Logo Heer

Sie sind hier: Startseite > Aktuelles > Nachrichten und Berichte > Jahr 2010 > März 2010 > Soldat und Muli sind ein Team

Soldat und Muli sind ein Team

Bad Reichenhall, 15.03.2010.
Auch im Zeitalter der Digitaltechnik und Hubschrauber hält die Bundeswehr noch Mulis und Haflinger. Ob in den Alpen oder in Afghanistan: Wo kein Reifen mehr dreht, keine Kette mehr läuft und kein Hubschrauber mehr landen kann, dort ist das Einsatzgebiet der Pferde und Tragtiere der Gebirgsjäger.

Die Stallwache kümmert sich rund um die Uhr (Quelle: Heer/Volker Jung)Größere Abbildung anzeigen

Der Abend bringt eiskalte Dunkelheit über das oberbayrische Bad Reichenhall. In der Artilleriekaserne stehen die Tiere ruhig zur Fütterung in ihren großen Ställen, bis es wieder in die Freilaufgehege hinaus geht. Es duftet nach frischem Heu und der typische Geruch, der den Pferden eigen ist, liegt in der Luft. Hier und da leises Kettengeklapper, hin und wieder schnauft eins der Tiere mit den Nüstern. Zwei Soldaten schaffen emsig Heu und Stroh vom Speicher. Es ist die Stallwache, ihr Dienst dauert 24 Stunden. „Wir schauen, ob alles in Ordnung ist“, sagt Obergefreiter Manuel Paul. Er ist heute mit seinem Kameraden Ludwig Huber zur Stallwache eingeteilt. Ungefähr vier Mal im Monat sind die beiden Tragtierführer damit an der Reihe. „Wir kontrollieren den Allgemeinzustand der Tiere, und sorgen für deren Wohlbefinden“, erklärt Huber.

nach oben

Die Haflinger (Quelle: Heer/Volker Jung)Größere Abbildung anzeigen

Einzigartige Einheit

Das Einsatz- und Ausbildungszentrum für Gebirgstragtierwesen (EAZ) ist eine einzigartige Einheit im Heer. Mit 43 Maultieren und 18 Haflingern hält das EAZ die größte Maultierpopulation in Europa. Die Haflinger sind mit Masse im Reitzug zusammengefasst. Sie eignen sich für den Einsatz als Reittiere im Gebirge, zum Beispiel für berittene Streifen. Das Maultier (Muli) ist eine Kreuzung zwischen Eselhengst und Pferdestute. Mulis haben die Ausdauer und die Trittsicherheit eines Esels, in Kombination mit der Geradlinigkeit, der Kraft und dem Mut eines Pferdes.

nach oben

Schifflechner sorgt für neue Eisen (Quelle: Heer/Volker Jung)Größere Abbildung anzeigen

Der Schokoriegel der Tiere

Der nächste Morgen wartet mit Sonnenschein auf. In den Ställen herrscht schon reges Treiben. Die Tragtierführer sind eingetroffen. Die Ställe müssen neu eingestreut werden und die morgendliche Hufpflege steht an. Aus der Schmiede klingen helle Hammerschläge. Stabsunteroffizier Andreas Schifflechner bearbeitet ein glühendes Hufeisen auf dem Ambos. Er ist einer von zehn Hufschmieden des EAZ. Mit seinen Kameraden sorgt er für die Trittsicherheit der Tiere. Diese tragen bereits den sogenannten Snow-Grip im Huf, das sind Gummieinlagen, die Schneeballen in den Hufen verhindern. Hauptfeldwebel Uhli Rößner (42) hat ebenfalls seinen Arbeitsplatz im Stall bezogen. Er ist der Futtermeister. „Jedes Tier bekommt acht Kilo Heu und Stroh pro Tag zu fressen“, sagt Rößner. Das könnten die Stallwachen den Tieren selbstständig reichen. „Das Kraftfutter, Pellets aus Gras und Mineralstoffen, gequetschtem Hafer und Mais und zusätzliches Mineralfutter wird ausschließlich durch den Futtermeister zugeteilt“, fährt er fort. So richte sich die Ration nach dem Gewicht des Tieres und nach der Leistung, die abgefordert werde. Vor Übungen und Einsätzen würden die Rationen erhöht. „Das Kraftfutter ist sozusagen der Schokoriegel der Tiere“.

