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Zitadelle genommen: Fallschirmjäger üben auf Korsika

Calvi/Korsika, 13.12.2010.
In den frühen Morgenstunden startete für die deutschen Fallschirmjäger die internationale Übung Colibri mit der Alarmierung und Verlegung in den Verfügungsraum. Ziel dieser Übung, ist die Stärkung der Zusammenarbeit zwischen europäischen Luftlandeeinheiten bei einer Militärischen Evakuierungs- Operation. Neben den Fallschirmjägern aus Lebach nehmen auch Soldaten aus Frankreich und Belgien an der Operation teil.

Lebacher Fallschirmjäger greifen in das Geschehen ein (Quelle: Heer/Michael Seidel)Größere Abbildung anzeigen

Noch herrscht Ruhe auf den Flughafen von Calvi-Sainte Catherine. Doch am Horizont ist schon die Silhouette eines militärischen Transportflugzeugs zu sehen. Das Flugzeug nähert sich mit eingeschalteten Landeleuchten dem Flughafen. Unmittelbar nach der Landung der belgischen Herkules C-130 öffnet sich die Heckklappe. Am Ende der Start- und Landebahn dreht der Transporter ab und stoppt. Aus der inzwischen ganz geöffneten Heckklappe verlassen rund 60 belgische Soldaten im Laufschritt den Frachtraum. Nach kurzer Orientierung beziehen sie Stellungen auf dem Flughafengelände und sichern diesen für die weitere Anlandung von Soldaten und Material. Das Flugzeug ist bereits wieder gestartet und in der Luft.

In der zweiten „Welle“, so wird eine Anlandung genannt, landen mit der deutschen Transall C-160 die ersten deutschen Soldaten auf dem Flugplatz. Auch hier verläuft alles reibungslos und die Maschine ist innerhalb kürzester Zeit wieder in der Luft. Jetzt werden Absprachen mit den Belgiern getroffen. Dann heißt es Marschbereitschaft herstellen, und die deutschen Soldaten marschieren in Gefechtsformation los. Ihr Auftrag lautet, einen befohlenen Strandabschnitt zu gewinnen und zu sichern. Im 30-Minuten-Takt werden in mehreren Wellen die teilnehmenden Soldaten auf dem Flugfeld abgesetzt.

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Umsteigen ins Landungsboot (Quelle: Heer/Michael Seidel)Größere Abbildung anzeigen

Realistische Vorbereitung auf den Einsatz

Das Übungsszenario findet in einem fiktiven unabhängigen Land statt - eine ehemalige Kolonie, die sich trotz großer Vorräte an Bodenschätzen in einer ökonomischen Krise befindet. Eine terroristische Gruppierung gewinnt in dieser Übungslage zunehmend an Einfluss. Die europäische Gemeinde fühlt sich bedroht, besonders nach der Entführung und Hinrichtung von sieben Europäern. Die regulären Sicherheitskräfte sind mit der Situation total überfordert. Daraufhin wurde eine europäische Operation befohlen, um europäische Staatsbürger zu evakuieren.

Der multinationale Gefechtsverband aus deutschen, belgischen und französischen Fallschirmjägern soll mit einem Überraschungsangriff den Raum um Calvi gewinnen, Schlüsselgelände besetzen und kontrollieren, um so ein sicheres Umfeld für die Evakuierung zu schaffen.

Alles Utopie? Wie real dieses Szenario ist, verdeutlicht die momentan gespannte Situation an der Elfenbeinküste. Dort leben mehrere tausend französische Staatsbürger. Nach dem Beginn der Unruhen dort, sind die französischen Legionäre, real in eine erhöhte Alarmbereitschaft versetzt worden. Dies wirkt sich auch auf die Übung aus. Statt der drei teilnehmenden Kompanien des französischen Fallschirmjägerregimentes ist nur noch eine Kompanie an der Übung Colibri beteiligt.

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In der Zitadelle wohnen europäische Staatsbürger (Quelle: Heer/Michael Seidel)Größere Abbildung anzeigen

Suche nach Terroristen

Ohne Feindberührung erreichen die Lebacher Soldaten einen Strandabschnitt. Dieser wird nach versteckten Sprengladungen und möglichen Verstecken der Rebellen durchsucht. Doch weit und breit ist nichts von den Terroristen zu sehen. Rund zwanzig von diesen werden in der Zitadelle am nordöstlichen Rand der Stadt Calvi vermutet. Die Kompanie hat jetzt den Auftrag, den Angriff über das Gewässer auf die Zitadelle vorzutragen, das Gelände zu durchsuchen und europäische Staatsbürger in Sicherheit zu bringen. Die Zitadelle liegt auf einem Kalkhügel und ist eine ehemalige Genueser Festung aus dem 13. Jahrhundert - direkt am Meer gelegen.

