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Geschichte

Von der Gründung zum 1.Weltkrieg

Am 1. April 1895 wurde die Garnisonsverwaltung und die Kommandantur des Truppenübungsplatzes in Hammelburg in Betrieb genommen. Noch bis Mitte 1895 kaufte die Leitung der Garnisonsverwaltung von den Eignern in Hammelburg, Pfaffenhausen, Fuchsstadt, Bonnland, Hundsfeld und Obereschenbach sowie von den Großgrundbesitzern Freiherr von Gleichen-Rußwurm und Freiherr von Thüngen Land in einer Größenordnung von 741 Hektar auf. Im Mai 1895 fanden die ersten Truppenübungen des Königlich Bayerischen 2. Feldartillerie-Regiments, das in Würzburg stationiert war, statt.
In den Jahren zwischen 1896 und 1914 entstanden dann eine Vielzahl von Unterkunfts-, Verwaltungs- und Wirtschaftsgebäuden, auch Stallungen für die Pferde der bespannten Feldartillerie. Die Kapazität der Unterkünfte war so groß, dass gleichzeitig zwei Regimenter üben konnten. Anfangs übernachteten die übenden Truppen jedoch in Zelten und die Küche war in einer Wellblechbaracke untergebracht. Das wichtigste Gebäude war der 1901 fertiggestellte Wasserturm, der heute noch das Wahrzeichen ist. Von 1895 bis 1918 übten dann im Abstand von sechs Wochen die Regimenter des Königlich Bayerischen II. Armeekorps, zu dem auch die Garnisonstädte Metz und Dieuze gehörten.

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Die Zeit der Weltkriege

Während des Ersten Weltkrieges wurden in den Truppenunterkünften kriegsgefangene Belgier, Franzosen, Italiener und Russen untergebracht, während die übende Truppe wieder in Zelten übernachtete. Nach dem Ersten Weltkrieg war der Truppenübungsplatz bis 1934 demobilisiert. Von 1921 bis 1931 dienten die Truppenunterkünfte erholungsbedürftigen Kindern des Kindererholungsheimes ”Marienruhe”. Bis 1934 der Truppenübungsplatz wieder in Betrieb genommen wurde, waren die Gebäude an verschiedene Organisationen wie dem ”Freiwilligen Arbeitsdienst” vermietet.

Als die Deutsche Wehrmacht ab 1. September 1935 das Infanterieregiment 57 aufstellte, wurde Hammelburg wieder Garnisonstadt. Bis zum 1. September 1939 übten dann ständig neu aufgestellte Verbände auf dem Truppenübungsplatz Hammelburg, der 1937 durch Absiedlung der Ortschaften Bonnland und Hundsfeld um 1480 Hektar erweitert und mit Anlagen für Orts- und Waldkampf versehen wurde. Der Truppenübungsplatzkommandant Oberstleutnant Fleischhauer erhielt 1936 vom Oberkommando des Heeres den Auftrag, bis 1938 bei Wildflecken einen Mittelgebirgs-Truppenübungsplatz zu errichten und damit die Möglichkeit zu schaffen, einen Großverband aufzustellen und innerhalb eines Vierteljahres frontverwendungsfähig auszubilden.
In Jahren 1939 bis 1941 wurden gleichzeitig in den Truppenlagern Hammelburg und Wildflecken die 95., die 82. und die 99. Infanteriedivision aufgestellt und ausgebildet. Dann füllte sich das Truppenlager Hammelburg bis 1945 mit insgesamt 30.000 kriegsgefangenen Polen, Franzosen, Belgiern, Briten, Russen, Italienern und Amerikanern. Nachdem am 6. April 1945 US-Streitkräfte die Kriegs-gefangenen befreit hatten, nutzten sie das Truppenlager bis 1. April 1956 und übergaben die Liegenschaften an die Bundeswehr.

