Startseite Bundeswehr

Sie sind hier: Startseite > Aktuelles > Nachrichten und Berichte > Jahr 2016 > März 2016 > Einmalig in der Welt: Neue Wege der deutschen-niederländischen Heereskooperation

Einmalig in der Welt: Neue Wege der deutschen-niederländischen Heereskooperation

Eine Verzahnung von Fähigkeiten schafft Synergieeffekte: Der Inspekteur des Heeres mit dem Inspekteur der niederländischen Landstreitkräfte und dem Kommandeur der 1. Panzerdivision (v. l. n. r.)

Eine Verzahnung von Fähigkeiten schafft Synergieeffekte: Der Inspekteur des Heeres mit dem Inspekteur der niederländischen Landstreitkräfte und dem Kommandeur der 1. Panzerdivision … (Quelle Heer/Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen

Lohheide, 18.03.2016.
Im niedersächsischen Bergen wurde am 17. März 2016 ein neues Kapitel der deutsch-niederländischen Heereskooperation aufgeschlagen. Der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Jörg Vollmer, und der Inspekteur der Landstreitkräfte des Königreiches der Niederlande, Generalleutnant Mart de Kruif, unterstellten die niederländische 43. Mechanisierte Brigade der 1. Panzerdivision des Deutschen Heeres. Gleichzeitig wurde im feierlichen Rahmen eines großen Appells das gemischte deutsch-niederländische Panzerbataillon 414 in Dienst gestellt und der 43. Mechanisierten Brigade unterstellt.

Mehrere hundert Gäste, darunter auch das Mitglied im Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestages, Henning Otte, sowie Han ten Broeke, Chairman of the Dutch Defence Committee, waren nach Bergen gekommen und wurden Zeugen des historischen Ereignisses: Im Rahmen eines feierlichen Appells unterstellten der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Jörg Vollmer, und der Inspekteur der Landstreitkräfte des Königreiches der Niederlande, Generalleutnant Mart de Kruif, die niederländische 43. Mechanisierte Brigade (43. MechBrig) der 1. Panzerdivision des Deutschen Heeres (1. PzDiv).

Gemeinsam mit den Abgeordneten Henning Otte und Han ten Broeke (re.) schreiten die beiden Inspekteure zu Beginn des Appells die Front ab

Gemeinsam mit den Abgeordneten Henning Otte und Han ten Broeke (re.) schreiten die beiden Inspekteure zu Beginn des Appells die Front ab (Quelle: Heer/Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen

Beide Länder betreten damit Neuland und zeigen, wie Militärintegration in Europa gestaltet werden kann. Dies sei eine notwendige Konsequenz, um den aktuellen und künftigen Bedrohungen angemessen begegnen zu können, waren sich General Vollmer und General de Kruif einig. „Wir sind überzeugt, dass es in Zukunft wieder schlagkräftiger, reaktionsfähiger und durchsetzungsfähiger Landstreitkräfte braucht, um frühzeitig glaubhaft mögliche Aggressoren abzuschrecken. Das ist Teil einer auf Frieden und Stabilität ausgerichteten Außenpolitik. Diese braucht einsatzbereite Streitkräfte“, machte Generalleutnant Vollmer in seiner Rede deutlich.

Die Ehrenformationen als ein deutliches Zeichen gegenseitiger Wertschätzung

Die Ehrenformationen als ein deutliches Zeichen gegenseitiger Wertschätzung (Quelle: Heer/Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen

Die Paradeaufstellung, eine Ehrenformation mit niederländischen und deutschen Truppenfahnen sowie zwei Musikkorps, je eins aus den Niederlanden und ein deutsches, gaben dem einzigartigen Appell den festlichen Rahmen.

In Europa und der Welt einmalig – Partnerschaft auf Augenhöhe

Die deutschen aber auch die niederländischen Streitkräfte werden gestärkt durch Vertrauen und Kooperation

Die deutschen aber auch die niederländischen Streitkräfte werden gestärkt durch Vertrauen und Kooperation (Quelle: Heer/Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen

Die Unterstellung der 43. MechBrig mit rund 3.000 Soldatinnen und Soldaten ist deshalb so einmalig, weil zeitgleich das neu aufgestellte deutsch-niederländische Panzerbataillon 414 wiederum dieser niederländischen Brigade unterstellt wird. Die enge wechselseitige Verzahnung ist ein Beweis der langjährigen vertrauensvollen Zusammenarbeit beider Heere. Sie unterstreicht ihre Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung zur Stärkung der europäischen Sicherheit und Verteidigung. „Es ist ein in Europa und in der Welt einmaliger Verband, hinsichtlich seiner Zusammensetzung, aber auch auf Grund seiner modernen Ausstattung und zukünftiger Fähigkeiten“, betonte Generalleutnant Vollmer den besonderen Charakter dieser Kooperation.

