Angesprengt und verwundet: Die Rettung kommt aus der Luft

Stadtallendorf, 19.02.2013.
Nah dran an der Realität im Einsatz: Soldaten verschiedener Einheiten haben jetzt in Stadtallendorf die Rettung verwundeter Soldaten aus der Luft geübt. „Tiger“ und „NH90“, die nagelneuen Hubschrauber des Heeres, geben den deutschen Soldaten nun im Einsatz ganz neue Möglichkeiten: Schutz und Rettung aus der Luft.
Das Übungsszenario: Eine Patrouille deutscher Soldaten bewegt sich entlang einer Straße im Einsatzland. Dann ein Lichtblitz – ein lauter Detonationsknall aus dem hinteren Bereich des Fahrzeugkonvois. Der Feuerkampf bricht los, Schreie von verwundeten Soldaten. Ein Hinterhalt!
Sie üben den Ernstfall, nahe an der Realität im Einsatz: Die Erkundergruppe der Stabskompanie der Division Spezielle Operationen unter Führung von Hauptfeldwebel Andreas Mohr. „Das Üben und Handeln unter Einsatzbedingungen ist ein Muss und gerade die medizinische Erstversorgung rettet Leben“, sagt der einsatzerfahrene Soldat.
Nicht nur die Patrouille und der Feuerkampf sind Teile der Ausbildung sondern insbesondere die Zusammenarbeit mit „Forward AirMedEvac“ - der taktischen Erstversorgung für Medizinische Evakuierung aus der Luft. Unter feindlichem Feuer Verwundete aus dem Fahrzeug zu retten, zu versorgen und den Abtransport sicherzustellen, ist der Schwerpunkt der Übung. Nach dem der „Medic“, der qualifizierte Ersthelfer, die Verwundeten erstversorgt und stabilisiert hat, muss der Abtransport und die Übergabe an die Hubschrauberbesatzung sichergestellt werden.

Denken, drücken, sprechen
Mit einem „9-Liner“ - einer Checkliste mit präzisen Informationen für die Luftretter der „AirMedEvac“ - wird von den angegriffenen Soldaten per Funk der militärische Rettungshubschrauber „MedEvac“ angefordert. In der Zwischenzeit übernehmen zwei Unterstützungshubschrauber vom Typ „Tiger“ den Feuerkampf aus der Luft gegen die feindlichen Kräfte am Boden. Angefordert und ins Ziel eingewiesen werden diese durch speziell im „Close Combat Attack“ (Nahkampfangriff) ausgebildete Soldaten. Die Absprachen zur Luftunterstützung in Zusammenarbeit mit Bodentruppen und Luftfahrzeugbesatzungen führt das überlegene Feuer der Hubschrauber ins Ziel.
Die Bodentruppen weisen den Piloten die feindlichen Stellungen zu, um diese dann zu bekämpfen. Dabei ist es wichtig, nicht in Hektik zu geraten, sondern den genauen Ort, seine Absicht, Art des Feindes und Möglichkeiten der Bekämpfung sehr deutlich und klar abzusprechen, um die eigene Truppe nicht zu gefährden. Die eigene Absicht in Englisch mit der Luftfahrzeugbesatzung über Funk abzustimmen, ist eine große Herausforderung. Diese Aufgabe übernimmt hier ein Mannschaftsdienstgrad, der dafür eine spezielle Ausbildung in den Niederlanden absolviert hat. „Man hat ja nicht immer deutsche Luftunterstützung im Einsatzland, sondern auch die der NATO-Partner, da ist jegliche Kommunikation in Englisch. Da müssen wir erst denken, dann drücken, dann sprechen“, so Mohr über die besondere Herausforderung beim Funkverkehr

AirMedEvac: Rettung aus der Luft
Die Verwundeten werden mit der ganzen Patrouille zu einer sicheren Landezone für den Transporthubschrauber NH 90 gebracht und sichern diese für die Rettung aus der Luft. Kurze Zeit später, unter Überwachung der Tigerbesatzungen, landet der NH 90. Der ist für Verwundetentransporte ausgerüstet. Die verwundeten Soldaten werden aufgenommen und zur nächsten Rettungsstation geflogen. Dabei werden sie an Bord durch einen Arzt und einen Rettungsassistenten weiter medizinisch versorgt.

„Train as you fight“
Hauptmann Christian Brande, Kompaniechef der Stabskompanie der DSO, zur Ausbildung: „Bei dieser Ausbildung kommt es darauf an, die gemeinsamen Verfahren, insbesondere mit den neuen Hubschraubern des Heeres zu trainieren. Unter der Devise „Train as you fight“ – Trainiere, wie Du kämpfst - versuchen wir die im Einsatz erprobten Verfahren zu festigen und weiterzuentwickeln. So können wir direkt zu einer noch besseren einsatzvorbereitenden Ausbildung für unsere Soldaten beitragen.“
Auch bei den medizinischen Aspekten dieser Ausbildung wird nichts dem Zufall überlassen: Der Generalarzt des Heeres, die Divisionsärzte der Divisionen Luftbewegliche Operationen (DLO) und Spezielle Operationen (DSO) sowie die Fliegerärztin aus dem mittleren Transporthubschrauberregiment begleiten jeden Schritt.
Die ab 2014 zusammengeführten Kräfte der DSO und der DLO üben schon heute gemeinsam auf dem Standortübungsplatz in Stadtallendorf. Bei der hier beschriebenen Übung haben Soldaten der Stabskompanie der DSO und Angehörige des Transporthubschrauberregiments 10 aus Fassberg sowie vom Kampfhubschrauberregiment 36 aus Fritzlar teilgenommen.