Der Standort Hammelburg in der Bundeswehr

Während die Gebäude im Nordteil des Truppenlagers bis Mai 1958 durch Flüchtlinge belegt waren, entstanden im Südteil die Infanterieschule mit zwei Lehrgruppen, in denen Laufbahn- und Verwendungslehrgänge für Offiziere und Unteroffiziere stattfanden und dem Spezialstab ATP sowie das Grenadierlehrbataillon. Im Jahre 1958 stellte die Infanterieschule die Lehrgruppe C mit vier Inspektionen, gegliedert in 15 Hörsälen auf. Bei ihr sollten zukünftig die Verwendungslehrgänge für Einzelkämpfer, Fahrlehrer für Ketten- und Radfahrzeuge, Mörserspezialisten, Scharfschützen, Schießlehrer und Schirrmeister stattfinden. Voraussetzung für die Ausbildung war die vollständige Verfügbarkeit des Truppenübungsplatzes, der von 1945 bis 1960 von Flüchtlingen, die in Bonnland eine Bleibe gefunden hatten, landwirtschaftlich genutzt wurde.

Das Lehrbataillon stellte 1960 die Kader für Einheiten der neu aufzustellenden Panzergrenadierbrigade 35 der 12. Panzerdivision. Aus ihrer 7. Kompanie entstand das Panzerbataillon 354. Die Panzerjägerkompanie wurde in die Panzergrenadierbrigade 35 übernommen. Das Lehrbataillon selbst erhielt die Bezeichnung Panzergrenadierlehrbataillon 351 und war damit im Ernstfall ein Einsatzbataillon der Panzergrenadierbrigade 35. Die Heeresstrukturreform von 1968 brachte der Infanterieschule zusätzliche Aufgaben. Die Erkenntnis, dass ein möglicher Angreifer die rückwärtigen Gebiete der Bundesrepublik Deutschland in seine Operationen einbeziehen werde, veranlasste den Verteidigungsminister dazu, das Territorialheer dem Inspekteur des Heeres zu unterstellen. Die Heimatschutztruppe, bisher nur auf ortsgebundene Sicherungskompanien und nur regional einsatzfähige Jägerverbände gestützt, erhielt für jeden Wehrbereich zwei Jägerregimenter. Die Aufgabe der Infanterieschule war es nun, die Jägerkonzeption durch den Spezialstab ATV erarbeiten zu lassen. Der 1973 aufgestellte Ausbildungs- und Arbeitsstab Territorialheer an der Infanterieschule verfasste Vorschriften und unterstützte die Ausbildung der Offiziere und Unteroffiziere des Territorialheeres.

Die zunehmende Mechanisierung und damit die Beweglichkeit der Landstreitkräfte des Warschauer Paktes erzwang eine Anpassung der Bundeswehr an die veränderte Lage. Die vierte Heeresstrukturreform gliederte das Heer in kleinere, sehr bewegliche und gepanzerte Kampfverbände, die sich in zergliedertem Gelände bei Tag und Nacht schnell an Brennpunkten zusammenfassen ließen. Damit änderte sich der Auftrag der Infanterieschule. Die Ausbildung der Einzelkämpfer übernahm die Luftlande- und Lufttransportschule Altenstadt. Die Infanterieschule bildete nun die Panzergrenadiere im aufgesessenen Kampf aus und betrieb mit Nachdruck die Panzerabwehrausbildung.
Die Wiedervereinigung Deutschlands war mit einer Reduzierung der Bundeswehr auf 370 000 Soldaten verbunden. 1993 wurde die Panzergrenadierbrigade 35 aufgelöst. Außerdem wuchs Deutschlands Verantwortung für Aufgaben im Rahmen der NATO und insbesondere der Vereinten Nationen. Dieser neuen Lage trug die fünfte Heeresstrukturreform von 1995 Rechnung. In der VIII. Inspektion der Lehrgruppe B wurden von da an VN-Militärbeobachter und Führer von Krisen-Reaktions-Kräften ausgebildet. Die XI. Inspektion erhielt die Aufgabe, Soldaten auf ihren Einsatz im Ausland vorzubereiten. Außerdem wurde eine Arbeitsgruppe ”Schutz” ins Leben gerufen. Diese wurden 1999 im VN Ausbildungszentrum zusammengefasst und von der Lehrgruppe B getrennt. In den Folgejahren übernahm dieser neu geschaffene Bereich im Scherpunkt die Einsatzausbildung für nationale und internationale Lehrgangsteilnehmer. Mit der Übergabe der eigenen Truppenfahne, am 22.04.2010 wurde das VN Ausbildungszentrum Bw zur eigenständigen Dienststelle.

