„Mikado“ fliegt durch das Outback
Köln/Australien, 10.03.2010.
Geräuschlos drehen sich die kleinen Rotoren. Auf den Anhöhen oberhalb des Lake Hart, einem Salzsee, schwitzen die Männer des Erprobungsteams aus allen Poren. Als die Minidrohne des deutschen Heeres namens „Mikado“ zu ihrem Testflug in die australische Gluthitze abhebt, sind die Männer zufrieden. Wieder haben sie ein technisches Problem erkannt und gelöst. Das kleine, kamerabestückte Fluggerät ist nun auch in Einsatzländern mit großer Hitze flugtauglich.

Stabshauptmann Thomas Probst beobachtet den Windmesser und sagt erleichtert: „Okay, wir fliegen!“
Die Bedingungen sind heute schwierig, die Böen pfeifen gewaltig über die Freifläche und machen es den Minidrohnen und ihren Bedienern schwierig. „Acht Meter pro Sekunde Windgeschwindigkeit sind das Limit, wir sind heute da fast dran“
, sagt der gebürtige Allgäuer. Er ist im Heeresamt eingesetzt und als Verantwortlicher des Heeres für Mikado mit der Einsatzprüfung in Südaustralien bislang rundum zufrieden.
Probst kennt die Geschichte, die zur Entwicklung von „Mikado“ (Mikroaufklärungsdrohnen für den Ortsbereich) geführt hat: Als der Befehlshaber des Heeresführungskommandos von einem Truppenbesuch aus Afghanistan zurückkehrte, hatte er einen konkreten Wunsch von Einsatzsoldaten mit im Gepäck. In der „heißen Phase“ vor den Wahlen waren dort wiederholt Patrouillen in Hinterhalte geraten und regelmäßig in – teilweise mehrere Stunden andauernde - Gefechtshandlungen verwickelt worden. Einige der betroffenen Soldaten hatten im Rahmen ihrer Vorausbildung eine unbemannte Aufklärungsdrohne kennengelernt, die ihnen nach eigener Einschätzung eine deutliche Überlegenheit über die Angreifer verschafft hätte. Der Einsatz eines solchen Systems hätte dem Patrouillenführer in der unübersichtlichen Situation mit dem Kamerablick des kleinen Fluggerätes entscheidende Informationen zur Verfügung stellen können.
Seit 2009 stehen den Soldaten im Einsatz zwölf Systeme der ersten Serie „Mikado“ zur Verfügung. Die waren in erster Linie noch für europäische Verhältnisse entwickelt worden. Im Einsatz herrschen aber andere Bedingungen vor: Hitze, Staub, Wind und Feuchtigkeit. Im Rahmen der Einsatzprüfung in Australien wird deshalb nun die zweite und dritte Serie geprüft. Es geht darum, die Wirksamkeit der Systeme den Einsatzbedingungen anzupassen, um dadurch noch mehr Sicherheit für die Kameraden im Einsatz zu gewährleisten.

Spitzentechnologie für den Einsatz
Die Drohnen liefern in Echtzeit Aufklärungsergebnisse in Form detaillierter Bilder aus dem Ortsbereich im Umkreis von rund 500 Metern. Auch in Gebäuden oder Höhlen ist eine Aufklärung mit Einschränkungen möglich. In kürzester Zeit einsatzbereit, werden die kleinen, ferngesteuerten Flieger eingesetzt, um Personen, Gruppen, Waffen, Sperren, Fahrzeuge und sonstige Objekte zu orten und zu identifizieren. Der schnelle Überblick über die Lage macht es den deutschen Soldaten möglich, schnell und präzise auf Bedrohungen zu reagieren. Insbesondere kann so das Risiko in Duellsituationen reduziert und der Schutz der eigenen Soldaten im Einsatz verbessert werden. „Mikrodrohnentechnologie ist Spitzentechnologie. Die Kunst liegt darin, Systeme zu entwickeln, die leicht aber robust sind“, erklärt der Stabshauptmann. Seiner Einschätzung nach, ist das Deutsche Heer auch im internationalen Vergleich sehr gut aufgestellt.

Wichtige Erkenntnisse gewonnen
Die Einsatzprüfung hat wesentliche Erkenntnisse gebracht. Die Entscheidung, nach Australien zu gehen, war richtig, lautet die einstimmige Meinung des „Mikado“-Teams. Es konnten hier Erkenntnisse gewonnen werden, die anderswo nicht möglich gewesen wären. Beispielsweise stellte man fest, dass sich bei einer Außentemperatur von 45 Grad die schwarze Antenne so stark erhitzt, dass es Probleme gibt. Kurzerhand wurde die Antenne weiß lackiert. Die Drohne hatte keine Einschränkungen mehr. Durch die Änderung der Farbe konnte ein Problem mehr gelöst werden. Mit geübten Händen hat das „Mikado“-Team die Drohne mittlerweile startbereit gemacht. Sorgfältig prüft Stabshauptmann Probst, ob alle Personen den erforderlichen Sicherheitsabstand einhalten. Dann geht es los. Die Rotoren der Drohne beginnen sich immer schneller zu drehen, bis sie geräuschlos und schnell Höhe gewinnt und in den wolkenlos blauen Himmel Australiens abhebt.