Die deutsch-niederländische Kooperation ist eine Erfolgsgeschichte. Sie begann mit der Aufstellung des I. Deutsch-Niederländischen Korps im Jahr 1995. Ein weiterer Höhepunkt war 2014 die Integration der niederländischen 11. Luftbeweglichen Brigade in die deutsche Division Schnelle Kräfte (DSK). Diese Kooperationen hätten sich zum Nukleus einer vertieften, europäischen Verteidigungskooperation entwickelt, erklärte Generalleutnant Vollmer. „Die niederländischen Streitkräfte sind und bleiben einer unserer wichtigsten Partner. Unsere Kooperation ist von sehr guter Zusammenarbeit, Respekt und gegenseitigem Vertrauen geprägt“, betonte der Inspekteur die Bedeutung dieses Ereignisses. Auch in den gemeinsamen Einsätzen niederländischer und deutscher Soldatinnen und Soldaten – vom Balkan über Afghanistan bis nach Mali – hat sich die Zusammenarbeit bereits bewährt. „Wir wollen diesen gemeinsamen Weg konsequent fortsetzen. Ob in Gao, wo deutsche Aufklärungskräfte unsere niederländischen Kameraden entlasten werden oder bei der VJTF (Very High Readiness Joint Task Force), an der sich unsere Partner aus den Niederlanden mit einem Gefechtsverband beteiligen werden.“

Mehrwert für alle

Symbolischer Akt: Generalleutnant Jörg Vollmer überreicht die Truppenfahne der 43. MechBrig (NDL) an den Kommandeur der 1. Panzerdivision, Generalmajor Johann Langenegger

Symbolischer Akt: Generalleutnant Jörg Vollmer überreicht die Truppenfahne der 43. MechBrig (NDL) an den Kommandeur der 1. Panzerdivision, Generalmajor Johann Langenegger (Quelle: Heer/Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen

Die wechselseitige Unterstellung von Truppenteilen und die gleichzeitige Neuaufstellung eines deutsch-niederländischen Panzerbataillons ist ein deutliches politisches Zeichen hinsichtlich einer gemeinsamen europäischen Sicherheitspolitik. Letztendlich ist das Ziel dieser engverzahnten Struktur, dass die 1. Panzerdivision – mit dann über 20.000 Soldatinnen und Soldaten – als eine multinationale Division einsetzbar ist. „Selbstverständlich profitieren beide Seiten von gegenseitigem Know-How im Ausbildungs- und Übungsbetrieb. Alles in allem eine Win-Win-Situation“ , stellt der Inspekteur des Heeres heraus. Logistische Fähigkeiten können gebündelt werden und auch über den personellen Beitrag ließen sich Ressourcen einsparen. Konkret bedeute dies beispielsweise eine Optimierung der Nutzung von Ausbildungs- und Übungsmöglichkeiten. Man möchte Synergien entwickeln und Dopplungen vermeiden, was nicht zuletzt auch Auswirkungen auf Finanzen, Rüstung und Beschaffung habe.

In der Lüneburger Heide schlägt das Herz der Panzertruppe

Mit dem Anbringen des Fahnenbandes an der Truppenfahne stellt der Inspekteur des Heeres das neue Panzerbataillon in Dienst

Mit dem Anbringen des Fahnenbandes an der Truppenfahne stellt der Inspekteur des Heeres das neue Panzerbataillon in Dienst (Quelle: Heer/Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen

Das neue Panzerbataillon 414 hat seine militärische Heimat in Lohheide auf dem Truppenübungsplatz Bergen. „Hier in Bergen und den umliegenden Gemeinden schlägt das Herz der gepanzerten Kampftruppen des Heeres“, stellte der Inspekteur heraus. „Der Standort bietet für das neue Panzerbataillon die besten Voraussetzungen, nicht nur infrastrukturell, auch die Menschen in der Region unterstützen die Soldaten seit jeher.“

Das Fahnenband der 414‘er

Das Fahnenband der 414‘er (Quelle: Heer/Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen

Bis zu seiner kompletten personellen und materiellen Einsatzbereitschaft wird das Bataillon ab sofort stetig aufwachsen. „Das Panzerbataillon hat den Kampfpanzer Leopard 2 als Hauptwaffensystem. Das Bataillon wird zum Teil mit ehemaligen Kampfpanzern der niederländischen Streitkräfte ausgestattet werden. Diese Kampfpanzer werden durch die Industrie auf einen aktuellen Stand gebracht“, erklärte General Vollmer. Von den vier Kompanien des neuen Bataillons – eine Stabs- und Versorgungskompanie sowie drei Kampfkompanien – wird die vierte Kompanie mit ca. 90 niederländischen Soldaten besetzt werden. Der Stab des Bataillons wird bi-national sein.

