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Hightech Artillerie – NATO-Partner erhalten „Geballte Ladung“

Die litauische Ausbildungsgruppe an der PzH 2000 (Quelle Bundeswehr/Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen

Idar Oberstein, 22.01.2016.
Acht litauische Soldaten und zwei Dolmetscher befinden sich seit dem 4. Januar im pfälzischen Idar-Oberstein. In der VII. Inspektion des Ausbildungsbereiches Streitkräftegemeinsame Taktische Feuerunterstützung/Indirektes Feuer werden sie zum Geschützführer Panzerhaubitze (PzH) 2000 ausgebildet. Der Lehrgang an einem der modernsten Artilleriegeschütze der Welt ist ein weiterer Baustein zur Ausbildungsunterstützung für den NATO-Partner Litauen. Die angehenden Geschützführer werden nach der dreimonatigen Ausbildung in ihrer Heimat als Advisor eingesetzt werden.

Aufgrund der sicherheitspolitischen Lage an der Ostgrenze der NATO und der damit einhergehenden Stärkung der dortigen Bündnispartner hat Deutschland eine umfangreiche Unterstützungsleistung zugesagt. So hat der NATO-Partner Litauen im September letzten Jahres 21 Panzerhaubitzen 2000 gekauft. Dem Litauischen Heer stand bis zum Neuerwerb nur ein Haubitzen-Typ mit 105 Millimeter Geschoß und einer Reichweite von maximal 11 Kilometern zur Verfügung. Durch den Erwerb der PzH 2000 verfügen die Streitkräfte nun über eines der modernsten Artilleriegeschütze der Welt.

Litauen strebt an, die Einsatzbereitschaft des neu aufzustellenden Artillerieverbandes mit der PzH2000 zügig herzustellen. Die Erstausbildung von litauischen Soldaten an deutschen Ausbildungseinrichtungen im Bereich Instandsetzung und Bedienung wurde beim Kauf mit vereinbart.

Technik die begeistert

Die PzH 2000 – modernstes Waffensystem seiner Art (Quelle: Bundeswehr/Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen

In den kommenden drei Monaten werden die litauischen Artilleristen an der VII. Inspektion beim Ausbildungsbereich Streitkräftegemeinsame Taktische Feuerunterstützung/Indirektes Feuer zum Geschützführer PzH 2000 ausgebildet. Die Soldaten aus dem Generolo Romualdo Giedraicio Artilerijos Aatailionas in RUKLA sind rund 1.600 Kilometer mit dem PKW angereist. „Mes norétume kuo daugiau apie PzH 2000 suzinouti – Wir möchten möglichst viel über die PzH 2000 wissen“, sagten die litauischen Lehrgangsteilnehmer. Wie der Hörsaalleiter, Hauptmann Gildemeister, erläutert, ist diese Ausbildung kein ungewöhnlicher Auftrag für die VII. Inspektion. „Bereits im letzten Jahr haben wir Kroaten erfolgreich zum Geschützführer an der Panzerhaubitze 2000 ausgebildet.“

In die Röhre gucken – Ein neues Datensystem kennenlernen

Litauische Soldaten machen Notizen am Bildschirmarbeitsplatz (Quelle: Bundeswehr/Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen

Bevor es für die litauischen Kameraden an die Technik geht, erlernen sie vorab im Unterricht die Baugruppen der PzH 2000 (Munitionszuführungsanlage, Funkanlage, Waffenanlage etc.), die Grundlagen des Basicsystems (BASys) und die bei der Bundeswehr geltenden Sicherheitsbestimmungen. Die angehenden Geschützführer sitzen an den Bildschirmarbeitsplätzen im Hörsaal und blicken auf den Monitor. Das Ausbildungsprogramm ist in deutscher Sprache und auch der Ausbilder erklärt auf Deutsch, was zu tun ist. Gleich, nachdem die Dolmetscher übersetzt haben, lassen die Soldaten die Tasten klackern. „Steuerung, Alt und die Tabulator sind diejenigen Tasten, die wir häufigsten brauchen, um mit der deutschen Maske klarzukommen“, sagte Stabsunteroffizier Sukicius.