Garnisonsstadt Hammelburg

Diese lange Tradition als Garnisonstadt prägte auch die Bürger Hammelburgs, zumal viele als Soldaten oder als zivile Mitarbeiter der Standortverwaltung tätig sind. Vor allem während der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts fand das seinen Ausdruck in einem gemeinsamen mehrtägigen Fest mit dem Titel ”Historisches Hammelburg”, das der Bürgermeister und der Kommandeur der Infanterieschule vereinbart hatten. An seine Stelle trat 1995 das ”Bonnlandfest” der Infanterieschule, an dem sich Hammelburgs Einwohner als Musikanten, Volkstänzer, Schausteller und anderem aktiv beteiligen. Das Bonnlandfest wurde zuletzt im Jahr 2005 mit internationaler Beteiligung gefeiert. Über 25.000 Besucher aus ganz Unterfranken kamen.

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Tradition an der Infanterieschule

Der "Infanteriestein"

Vermag ein Gedenkstein den Soldaten anzusprechen, wenn dieser Stein nicht bezogen ist auf ein bestimmtes Geschehen der Vergangenheit, sondern wenn seine Truppengattung und damit er selbst dargestellt wird?
Ein großer Steinblock aus der hiesigen Gegend wurde am 11. September 1964 durch den Grenadier Kluge nach den Plänen eines jungen Offiziers der Schule in zeitloser Gestaltung geschaffen. Seine Symbolik umfasst alle Infanteristen der Vergangenheit, die Lebenden und die Toten, und wendet sich an den heutigen und zukünftigen Infanteristen.

Der Wahlspruch der Infanterie lautet:

" Pedites pugnas decernent "

" Es sind die Infanteristen, die die Schlacht entscheiden"

Der Truppenmarsch der Schule ist der Parademarsch für Fußtruppen:

" Die deutsche Kaisergarde"

Komponist ist der Musikmeister des 1. Garderegiments zu Fuß/ Potsdam
Friedrich Wilhelm Voigt 1833 - 1894 Der Marsch wurde 1883 zur Erinnerung an die Schlacht bei GROSS - GÖRSCHEN (1813) komponiert

Die "General-Heusinger-Straße"

als "Hauptstraße" in der Infanterieschule vom Haupttor bis Südtor erinnert an den ersten Generalinspekteur der Bundeswehr, genauso wie die General Heusinger-Kaserne als "Lager übender Truppen".

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Die Lehrsammlung der Infanterieschule

In diesem Zusammenhang ist auch die von der Infanterieschule eingerichtete Lehrsammlung für verwendungsbezogene Ausbildung zu sehen. Diese ist in ein Grundprogramm und ein Vertiefungsprogramm aufgeteilt.
Die Lehrsammlung stellt insgesamt die Geschichte der Infanterie an ausgewählten Beispielen dar. Abgedeckt wird dabei der Zeitraum von Friedrich dem Großen bis zur heutigen Bundeswehr.
Dabei wird der Wandel von Uniformen, Ausrüstung, Bewaffnung, Gliederung, Kampfweise, Taktik und Ausbildung aufgrund von politischen, soziologischen und technischen Veränderungen der Epoche betrachtet.
In verschiedenen Hallen wird Großgerät der Infanterie von etwa 1900 bis circa 1985 ausgestellt.
Jeder Bereich enthält Aussagen zur heutigen Lehre und Ausbildung.
Über dieses Grundprogramm hinaus existiert das Vertiefungsprogramm, aufgeteilt in die Bereiche
  • bis 1919
  • 1920 bis 1945
  • 1956 bis heute
in dem die Geschichte der Infanterie vertieft wird.

Die Zielgruppen für einen Besuch der Lehrsammlung sind:
  • Lehrgangsteilnehmer
  • die Truppe
  • Reservistenverbände
  • ein interessierter Personenkreis aus der Öffentlichkeit
Eine Besuchergruppe sollte maximal 25 Personen umfassen.

Ansprechpartner

Grund- und Vertiefungsprogramm
Telefon: (0 97 32) 7 84 - 34 71

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Stand vom: 07.08.12 | Autor: Redaktion Heer


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