Hauptmann Sven Hoffmann und Oberwachtmeister John Vink dienen nun gemeinsam in einem Bataillon

Hauptmann Sven Hoffmann und Oberwachtmeister John Vink dienen nun gemeinsam in einem Bataillon (Quelle: Heer/Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen

Hauptmann Sven Hoffmann, Kompaniechef der 5. Kompanie des Panzerlehrbataillons 93, wird Chef der 2. Kompanie des neuen Panzerbataillons 414 sein. „Wir alle sind stolz und freuen uns auf die Aufgabe“, erklärt er und gibt einen Einblick in die vergangenen Monate: „Seit fast einem Jahr laufen die Vorbereitungen für die Aufstellung. Das Panzerlehrbataillon 93 hat während dieser Zeit intensiv unterstützt und Tolles geleistet. Bereits Anfang 2015 begannen wir uns gemeinsam mit den niederländischen Kameraden auf diesen Moment vorzubereiten.“ Die gleiche Begeisterung für die neue Herausforderung hat Hoffmanns niederländischer Kamerad, Oberwachtmeister John Vink, der bei der Neuaufstellung ebenfalls von Beginn an mitgewirkt hat. „Im April letzten Jahres liefen die ersten Lehrgänge am Ausbildungszentrum Munster und vor gut einem Monat haben wir bereits gemeinsam mit deutschen Panzergrenadieren in der Oberlausitz geübt. Es ist für uns eine große, schöne Aufgabe hier gemeinsam mit unseren deutschen Kameraden tagtäglich Dienst zu leisten“, erklärt Vink.

„Wir kämpfen – für Deutschland, Wij vechten – voor Nederland, Panzer – Hurra“

Der Kommandeur der der 43. MechBrig (NDL), Brigadegeneral Swillens und der Kommandeur 1. Panzerdivision gratulieren dem Kommandeur des in Dienst gestellten Panzerbataillons 414, Oberstleutnant Niemeyer (v. l. n. r.)

Der Kommandeur der der 43. MechBrig (NDL), Brigadegeneral Swillens und der Kommandeur 1. Panzerdivision gratulieren dem Kommandeur des in Dienst gestellten Panzerbataillons 414, Ob … (Quelle: Heer/Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen

Alle Soldaten des neuen Bataillons, Niederländer wie Deutsche, werden in Deutschland nach deutschen Einsatzgrundsätzen ausgebildet und trainiert, was für den Wissens- und Vertrauensaufbau unverzichtbar ist. Generalleutnant Vollmer appellierte direkt an die Soldaten: „Die Aufstellung erfordert ihren ganzen Einsatz – vom Kraftfahrer, Richt- oder Ladeschützen bis zum Kommandanten, den Zugführern, Kompaniechefs und der Bataillonsführung. Vieles ist Neuland, nicht alles wird reibungslos bewältigt werden. Aber Sie tragen gemeinsam dafür Verantwortung, das Bataillon bis 2019 zur Einheitsreife zu führen.“ Bis dahin wird es eine Vielzahl von gemeinsamen Ausbildungs- und Übungsvorhaben geben, denn die Leistungsanforderungen an das neue Bataillon sind hoch: Landes- und Bündnisverteidigung sowie Beiträge im Rahmen der nationalen Krisen- und Risikovorsorge, aber auch laufende internationale Einsätze und einsatzgleiche Verpflichtungen gehören dazu. Doch es gilt auch hier: Künftige Einsätze dieser gemischten und wechselseitig unterstellten Verbände, vom Bataillon, über die Brigade bis zur Division, unterliegen weiterhin der Kontrolle durch die jeweiligen nationalen Institutionen und den entsprechenden nationalen Verfahren.

Sie sind auf dem Appellplatz angetreten um die Zukunft gemeinsam zu gestalten

Sie sind auf dem Appellplatz angetreten um die Zukunft gemeinsam zu gestalten (Quelle: Heer/Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen

Mit dem Apell und der feierlichen Zeremonie richten die beiden Nachbarstaaten einen gemeinsamen Blick in die Zukunft. „Das Prinzip einer engen deutsch-niederländischen Verzahnung ist angesichts aktueller Herausforderungen – beim gemeinsamen Krisenmanagement genauso wie im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung – alternativlos und wird weitere ambitionierte Vorhaben nach sich ziehen“, ist sich General Vollmer sicher.

Etwas Neues zu beginnen, sich gegenseitig zu vertrauen und gemeinsam stark zu sein, verdeutlicht auch der neue Schlachtruf des Bataillons, der an diesem Tag erstmals lautstark über den Appellplatz hallte: „Wir kämpfen – für Deutschland, Wij vechten – voor Nederland, Panzer – Hurra“. Symbolträchtig erklang im Anschluss an die Nationalhymnen der Niederlande und Deutschlands die verbindende Europahymne, bevor rund 350 Gäste der Einladung des Inspekteurs des Deutschen Heeres und des Inspekteurs der niederländischen Landstreitkräfte zu einem gemeinsamen Empfang folgten.


FußFzeile

nach oben

Stand vom: 21.03.16 | Autor: Dr. Christian Kahl


http://www.deutschesheer.de/portal/poc/heer?uri=ci%3Abw.heer.aktuell.nachrichten.jahr2016.maerz2016&de.conet.contentintegrator.portlet.current.id=01DB050000000001%7CA86D8V607DIBR