nach oben

„Sprechstunde“ (Quelle: Heer/Volker Jung)Größere Abbildung anzeigen

Den Arzt im Hause

Im Krankenstall des EAZ hält Oberstabsveterinär Dr. Stefan Hampel (42) seine „Sprechstunde“ ab. Zwei Mulis sind schlecht durch den Haarwechsel gekommen, eins befindet sich wegen eines lädierten Gelenkes in Behandlung. Zu den Aufgaben des Tierarztes gehört nicht nur die tierärztliche Versorgung, sondern er wacht über die ordnungsgemäße Tierhaltung und -fütterung, über den Tierschutz und den Hufbeschlag. „Wir verfügen über eine gut eingerichtete Praxis in der wir auch kleinere Operationen durchführen können“, sagt Hampel.

nach oben

Führer und Tragtier, ein Team (Quelle: Heer/Volker Jung)Größere Abbildung anzeigen

Die Lebensader

Mittlerweile sind die Arbeiten im Stall abgeschlossen. Heute steht auf dem Dienstplan der Einheit: Bewegungsausritt mit den Haflingern und Bewegungsmarsch für die Mulis. Stabsunteroffizier Marco Schneidenbach (25) führt sein Muli Vroni aus dem Stall. Schneidenbach ist Tragtierführer. Als Zeitsoldat für acht Jahre ist er bereits fünf Jahre bei der Bundeswehr. Er verfügt über Erfahrungen mit Tragtieren. So hat er schon oft im Gebirge Soldaten mit Essen und Trinken versorgt. Alles was gebraucht wird, können die Tragtiere bringen: Munition, Batterien, Waffenteile und vieles mehr. „Der Tragsattel wiegt 50 Kilogramm, eine Nutzlast von maximal 130 Kilogramm kann das Muli auf kurzen Strecken zusätzlich transportieren“, sagt Schneidenbach. Für im Gebirge eingesetzte Soldaten bedeutet das die Lebensader der Versorgung, gerade bei widrigen Witterungsumständen.

nach oben

Der Chef (Quelle: Heer/Volker Jung)Größere Abbildung anzeigen

Keine Nachwuchssorgen

Ein Muli nach dem anderen wird aus dem Stall gebracht. Über jedem hängt ein Schild. Auf dem stehen der Name, das Geburtsjahr und der Diensteintritt des Tieres. Mulis können zwischen 30 und 40 Jahre alt werden. Bis ins hohe Lebensalter verrichten sie ihren Dienst. Gegen einen symbolischen Betrag werden sie danach oft von ehemaligen Tragtierführern oder Pferdeliebhabern erworben. „Unseren Nachwuchs beziehen wir zum Großteil aus Deutschland“, sagt Oberfeldveterinär Dr. Franz von Rennenkampff, der Dienststellenleiter und Chef. So gebe es gute Hobbyzuchten vor allem in den neuen Bundesländern. „Ansonsten weichen wir auf Züchter im europäischen Raum aus“, so Rennenkampff.

nach oben

Nachtarbeit (Quelle: Heer/Volker Jung)Größere Abbildung anzeigen

Tragtiere unentbehrlich

Während in den 70er Jahren das Tragtierwesen im Heer schon fast totgesagt war, ist es heute unentbehrlich. Zahlreiche Tragtiereinsätze im Kosovo haben dies deutlich gemacht. Und auch im Afghanistaneinsatz wurden erste Erfahrungen gesammelt. „Der Einsatz von Tragtieren ist immer dann zweckmäßig, wenn höhen- und geländebedingt der Einsatz von Kraftfahrzeugen und Hubschraubern nicht mehr geht“, sagt der Dienstellenleiter. So hätten seine Männer bereits Erfahrungen in Afghanistan sammeln können und bei Bedarf ständen sie sofort zur Verfügung. Ein Tag neigt sich dem Ende zu. Es ist wieder ruhig geworden. Satt und zufrieden stehen die Tiere in ihren sauber hergerichteten Freiläufen, oder haben sich zum schlafen hingelegt. Ab und zu huscht eine eifrige Gestalt durch die Nacht, Kontrolle ob alles in Ordnung ist - und ob sich die Tiere wohlfühlen.

nach oben

Bilder


Stand vom: 29.03.2010 | Autor: Volker Jung

http://www.deutschesheer.de/portal/a/10div/aktuelles/nachrichten/jahr2010/maerz2010%3Fyw_contentURL=%2FC1256F870054206E%2FW282JGXP954INFODE%2Fcontent.jsp