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Zum Einsatz bleiben die Raubkatzen zu Hause

Hammelburg, 18.01.2010.
Das Führungspersonal der 3. Kompanie des Panzerbataillons 33 vertieft in Bonnland das infanteristische Können, um sich auf den ISAF-Einsatz in Kunduz vorzubereiten.

Panzersoldaten eingesetzt als Patrouille zu Fuß (Quelle: Heer)Größere Abbildung anzeigen

Alles ruhig. Die Patrouille zu Fuß bewegt sich entlang der Hauptstraße eines Dorfes. Autos passieren, Fußgänger grüßen freundlich. Dann plötzlich ein Knall. Sofort sucht jeder Trupp die nächste Deckung. Der Patrouillenführer versucht, den Überblick zu bewahren. Vom Führer des vorne eingesetzten Trupps erhält er die Meldung, dass ein Radfahrer eine auf dem Gepäckträger angebrachte Bombe auf Höhe der ersten beiden Soldaten gezündet hat. Die beiden Soldaten liegen am Boden und schreien vor Schmerz. Jetzt muss gehandelt werden. Eine Situation, die sich täglich in den Einsatzgebieten der Bundeswehr ereignen könnte. Doch diesmal ist es nur eine Übung in Bonnland, einem mittelgroßen Dorf auf dem Truppenübungsplatz der Infanterieschule des Heeres in Hammelburg. Seit mehreren Jahrzehnten dient dieses gewachsene, jedoch geräumte Dorf der Bundeswehr als Übungsdorf, um Soldaten im Orts- und Häuserkampf zu schulen.

Unkonventionelles Türöffnen mit Sprengstoff (Quelle: Heer)Größere Abbildung anzeigen

Sprengstoff statt Schöpfkelle

Das Führungspersonal der 3. Kompanie des Panzerbataillons 33 aus Luttmersen nutzte kürzlich diese Einrichtung im Rahmen einer Unteroffizierweiterbildung, um neues Terrain zu betreten. Die „Panzermänner“ ließen ihr Großgerät am Standort zurück, statteten sich mit der Ausrüstung „Infanterist der Zukunft“ (IdZ) aus und traten an, um – angeleitet durch Ausbilder der Infanterieschule – eine Woche lang einen Blick über den Tellerrand zu wagen. Ziel der Ausbildung war es, unter Anwendung der IdZ-Ausrüstung das Vorgehen in bebautem und bewohntem Gebiet zu üben. Eindringen in Gebäude durch Fenster oder geschlossene Türen und den Kampf von Raum zu Raum, von Stockwerk zu Stockwerk galt es zu erlernen. Dabei schlüpfte jeder Teilnehmer in verschiedene Rollen: Beispielsweise in die des Sprengtruppführer oder des Soldaten, der mit der Ramme verschlossene Türen öffnete. Selbst der Kompaniefeldwebel legte seine Schöpfkellen beiseite. Er bildete zusammen mit dem Kompanietruppführer, dem Gefechtsschadensinstandsetzungs-Truppführer und dem Kompaniechef einen Trupp. „Der Höhepunkt der Ausbildung war für mich, dass ich als Truppführer ein Türschloss mit 15 Gramm Sprengstoff aufsprengen konnte, um in ein Gebäude einzudringen“, so Feldwebel Stefan Theimer. Er ist normalerweise Panzerkommandant im I. Zug der Kompanie. Nicht nur das Sprengen von Zugängen in die Gebäude und die Zusammenarbeit von Deckungstrupp, der den Feind in der vorbereitenden Phase niederhält, Spreng- und Sturmtrupp standen auf dem Ausbildungsplan.

Ein Trupp stürmt im Ortskampf (Quelle: Heer)Größere Abbildung anzeigen

Kämpfen unter erschwerten Bedingungen

Auch das Erlernen des Kampfes von Raum zu Raum, für die Panzertruppe eher untypisch, wurde geübt. Hierfür wurde das so genannte Drillhaus, eine Halle mit möblierten Räumen, die mittels verschiebbarer Wandmodule unterschiedlich zusammengefügt werden können, genutzt. Zudem bietet sie einer Gruppe die Möglichkeit, von einer erhöhten Balustrade das Vorgehen einer anderen Gruppe zu beobachten und etwaige Fehler bei deren Vorgehen anzusprechen. Denn diese musste innerhalb von Sekundenbruchteilen entscheiden wie zu agieren ist: entweder die Person im Raum bekämpfen oder vorübergehend in Gewahrsam nehmen. Dies erforderte ein hohes Maß an Koordination, damit die entsprechenden Werkzeuge zum Öffnen von Türen – die Ramme oder das Brecheisen – den richtigen Trupps zugewiesen und verhindert wurde, dass es zu Verwechslungen mit den eigenen Kräften kam. Um in die Gebäude überhaupt hineinzukommen, erprobten die Soldaten neben dem Sprengen verschiedene Möglichkeiten. So stellte sich das Einschlagen eines Fensters als zeit- und kräfteintensiver dar, als alle vorher angenommen hatten. Auch das Eindringen über eine Leiter mit der gesamten Ausrüstung, die zwar schützt, aber bei solchen Aktionen auch behindert, war für viele eine neue Erfahrung. Doch zum Ende hin arrangierte sich jeder mit seiner zusätzlichen Ausrüstung und dem zusätzlichen Gewicht, wodurch das Auf- und Absitzen vom Transportpanzer „Fuchs“ von Mal zu Mal flüssiger wurde. Und das zusätzliche Gewicht war nicht zu unterschätzen. Ausgestattet mit Helm, Schutzweste, Kampfmittelweste, Schutzbrille, Nachtsichtgerät, einem Gewehr G36 und einer Pistole P8 im Tiefziehholster, Munition, Nebelmittel und Handgranaten sowie der persönlichen Ausrüstung hatten die Soldaten rund 30 Kilogramm an zusätzlicher Ausrüstung während der Ausbildung dabei.

