Startseite Heer

Sie sind hier: Startseite > Aktuelles > Nachrichten und Berichte > Jahr 2007 > September 2007 > Kein Einsatz wie jeder andere

Kein Einsatz wie jeder andere

Köln, 12.09.2007.
Vor dem Gebäude des Heeresmusikkorps 12 in der Veitshöchheimer Balthasar-Neumann-Kaserne herrscht emsige Betriebsamkeit. Die letzten Instrumentenkoffer werden in die zwei bereitstehenden Busse verladen, ein letzter Schluck aus der Wasserflasche genommen und dann geht es für die über 50 Soldatinnen und Soldaten des Heeresmusikkorps 12 los. Vor den Musikern liegt eine über 300 Kilometer lange Busfahrt in die Domstadt Köln, um dort einen nicht alltäglichen Einsatz zu spielen, genauer gesagt die Nationalhymnen Deutschlands und Rumäniens beim Fußball-Länderspiel in der RheinEnergie-Arena in Köln.

Die beiden Nationalmannschaften kurz vor den Nationalhymnen.
Kurz vor den Nationalhymnen (Quelle: Heer/Sascha Hauser)Größere Abbildung anzeigen

Vor Tausenden Zuschauern im Stadion sowie einem Millionenpublikum an den TV-Schirmen zu musizieren ist auch für einen Militärmusiker eher die Ausnahme, denn zu den wichtigsten Aufgaben des Heeresmusikkorps 12 zählt zunächst die Truppenbetreuung im In- und Ausland. So wird das fränkische Militärorchester neben militärischen Zeremoniellen wie Gelöbnissen oder dem Großen Zapfenstreich auch bei den Bundeswehrkontingenten in Bosnien-Herzegowina und dem Kosovo eingesetzt. Doch am vergangenen Mittwoch traten die Musikerinnen und Musiker in Uniform als Botschafter der Bundeswehr in der Öffentlichkeit auf, was ebenfalls zum Auftrag der Musikkorps der Bundeswehr zählt. Aber bei einem Länderspiel die Hymnen spielen zu dürfen, ist doch noch etwas anderes, als bei Benefizkonzerten oder Militärmusikfestivals aufzutreten, zumal der „Kölsche Jung“ Lukas Podolski in der Anfangsformation stand und somit mit einem ausverkauften Haus zu rechnen war.

nach oben

Wo man sonst nicht hinkommt - Im Innenraum des Kölner Stadions.
Wo man sonst nicht hinkommt (Quelle: Heer/Sascha Hauser)Größere Abbildung anzeigen

16.30 Uhr, RheinEnergie-Arena, Köln-Müngersdorf

Kaum angekommen am Stadion – die ersten Fans in Schwarz-Rot-Gold warteten schon auf Einlass – heißt es für die Soldatinnen und Soldaten vom Bus direkt zur Stell- und Klangprobe auf den Rasen des Stadions. Nachdem der „Sound-Check“, freilich noch vor leeren Rängen, absolviert ist, und mit den Ballkindern und Fahnenschwenkern alles genau abgestimmt ist, beginnt die Wartezeit auf die entscheidenden fünf Minuten des Auftrittes. Manch einer nutzt die Pause, um sich das Stadion einmal aus Spielerperspektive vom Innenraum anzusehen, andere stärken sich mit Domstädter Bockwurst oder Brezeln.

nach oben

Nur noch wenige Sekunden bis zum Auftritt.
Wenige Sekunden bis zum Auftritt (Quelle: Heer/Sascha Hauser)Größere Abbildung anzeigen