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Anlanden im Neoprenanzug (Quelle: Heer/Michael Seidel)Größere Abbildung anzeigen

Fallschirmjäger landen von See an

Die Fallschirmjäger werden mit Schlauchbooten zum Landungsboot „La Rapiere“ übergesetzt und steigen auf hoher See um. Nachdem alle über die Bugrampe ins Innere gelangt sind, nimmt das Boot Kurs auf den direkt neben der Zitadelle liegenden Hafen von Calvi.

Fünf französische mittlere Transporthubschrauber „Puma“ kreisen über dem Ziel der Deutschen. Aus dreien von ihnen springen Legionäre aus fünf Meter Höhe im schwarzen Neoprenanzug ins Meer. Von Seeseite aus sollen sie das Ufer erreichen. Aus den anderen Pumas seilen sich weitere französische Soldaten ab und bringen sofort wichtige Punkte auf dem Kalkfelsen unter ihre Kontrolle. In ihren Neoprenanzügen schwimmen die Soldaten an Land und sichern die Landungsstelle für das Anlegen des Landungsbootes. „Das Übersetzen mit den Schlauchbooten und dem Landungsboot war für mich eine aufregende und auch nasse Erfahrung“ so der junge Übungsteilnehmer Feldwebel Patrik Hermsdorf (25) über seine Erlebnisse.

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Legionäre bringen das Kletternetz an (Quelle: Heer/Michael Seidel)Größere Abbildung anzeigen

Auftrag erfüllt - Zitadelle genommen

Inzwischen ist es dunkel geworden. Schweres Atmen und Schnaufen unterbricht die Stille. Die ersten Fallschirmjäger der Saarlandbrigade erreichen nach anstrengender Kletterei die Zitadelle. Um heraufzukommen, mussten Sie die letzten zehn Höhenmeter über ein Kletternetz zurücklegen. Oben angekommen sieht man in den schweißglänzenden Gesichtern die Strapazen.

Neben den Waffen tragen die Soldaten ihre persönliche Ausrüstung, Verpflegung für zwei Tage, Funkgräte und noch weitere Ausrüstung auf ihren Schultern. Alleine der Rucksack mit der Ausrüstung wiegt mindestens 20 Kilogramm. „Ich bin erleichtert dass alles so gut gelaufen ist und ich ohne Probleme das Kletternetz geschafft habe“, flüstert einer leise in der Dunkelheit. Die Legionäre hatten, nach dem sie den Geländeabschnitt unter ihre Kontrolle gebracht haben, das Kletternetz an der Befestigungsmauer angebracht. Nachdem die Häuser und Gassen der Zitadelle übungsgemäß während der Nacht nach Terroristen abgesucht wurden, gilt der Auftrag als erfüllt.

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Militärische Beobachter (Quelle: Heer/Michael Seidel)Größere Abbildung anzeigen

Colibri sorgt für Aufsehen

Das Interesse an Colibri ist groß. Neben militärischen Vertretern aus den USA, Japan und den Niederlanden sind mehrere französische Medienvertreter und ein Kamerateam der französischen Armee vor Ort und informieren sich über die 43. Internationale Übung dieser Art. Aber auch viele Bewohner Calvis und Gäste der Zitadelle beobachten mit großem Interesse das Geschehen.

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Suche nach Aufständischen (Quelle: Heer/Michael Seidel)Größere Abbildung anzeigen

Abwechslungsreich und aufregend

Noch während der Nacht seilen sich die Männer aus der luftigen Höhe der Zitadelle rund 40 Meter ab herunter zum Meer. Von dort marschieren sie mehrere Kilometer im Gefechtsmarsch an der Küste entlang. Dort wartet ein Landungsboot, um die Soldaten wieder zum Festland zurückzubringen. Von dort marschieren sie auf direktem Weg ins Camp Raffalli. Dort angekommen werden die Waffen gereinigt und die persönlichen Ausrüstung wird überprüft und gereinigt.

Erschöpft, aber zufrieden mit ihrer Leistung geht es für die deutschen Fallschirmjäger unter die wohlverdiente Dusche. „Die Übung war abwechslungsreich und aufregend. Am meisten hat mir das Abseilen im Dunkeln gefallen. Es war herausfordernd, ich habe viel gelernt, es hat Spaß gemacht“, so das persönliche Resümee vom Oberstabsgefreiten Daniel Fomenkov (23) bei der internationalen militärischen Evakuierungsoperation Colibri 2010 auf Korsika.

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Stand vom: 07.08.12 | Autor: Michael Seidel


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