Gefechtsbereitschaft herstellen

Die Systeme beim Simulator PzH 2000 Turm werden hochgefahren (Quelle: Bundeswehr/Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen

Heute geht es in die Ausbildungshalle, in der sich der Ausbildungssimulator Turm für die PzH 2000 befindet. „System hochfahren!“, befiehlt der Ausbilder. „Hierbei kommt es darauf an, dass die richtige Einschaltreihenfolge eingehalten wird“, sagte er. Unter den wachsamen Augen des Ausbilders wird das System gestartet. „Alle Systeme einsatzbereit!“, tönt es durch die Halle. Unteroffizier Raskevicius, angehender Geschützführer, hat im Turm seinen Platz eingenommen.

Der Munitionskanonier munitioniert die 155 Millimeter Geschoss-Dummies auf (Quelle: Bundeswehr/Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen

Der Munitionskanonier und der Richtkanonier beladen die Panzerhaubitze (in dem Fall den Simulator) mit den 43 Kilogramm schweren 155 Millimeter Geschoss-Dummies. Der Ausbilder überwacht den Vorgang. Von der Feuerleitzentrale, hier durch den Ausbilder dargestellt, wird der Feuerbefehl, der unter anderem die einzusetzende Munitionsart, die Anweisung zum Abfeuern und die Koordinaten für das Ziel enthält, zugespielt. Nach Annahme des Feuerbefehls durch den Geschützführer richtet sich das Rohr der Panzerhaubitze selbstständig aus, um das Ziel erfolgreich bekämpfen zu können.

Geschützführer am Arbeitsplatz (Quelle: Bundeswehr/Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen

„Ugnis – Feuer“, ruft Geschützführeranwärter Raskevicius, bevor er die Feuertaste betätigt - das Ziel wird erfolgreich bekämpft. Der Schütze ist erleichtert, dass er getroffen hat. Die anderen Kameraden konnten via externem Display alles genauestens mitverfolgen. Immer wieder trainieren sie Abläufe, Handgriffe und Tätigkeiten. „Fällt ein System aus oder gibt es Probleme mit der Elektronik, muss die Besatzung sofort wissen, was zu tun ist. Auch dieses Szenario wird geübt. In Sekundenbruchteilen trifft der Geschützführer Entscheidungen, die den Erfolg oder Misserfolg des Einsatzes ausmachen können“, so der Ausbilder. Üben übt heißt es, wobei die Ausbildung am Simulator ein wichtiger Bestandteil ist.

Hoch motiviert und wissbegierig bei der Ausbildung

Ausbilder erklärt das System (Quelle: Bundeswehr/Marco Dorow)Größere Abbildung anzeigen

Wissbegierig stellen die Litauer den Ausbildern ihre Fragen. Immer wieder machen sie sich Notizen. „Sie sind hochmotiviert, arbeiten sehr gut mit. Von ihrem hohen Maß an Einsatzbereitschaft und Eigeninitiative sind wir positiv überrascht. Sie haben von uns Unterlagen erhalten, die sie sich übersetzt haben. Bei auftretenden Fragen haben sie von uns die nötige Unterstützung erhalten. Es ist eine ausgezeichnete Gruppe“, erklärte der Ausbilder. „Wir haben die Ehre, als erste litauische Soldaten an einem der modernsten Artilleriegeschütze der Welt ausgebildet zu werden“, sagt Stabsunteroffizier Juzumas.

Kommende Highlights

Panzerhaubitze 2000 im scharfen Schuss (Quelle: Bundeswehr/Mario Bähr)Größere Abbildung anzeigen

Der gerade begonnene Lehrgang wird für die litauischen Soldaten intensiv und abwechslungsreich bleiben. Neben der militärischen Ausbildung wird es ausreichend Gelegenheit geben, Land und Leute kennenzulernen. Ein besonderes Highlight steht im Februar an. Die Ausbildungsgruppe wird das Werk von KMW (Krauss-Maffei Wegmann) in Kassel besuchen. Dort können die litauischen Kameraden nicht nur die Produktion der Haubitze verfolgen, es ist auch das Schießen im scharfen Schuss vorgesehen.


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Stand vom: 25.01.16 | Autor: Daniel Richter


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