Nicht immer durch die Tür… (Quelle: Heer)Größere Abbildung anzeigen

Ein eingespieltes Team

Beim Orts- und Häuserkampf ist die Aufgabenverteilung einer kleinen Kampfgemeinschaft besonders hervorzuheben. Denn die aus vier Soldaten bestehenden Trupps werden so ausgebildet, dass jeder jede Position und Funktion übernehmen kann. So erfordert gerade die Zusammenarbeit im Vierertrupp beim Kampf von Raum zu Raum, beziehungsweise das „Buddyprinzip“ einen entsprechend hohen Ausbildungsstand. Unter dem „Buddyprinzip“ wird hierbei die Zusammenarbeit eines aus zwei Soldaten bestehenden Teams verstanden. Sichert der eine beim Vorgehen in einer Ortschaft nach vorne, sichert der andere nach hinten. Oder beim Häuserkampf reicht der Eine dem anderen die Handgranate und so weiter.
Hierbei ist es wichtig, dass gegenseitiges Vertrauen aufgebaut wird und sich die Soldaten auch ohne Worte verstehen. „Da ich in meinem Zug drei weitere Dienstgrade als Kommandanten habe, war es für mich naheliegend, dass wir zusammen einen Trupp bilden. Gerade vor dem Hintergrund, dass erst vor kurzem zwei der drei Ausbilder neu in den Zug gekommen sind, konnten wir uns näher kennen lernen. Eigene Stärken und Schwächen konnten ausgelotet und besonders unsere Kommunikation, auch die nonverbale, unter psychischer und körperlicher Belastung verbessert werden“, erläutert Zugführer Oberleutnant Christian Graeser. „Mit meinem Buddy, habe ich mich zum Ende der Woche während der Ausbildungsabschnitte auch ohne Worte verständigen können.“ So erweiterte dieser Aufenthalt an der Infanterieschule in Hammelburg den Erfahrungshorizont der Teilnehmer und festigte auch den Zusammenhalt innerhalb des Unteroffizierkorps der Kompanie. Vor allem auch innerhalb der Züge.

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Annäherung im Schutz eines Transportpanzers Fuchs (Quelle: Heer)Größere Abbildung anzeigen

Intensive Vorbereitung

Auch die Kenntnisse in der Sanitätsausbildung wurden erweitert. Gerade in den derzeitigen Einsatzszenarien ist nicht immer sofort ein Arzt zur Stelle. Deshalb muss jeder ein höheres Ausbildungsniveau bei der Erstversorgung haben und ein erweitertes Spektrum an Sanitätsmaterial anwenden können. Ein speziell ausgebildeter Soldat führt einen Rucksack mit, in dem sich Notfallinstrumente, vom Zugang bis hin zu verschiedenen Tubusarten, wiederfinden. Zum Abschluss der Ausbildungswoche überquerte das Unteroffizierkorps die Ortskampfbahn. Dabei müssen Hindernisse überwunden werden, die vor allem in bebauten Gebieten vorkommen. Ein Labyrinth, das nur auf Knien und im Dunkeln durchkrochen werden kann, simuliert ein durch Beschuss in sich zusammengefallenes Haus, aus dem ein Ausweg zu finden ist. Neben der körperlichen Herausforderung liegt der Schwerpunkt bei dieser Hindernisbahn vor allem im Bereich der Selbstüberwindung und der zusätzlichen Belastung. „Alltägliches aus dem Einsatz hieß die weit gefasste Überschrift zu dieser Ausbildung. Auch eine Panzerkompanie muss sich frühzeitig auf den infanteristischen Einsatz vorbereiten. Abgesessenes Vorgehen gehört ja nicht zu unserem Tagesdienst“, betonte der Kompaniechef, Hauptmann Marvin Rieß. „Die Intensivwoche in Bonnland wurde geplant, um so die Dienstgrade der Kompanie vorzubereiten, bevor die allgemeine Ausbildung für den Einsatz beginnt. Dass zudem die Kameradschaft bei einer Buddy-Ausbildung gestärkt wurde, war ein positiver Nebenaspekt der hohen körperlichen Belastung. Ziel muss sein mit jedem Soldat im Trupp, die Vorausbildung abzuschließen. Besser geht es nicht“, fasste der Kompaniechef zusammen.

In der weiteren Ausbildungsplanung ist nun vorgesehen, die gewonnen Kenntnisse an die Mannschaftsdienstgrade weiterzugeben. Ein weiterer, einwöchiger Ausbildungsabschnitt in Bonnland soll im Zugrahmen folgen. Das neue Aufgabenspektrum der Bundeswehr und ihr damit verbundenes Engagement in diversen Operationen im Rahmen der Auslandseinsätze verlangt eben auch von Soldaten der Panzertruppe ein hohes Maß an infanteristischem Können. In Afghanistan als auch im Kosovo werden sie ohne ihre „Leoparden“ unterwegs sein. Mitte 2011 nämlich soll die Kompanie nach Kunduz verlegen.

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Stand vom: 19.01.2010

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