in 3-Farbtarndruck beschafft und für den Einsatz bereitgestellt. Mittlerweile sind die Deutschen Einsatzkontingente im Irak, in Afghanistan, Mali, Somalia, Sudan, Südsudan, Liberia und Westsahara mit der neuen Kampfbekleidung ausgestattet.

„… Sachen sind echt Klasse“

Auch ohne Kampfjacke tragbar - Combatshirt

Auch ohne Kampfjacke tragbar - Combatshirt (Quelle: Bundeswehr/Dirk Willkomm)Größere Abbildung anzeigen

Übungsplatz Bnaslawa, Nordirak, 22 Grad Celsius im Schatten. Ein Ausbildungsteam des Deutschen Einsatzkontingents marschiert mit 25 Peschmerga Richtung Schießbahn. Die Uniformteile der kurdischen Kämpfer sind buntgemischt. Bei den Bundeswehrsoldaten sieht es anders aus. Die Soldaten, größtenteils aus der Panzerlehrbrigade 9, tragen die neue Einsatzbekleidung. „Die Sachen sind echt klasse. Alles ist aufeinander abgestimmt. Da scheuert nichts und ich komme an alle Taschen ran – auch wenn ich die neue Schutzweste anhabe“, sagt Hauptfeldwebel Andreas C. (alle Namen durch Redaktion geändert), der bereits auf dem Balkan im Einsatz war. Der neue Plattenträger bietet genau den gleichen Schutz wie die Vorgänger-Schutzweste, „aber durch den neuen Schnitt und einige andere nützliche Details haben wir deutlich mehr Bewegungsfreiheit. Dadurch kann ich mit unseren Handwaffen besser schießen und vor allem staut sich die Hitze nicht so darunter“, erklärt er während er das Vorgehen der Peschmerga beobachtet.
Oberfeldwebel Steven K. ist auch sehr zufrieden mit dem neuen Schutzwesten-System, hat aber trotzdem einen Verbesserungsvorschlag: „Der Hüftgurt, der zur Schutzweste gehört, könnte besser sein. Die Polsterung sollte bis knapp vor die Gürtelschnalle reichen. Dann hätten wir noch mehr Möglichkeiten, um Ausrüstung zu befestigen. Außerdem schnüren der Riemen und der Metallverschluss vorne in den Bauch.“ Hauptfeldwebel Andreas C. und Oberfeldwebel Alexander D. stimmen zu.
Alle drei Bundeswehrsoldaten sind sich darüber einig, dass die Entwickler der neuen Bekleidung das sogenannte Zwiebelschalenprinzip gut umgesetzt haben. „Von der kurzen Unterwäsche, über so eine Art Skiunterwäsche, der Einsatzkampfhose bis zum Gore-Tex-Nässeschutz passt alles optimal zusammen. Da verrutscht nichts beim Gefechtsdienst und ich finde auch gut, dass wir beim Nässeschutz die Kapuze im Kragen verstauen können. Ach ja, und richtig dicht ist der Nässeschutz natürlich“, fügt Oberfeldwebel K. hinzu.

Neuer Handschuh – gut für die Arbeit, aber auch für’s Schießen

Neuer Handschuh – gut für die Arbeit, aber auch für’s Schießen (Quelle: Bundeswehr/Dirk Willkomm)Größere Abbildung anzeigen

Aber nicht nur im Gefechtsdienst erfüllt die neue Bekleidung ihren Zweck. „Die neuen Handschuhe sind zum Arbeiten genau so gut wie zum Schießen. Ich habe ausreichend Gefühl für den Abzug der Waffen und der Kunststoffschutz hier oben, für die Oberhand, ist sehr sinnvoll“, sagt Oberfeldwebel D. während er seine braunen Handschuhe betrachtet. Im Irak können die drei Soldaten die neue Einsatzbekleidung unter warmen Klimabedingungen in der Praxis testen. „Die Thermohose habe ich zu Hause gelassen“, lächelt Hauptfeldwebel Andreas C. „Schließlich sind wir im Irak. Aber im Norden von Europa ist der Unterziehkälteschutzanzug im Winter bestimmt sinnvoll – und Kampfhose und Kampfjacke kriege ich da bequem drüber, ohne dass ich mich nicht mehr bewegen kann.“

Optimierungsbedarf

Trotz so viel Zufriedenheit und Begeisterung für die neue Einsatzbekleidung spaltet ein Thema die Meinung der drei Soldaten. „Ich komme mit dem beigefarbigen Stiefel gut zurecht – auch beim Gefechtsdienst“, nickt Oberfeldwebel D. in die Runde der drei Soldaten, von denen zwei auf schwarze Stiefel zurückgreifen. „Ich trage die nicht. Wegen Blasenbildung, Druckstellen und die sind zu wenig atmungsaktiv – wegen der Schweißfüße“, erwidert einer der beiden „Bergschuhträger“ und der andere ergänzt: „Mir ist die Sohle viel zu hart und außerdem sitzt er nicht richtig, obwohl ich ihn zu Hause eingelaufen habe.“
Auch hier ist Abhilfe vorgesehen. Zeitnah beginnend ist die schrittweise Einführung des sogenannten „Kampfschuhsystem Streitkräfte“ geplant. Dabei wird zwischen dem „Kampfschuh, leicht“ und dem „Kampfschuh, schwer“ differenziert. Jeder Soldat erhält in Abhängigkeit seiner Truppenzugehörigkeit die Möglichkeit, aus in beiden Kategorien bereitgestellten Kampfschuh-Modellen seine individuelle Auswahl zu treffen.

Wenn es sicherlich noch einige Kleinigkeiten nachzubessern gibt, im Gegensatz zu früheren Einsätzen tragen in Erbil nur sehr wenige Soldaten selbst beschaffte Kleidung. Ein deutlicher Beweis dafür, dass die Frauen und Männer mit der dienstlichen Ausstattung zufrieden sind. „Wenn wir in den kommenden Einsätzen vielleicht noch einen zusätzlichen Smock (Kampfjacke, lang) und eine kurze Einsatzkampfjacke mehr bekommen, ist das Abgeben zur Wäscherei auch besser zu kompensieren“, schließt Hauptfeldwebel C. während die beiden Oberfeldwebel mit den Peschmerga bereits weiter Richtung Schießbahn marschieren.


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Stand vom: 02.03.16 | Autor: Andreas Huth, Markus Herholt


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