20.15 Uhr, Marathon-Tor, RheinEnergie-Arena

Alles ist auf Stand-By. Die Instrumente des Heeresmusikkorps blinken im Flutlicht. Geduldig warten die Musiker in tadellosen Uniformen und weißem Koppelzeug auf den Abruf per Funk. Als der Stadionsprecher die Aufstellung der deutschen Nationalmannschaft verkündet, marschiert das Heeresmusikkorps 12 unter der Führung von Major Burkard Zenglein ein und nimmt auf Höhe der Mittellinie vor den Trainerbänken Aufstellung. Die 44.500 Zuschauer, bereits von der Kölner Kultband „Höhner“ in Stimmung gebracht, warten auf die beiden Teams, die kurz darauf aus dem Spielertunnel treten: Blitzlichtgewitter von den Rängen und den Fotografen am Spielfeldrand, vereinzelte Pfiffe, die aber sofort verstummen, als der Stadionsprecher die Zuschauer auffordert, sich für die Nationalhymnen von den Plätzen zu erheben. Und dann geht es los, zuerst die rumänische Nationalhymne. Als anschließend nach einer kurzen Pause die ersten Töne der deutschen Nationalhymne erklingen, singt das ganze Stadion mit in einem schwarz-rot-goldenen Fahnenmeer mit.

nach oben

Gespanntes Warten auf den Auftritt.
Gespanntes Warten auf den Auftritt (Quelle: Heer/Sascha Hauser)Größere Abbildung anzeigen

20.35 Uhr, im Stadionaußenbereich

Gelöste Stimmung bei Heeresmusikkorps, entspannte Gesichter. Alles ist gut verlaufen, der Einsatz ist beendet. Für einen Teil der Musiker heißt es bereits Abschied zu nehmen, denn am nächsten Tag steht wiederum ein Einsatz auf dem Programm. Die anderen nutzen die vom DFB zur Verfügung gestellten Karten und machen sich, nachdem die Instrumente wieder ordentlich verstaut sind, auf den Weg in die Nordkurve. Auf der Tribüne angekommen steht es schon 1:0 für Rumänien, aber alle sind sich einig, dass die deutsche Mannschaft das Spiel noch herumbiegt.

nach oben

Entscheidung- Nach dem Treffer von Lukas Podolski.
Nach dem Treffer von Lukas Podolski (Quelle: Heer/Sascha Hauser)Größere Abbildung anzeigen

22.30 Uhr, auf dem Weg zum Busparkplatz

Deutschland hat das Spiel tatsächlich noch gedreht und durch eine starke Leistung in der 2. Halbzeit mit 3:1 gewonnen. „Wie war denn der Auftritt so aus der Zuschauerperspektive?“, fragt mich einer der Musiker. „Also, von oben sah alles sehr gut aus, und als alle Zuschauer auch noch mitgesungen haben, war dies schon ein erhebender Moment“, antworte ich. Auch Major Zenglein bestätigt meinen Eindruck, dass das Heeresmusikkorps 12 einen guten Auftritt dargeboten hat: „Das war schon ein Highlight, dass gerade den jüngeren von meinen Soldaten besonders im Gedächtnis bleiben wird. Und gewonnen hat Deutschland auch noch“, fügt er schmunzelnd hinzu.

nach oben

Einmal auf der Trainerbank sitzen.
Einmal auf der Trainerbank sitzen (Quelle: Heer/Sascha Hauser)Größere Abbildung anzeigen

23.30 Uhr, auf der A3 in Richtung Frankfurt

So langsam wird es ruhig im Bus des Heeresmusikkorps. Gedämpftes Licht, vereinzelt wird noch über die vergebenen Torchancen der Deutschen diskutiert. „Das 3:1 geht in Ordnung, in der 1. Halbzeit war Rumänien eigentlich besser, dafür waren die Deutschen in der 2. Halbzeit hoch überlegen und haben nahezu keine Fehler mehr gemacht“, so die einhellige Meinung. „Und der Auftritt?“ „Der war genauso: keine Fehler!“, grinst einer und wendet sich seinem Handy zu, um von einem langen, aber auch ereignisreichen Tag zu berichten. Eben kein Einsatz wie jeder andere.

nach oben


FußFzeile

nach oben

Stand vom: 07.08.12 | Autor: Markus Brennfleck


http://www.deutschesheer.de/portal/poc/dlo?uri=ci%3Abw.heer_dlo.aktuelles.nachrichten.jahr07.september07&de.conet.contentintegrator.portlet.current.id=01DB050400000001%7C7788TG396INFO