Boxer in Australien
Hammelburg/Australien, 31.03.2010.
Das neue, gepanzerte und nachtkampffähige Hightech-Transportfahrzeug für die Infanterie – der Boxer – wurde in Australien auf Herz und Nieren auf seine Einsatztauglichkeit geprüft. Leistungen, die beeindrucken.

Auf die deutsche Infanterie kommt was zu. Wenn man es ganz genau nimmt, dann fährt was auf sie zu – und das kann sich sehen lassen. Stattliche 32 Tonnen wiegt er, seine Maximalgeschwindigkeit beträgt 103 Kilometer in der Stunde, eine Tankfüllung kann bis zu 1.000 Kilometern reichen, und er bietet Platz für eine zehnköpfige Infanteriegruppe. Diese beeindruckenden Zahlen gehören zum Boxer, dem neuen Gepanzerten Transportkraftfahrzeug (GTK) der Infanterie. Bei den Infanteristen schwingt bereits jetzt schon eine Portion inniger Stolz mit, wenn sie über „ihren Boxer“ sprechen. Da Soldaten bekanntlich erfinderisch sind, hat es auch nicht lange gedauert, bis sie eine gebührende Bezeichnung für ihn fanden: „Mutterschiff der Infanterie.“

Ein Quantensprung
Im Rahmen der Einsatzprüfung in Australien wurde der Boxer auf Herz und Nieren, das heißt, auf seine Einsatztauglichkeit geprüft, bevor er dann den Einsatzkräften zur Verfügung steht. Oberstleutnant Joachim Geist, Verantwortlicher der Infanterieschule für die Einsatzprüfung vor Ort in Australien, erklärt dazu: „Die Idee, ein gepanzertes Transportfahrzeug in die Infanterie einzuführen, ist bereits Anfang der 90er Jahre entstanden.
“ Vergleicht man den Boxer mit den früheren und derzeitigen Transportfahrzeugen der Infanterie, also dem Zweitonner beziehungsweise dem Transportpanzer (TPz) Fuchs, dann stellt er einen wahren Quantensprung für die Truppengattung dar. Der Kampfraum des Boxer ermöglicht es der Besatzung, das gesamte Material der Gruppe „Infanterist der Zukunft“ mitzuführen. Missionsbedingt kann die Infanteriegruppe dieses dann für den jeweiligen Auftrag zusammenstellen. Nicht benötigtes Material verbleibt auf dem Fahrzeug. Auch für den „Komfort“ des Einzelnen hat sich im Vergleich zu früher einiges verändert. Mittels einer digitalen Bordverständigungsanlage können sich alle Infanteristen nun miteinander unterhalten. Eine integrierte Bordtoilette und ein Wasserkocher gestalten „das Leben auf und mit dem Boxer“ um einiges erträglicher.

Verbesserung der Panzerung und der Feuerkraft
Die moderne Panzerung bietet Schutz vor Beschuss und ermöglicht, die Infanteriegruppe näher geschützt an den Einsatzraum zu bringen. Zur Wirksamkeit im Einsatz trägt die Waffenstation FLW 200 des Boxer mit dem Granatmaschinenwerfer 40 Millimeter und dem schweren Maschinengewehr Kaliber 12,7 Millimeter bei. Sie erlauben die Feuerunterstützung sowohl gegen Flächen- als auch Punktziele. Durch ein Wärmebildgerät sind sie zudem auch nachtkampffähig. Auch dieser „Waffenmix“ und die damit einhergehenden Wirkmöglichkeiten stellen gegenüber früheren Transportfahrzeugen eine wesentliche Verbesserung dar. Allerdings merkt Oberstleutnant Geist hierzu an: „Der Boxer ist kein Kampffahrzeug, er ist in erster Linie ein Transportfahrzeug!“

Prüfung unter einsatznahen Bedingungen
Bereits jetzt kann man sagen, dass der Boxer unter einsatznahen Bedingungen sowohl in der Wüste des Outbacks als auch im tropischen Regenwald Australiens eine gute Figur machte. Einsatzerfahrene Infanteristen des Jägerbataillons 292 aus Donaueschingen waren als zukünftige Nutzer des Transporters eigens für die Einsatzprüfung abkommandiert worden. Oftmaliges gefechtsmäßiges Auf- und Absitzen, Fahren bei Tag und Nacht in schwierigem Gelände sowie allgemeine Aufgaben im Einsatz, bei Temperaturen um 40 Grad, geben nur einen kleinen Ausschnitt des von ihnen durchgeführten Testprogramms wider. In den sechs Wochen haben sie, wie alle anderen Soldatinnen und Soldaten des Einsatzprüfungsteams, in Südaustralien viel Staub geschluckt und im tropischen Queensland täglich die Uniformen durchgeschwitzt. Doch steht bekanntlich hinter jedem Anlass ein Grund! Oberst im Generalstabsdienst (i.G.) Michael Theisen, Leiter der Einsatzprüfung, fasst die Absicht der Einsatzprüfung wie folgt zusammen: „Wir haben die Einsatzprüfung in Australien für unsere Frauen und Männern in den Einsatzgebieten der Bundeswehr durchgeführt. Für sie haben wir neue Systeme geprüft, um Erkenntnisse zu gewinnen, wie wir den Schutz und die Mobilität der Kameradinnen und Kameraden im Einsatz noch weiter verbessern können.“
Und wieder bewahrheitet sich die Tatsache, dass Stillstand Rückschritt ist. Mit dem Boxer macht die deutsche Infanterie hingegen einen großen Schritt nach vorne! Nach jetziger Planung soll der Boxer Mitte nächsten Jahres in den Einsatzgebieten die Soldaten mit seinen vielseitigen Qualitäten unterstützen.
Bilder
Der Boxer nimmt Fahrt auf (Quelle: Bundeswehr/Joachim Geist/Stefan Heydt)
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